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Die Kraniche haben ihre Keilformation verlassen und nutzen die Thermik, um an Höhe zu gewinnen.

Kraniche über dem Usinger Land werden täglich gezählt

Vogelschützer beobachteten die letzten Tage über 20 000 Vögel auf dem Weg in den Süden

Die Zahl der Kraniche nimmt wieder zu, wie Vogelschützer beobachten. In großen Formationen haben sie in den letzten Tagen den Taunus überflogen.

"Die Kraniche dürften für diese Jahr so ziemlich durch sein", meint Guntram Löffler. Der Vorsitzende der Vogel- und Naturschutzgruppe Hausen-Arnsbach beobachtet und dokumentiert als Vogelschutzbeauftragter jedes Jahr den Kranichzug. Denn auf ihrem Weg nach Süden fliegen sie auch durch Hessen und über den Taunus. Dabei sind sie mit ihrem lauten Trompeten nicht zu überhören.

Gefühlt meinte Löfflers Frau Katharina zwar, dass in diesem Herbst weniger Kraniche unterwegs gewesen seien als im Vorjahr und dass sie auch deutlich später in Richtung Frankreich und Spanien gezogen seien. Aber der Vorsitzende weiß es besser, weil er jedes Jahr die Zahlen nicht nur meldet, sondern auch in seinem Computer festhält. "In diesem Jahr waren sie drei Tage später als 2019", stellt er fest.

Und die großen Züge hätten sich 2020 auf drei statt auf zwei Tage verteilt. Die ersten kleineren Trupps mit vielleicht 150 Vögeln hatten Kollegen von Löffler schon am 18. September gesichtet. Im Oktober sind aber wie beim NABU tagesaktuell veröffentlicht viele Kraniche südlich des Taunus vorbeigeflogen.

Bis Löffler über Hausen-Arnsbach und Anspach den Massenzug der Tiere beobachten konnte, sollte es bis zum 3. November dauern. Die ersten 1500 Kraniche passierten in mehreren Ketten in V-Formation in direkter Folge ab 15.15 Uhr innerhalb von 20 Minuten seinen Standort in Hausen-Arnsbach. Einen Tag später sichtete er in Kronberg ab 10.15 Uhr 5600 Tiere und um 11.10 Uhr in Hausen-Arnsbach 6100 Tiere.

Exakte Zahlen erfasst

Das war ungewöhnlich früh und deutet für ihn ganz klar darauf hin, dass sie von einem Rastplatz in der Nähe gekommen sind, vielleicht aus der Wetterau oder aus Thüringen.

"Kraniche, die aus Mecklenburg-Vorpommern kommen, sind in der Regel erst zwischen 14 und 16 Uhr bei uns", weiß Löffler aus eigener Erfahrung und der Auswertung von anderen Vogelbeobachtern. Das müssten dann die 7000 Tiere gewesen sein, die er am 4. November um 14.50 Uhr gezählt.

Bestand nimmt langsam zu

Kurz darauf hat er über dem Hessenpark noch einmal 600 Kraniche gesehen. Einen Tag später zogen zwischen 15 Uhr und 15.40 Uhr weitere 2500 Vögel in mehreren großen Ketten über Neu-Anspach.

Im Vorjahr hat Löffler insgesamt rund 21 300 der großen Vögel registriert. Bis jetzt waren es also kaum weniger. Aber der Vogelschutzbeauftragte weiß, dass der Bestand insgesamt deutlich zugenommen hat. Seine Beobachtungen könnten darauf hindeuten, dass einige Kraniche diesmal eine andere Route geflogen sind, oder dass noch Nachzügler kommen. Im Vorjahr hatte er die allerletzten 150 Kraniche am 27. Dezember gesehen. Es gab sogar ein Jahr, da flogen die letzten Kraniche am 10. Januar nach Süden und die ersten kamen Anfang Februar schon wieder zurück. "Die haben quasi nur einen Kurzurlaub gemacht", meint Löffler und vermutet: "Solange es nicht zu kalt wird, werden vielleicht einige den Winter bei uns in Deutschland verbringen."

Der Kranichzug habe sowieso viel mit dem Wetter zu tun. "Sie fliegen am liebsten bei Hochdruck und bei Ostwind, damit sie nicht so viel Kraft brauchen", erläutert der Fachmann. Das erklärt auch, warum die Vögel in V-Formation fliegen.

Ganz vorne fliegen kräftige und erfahrene Leittiere. Von ihrem Windschatten profitieren die hinter ihnen fliegenden oder gleitenden Vögel, und die erzeugen ihrerseits wieder einen Windschatten für diejenigen, die ihnen folgen.

Was Löffler auch regelmäßig beobachtet, ist die Tatsache, dass sich die typische Keilformation kurzfristig auflöst und stattdessen ein scheinbar chaotisches Gewimmel entsteht. Es scheine aber nur so, als ob die Kraniche suchend am Himmel kreisen und sich orientieren müssten. "Die Vögel versuchen die Thermik zu nutzen, um mit wenig Energieaufwand an Höhe zugewinnen", so Löffler. Wie schnell das funktioniert, verblüfft ihn immer wieder. "Manchmal dauert es nur Sekunden, bis sie mehr als 100 Meter höher wieder in Linie Fliegen und ihren Kurs aufnehmen", berichtet er. Evelyn Kreutz

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