Michael Koch freut sich über seinen neuen Arbeitnehmer aus Afghanistan, und er hilft ihm gerne bei Behördengängen und Anträgen.
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Michael Koch freut sich über seinen neuen Arbeitnehmer aus Afghanistan, und er hilft ihm gerne bei Behördengängen und Anträgen.

Unternehmer verhilft Asylant zur Halbtags-Arbeit

Viele Hürden bis zum Job

  • vonGerrit Mai
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Miraqua Akbari hat Glück gehabt und eine Arbeitsstelle gefunden, wenn er auch nur 20 Stunden arbeiten darf. Aber der Mann aus Afghanistan hat auch etwas wichtiges dafür getan: Von Anfang an Deutsch gelernt.

Von wegen, Flüchtlinge nehmen deutschen Arbeitslosen die Jobs weg. Miraqua Akbari ist das beste Beispiel, dass das nicht so ist. Er arbeitet seit kurzem im Dienstleistungs-Unternehmen des Wehrheimers Michael Koch, und der hat lange gesucht. Die Stelle war beim Arbeitsamt angemeldet, aber niemand wollte in seiner Konfektionierung arbeiten.

Für Miraqua Akbari aus Afghanistan dagegen ist der Job ein wahrer Glücksfall, er fühlt sich wohl in dem Unternehmen, wird von den Kollegen geschätzt, und der Chef kümmert sich selbst darum, dass bei der Anmeldung bei der Krankenkasse oder beim Finanzamt alles richtig läuft. „Das ist mir ganz wichtig, wir können ihn damit ja nicht allein lassen“, so Koch.

Allerdings werde es potenziellen Arbeitgebern nicht gerade leicht gemacht, einen anerkannten Asylanten in Lohn und Brot zu nehmen. Es seien viele Anträge auszufüllen, wozu ein Asylant gar nicht in der Lage sei, und als Arbeitnehmer habe er es gleich mit mehreren Behörden, der Flüchtlingsstelle des Hochtaunuskreises, dem Bundesamt für Migration und dem Arbeitsamt zu tun. Das mache eine Einstellung nicht einfacher.

Der 37-Jährige kann verstehen, dass das nicht jeder Unternehmer leisten kann, und dass die beiden zusammenkamen ist dem Umstand zu verdanken, dass der elfjährige Sohn Sharam Schüler seiner Frau, Anke Ziegler-Koch an der Limesschule ist. So kam der Kontakt zustande. Nach einem Monat Praktikum, in dem sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer kennen lernten, arbeitet der Vater von vier Kindern – die jüngste Tochter ist in Deutschland geboren – jetzt 20 Stunden in Kochs Firma in Ober-Eschbach.

Wenn’s passt, nimmt der Chef ihn mit zur Arbeit, sonst fährt Akbari mit Bahn und Stadtbus. Michael Koch hat sich um ein Grundstück im neuen Gewerbegebiet Wehrheim Süd beworben. Wenn das klappt, wäre der Arbeitsplatz leichter zu erreichen.

Akbari macht die Arbeit Spaß, und sein Chef lobt seine Zuverlässigkeit. Er kann Deutsch schon ganz gut verstehen. Das hat er von Anfang an im Mehrgenerationenhaus gelernt, denn er weiß, dass die Sprache das wichtigste ist, um sich zu integrieren.

In seiner Heimatstadt Kabul war der 42-Jährige selbst Unternehmer. Er hatte eine gut gehende Parfümerie, wodurch er im Fokus der fundamentalistischen Taliban stand. Er flüchtete mit seiner Frau Anisa (43), den beiden Mädchen Zainab (13) und Quainat (7) und deren Bruder Sharam (11) und hat dafür pro Person 10 000 Dollar bezahlt. Die ständige Angst um die Familie und die Chance, dass die Kinder in Sicherheit aufwachsen, war ihm das wert. Die Familie war zwei Monate und 15 Tage unterwegs, Mira hat jeden einzelnen Tag in Erinnerung. Sie sind mit einem Plastikboot übers Mittelmeer von der Türkei nach Griechenland gekommen und hatten über Mazedonien, Serbien, Ungarn und Österreich Deutschland erreicht.

Nach einem Monat im Auffanglager Gießen zogen sie nach Pfaffenwiesbach, jetzt leben sie in Wehrheim. Die Wohnung ist für sechs Personen ziemlich klein, und daher hat er einen Wunsch: „Eine größere Wohnung, die ich von meinem selbst verdienten Geld bezahlen kann.“

Miraqua Akbari ist anerkannter Asylant und hat eine Aufenthaltsgestattung bis 2019, aber bis er einen Pass bekommt, wird es wohl noch dauern. Der kann nicht ausgestellt werden, weil ihm sein Ausweis in Afghanistan abgenommen wurde und er keine Papiere hat. Aber auch dabei verspricht Michael Koch ihm zu helfen. „Für mich ist das eine mitmenschliche Verpflichtung.“

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