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Eine Statue der Justitia ist zu sehen.   Foto: Peter Steffen/Archiv

Prozess

Waffe und Munition im Schrank

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Ein Besitzer ist derjenige, in dessen Einflussbereich sich eine Sache befindet und der auf sie zugreifen kann. Besitz ist eine Tatsache, Eigentum dagegen ist das Recht an einer Sache. Einem Weilroder Ehepaar ist dieser Unterschied jetzt klar. Das Lehrgeld, das die beiden zahlen müssen, war teuer: sieben Monate Haft und 500 Euro. Für jeden.

In der Wohnung eines Weilroder Ehepaars war eine Pistole gefunden worden. Seine Waffe? Ihre Waffe? Beider Waffe? Beider, entschied das Königsteiner Amtsgericht, wo der Fall des gemeinschaftlichen Besitzes einer genehmigungspflichtigen Waffe nebst Munition jetzt behandelt wurde. Ergebnis: sieben Monate Haft auf Bewährung. Allerdings müssen beide jeweils noch 500 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung zahlen.

Der Vater der 54-jährigen Angeklagten war 2005 verstorben. Die damals schon schwerkranke Mutter zog zu ihrer Tochter und deren Mann, dem Angeklagten (55). Beim Auflösen des Hausstandes fand sich in einer Kiste im Keller eine halbautomatische Pistole nebst 32 Schuss scharfer Munition Kaliber 7’65. Ohne sich viel dabei zu denken, aber auch weil sie nicht so recht wusste, wohin mit der Waffe, wanderten Pistole und Munition, eingepackt in eine blaue Tschibo-Tüte, im Ankleidezimmer in einen Schrank. Dort wurde sie dann am 24. Februar 2016, zehn Jahre nach der Einlagerung, gefunden. Von der Polizei, bei einer

Hausdurchsuchung

.

Dass es dazu kam, zeugt von zutiefst zerrütteten familiären Beziehungen. Die Schwiegertochter des Ehepaars war beim Durchsuchen von Schränken mittels einer Videofalle überführt und deswegen von den Schwiegereltern angezeigt worden. Sie bekam Hausverbot. Im Gegenzug schwärzte die Frau, die im Prozess als Zeugin geladen, aber nicht erschienen war, die Schwiegereltern ihrerseits bei der Polizei an. Beim Durchwühlen der Schränke hatte sie wohl auch die Waffe gefunden. Die

Hausdurchsuchung

folgte auf dem Fuße.

Im Prozess versuchte die Angeklagte, die Schuld weitestgehend auf sich zu nehmen. Die Waffe müsse wohl ihr zugerechnet werden, weil sie unzweifelhaft von ihrem Vater oder Großvater, vermutlich aus dem Ersten Weltkrieg, stamme. Sie gab auch zu, dass ihr Mann sie mehrfach aufgefordert hat, „das Ding endlich aus dem Haus zu schaffen“. Sie habe es nicht getan, weil sie mit dem Stress, den sie mit ihrer schwerstkranken Mutter hatte, überfordert gewesen sei. Es sei ihr auch klar gewesen, dass es sich um eine verbotene Waffe gehandelt hat. Benutzt worden sei sie aber nie.

Oberamtsanwalt und Richterin werteten die Einlassung der Frau als volles Geständnis, die von der Verteidigerin des Angeklagten verlesene Erklärung hingegen nicht. Der Mann hatte darin eingeräumt, dass er von der Waffe zwar wusste und auch geahnt habe, dass ihr Besitz verboten war, weshalb er seine Frau ja auch mehrfach zur Entsorgung gedrängt habe. Konkret habe er mit der Waffe aber nichts zu tun, sie sei Teil des Erbes seiner Frau und in deren Herrschaftsbereich gewesen. Ungewollten Mitbesitz sehe das Strafrecht nicht vor, meinte auch die Verteidigerin. Sie mahnte, „die Kirche im Dorf zu lassen“, das Ganze habe auch mit „aus den Augen, aus dem Sinn“ zu tun.

Das Gericht sah das aus mehreren Gründen anders. Die blaue Tüte sei so im Schrank platziert gewesen, dass sie in all den Jahren beim Benutzen des Schrankes durch beide Eheleute immer wieder ins Blickfeld gerückt sein müsse. Selbst wenn die voll funktionsfähige Waffe ein „Erbstück“ gewesen sein sollte, was die Richterin bezweifelte, da die Mutter damals noch gelebt hat, hätte der Ehemann im Sinne des rechtlichen Begriffs des „Besitzes“ ebenso Zugriff auf die Waffe gehabt wie seine Frau. Waffe und Munition hätten schon gar nicht gemeinsam gelagert werden dürfen. Auch dass in der Tüte Munition für die im Übrigen erlaubte, in der Küche gefundene Schreckschusspistole lag, deute darauf hin, dass die Tüte wohl doch nicht so ganz in Vergessenheit geraten sein kann.

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