Streifzug durch die Welt der Fotografie

Das waren Zeiten!

  • schließen

Zum Frühlingsmarkt des Heimatvereins Treisberg am 2. April und an zwei weiteren Sonntagen öffnet die Alte Schule in Treisberg wieder die „gut Stubb“ zu einer Ausstellung. „. . . , wenn es ,Klick‘ macht“, heißt es dann. Kurator Wolfgang Ettig plaudert ein wenig aus dem Nähkästchen.

Wussten Sie, dass heute weltweit alle zwei Minuten digital mehr Fotos geschossen werden als im gesamten 19. Jahrhundert? Der Flyer für die neue Ausstellung in der Treisberger Alten Schule macht neugierig. Wer sich dort Fotoapparate aus rund 100 Jahren anschaut, der bekommt eine Ahnung, warum in der Anfangszeit der Fotografie so wenig Aufnahmen gemacht wurden.

„Als noch mit Zelluloid gearbeitet wurde, da hat man sich erst gut überlegt, drücke ich ab oder nicht“, stellt Wolfgang Ettig aus eigener Erfahrung fest. Sein erster Fotoapparat war eine Zwölfer Agfa Rollfilm-Kamera mit aufklappbarem Blitzgerät. „So ein Film war schnell vollgeknipst“, erzählt er weiter. „Und erst nach der Entwicklung in der Drogerie und Fotohandlung Reusch in Usingen wusste ich, was drauf war.“ Heute fotografiert Ettig digital mit einer Lumix und sieht gleich, ob seine Fotos etwas geworden sind.

Wenn er in Niederlauken nicht einen leidenschaftlichen Sammler von Fotoapparaten kennengelernt hätte, hätte Ettig die neue Ausstellung mühsam zusammentragen müssen. So konnte er aus dem Vollen schöpfen und aus dessen Fundus die komplette Ausstellung bestücken. Das älteste Exponat ist eine Plattenkamera aus der Zeit um 1870 auf einem Holzstativ, die mit Sicherheit einem Profi gehört hat.

Für gute Aufnahmen brauchten die Fotografen in der Anfangszeit Belichtungsmesser und -tabellen. Entwickelt und Abzüge gemacht haben sie in der eigenen Dunkelkammer. Auch eine solche hat Ettig in einer Ecke arrangiert. Mit der Zeit wurden die Kameras handlicher und benutzerfreundlicher, dazu gab es erste Ratgeber unter dem Titel „Knipse – aber richtig“. Die Fotoabteilung der Drogerie Reusch warb für die Entwicklung der Filme und für Fotoapparate in allen Preislagen schon ab 12,50 Mark.

Aber welche Kamera war die richtige für einen Hobbyfotografen? Neben bekannten Klassikern von Voigtländer, Rollei und Kodak hat Ettig auch Fabrikate ausgestellt, von denen er selbst vorher noch nie etwas gehört hat, dazu Blitzgeräte und Objektive.

Die kleinste Kamera russischer Herkunft ist gerade mal so groß wie eine Streichholzschachtel, aber keineswegs ein Spielzeug. Auch die legendäre „Agentenkamera“ von Minox und die Polaroidkamera fehlen in der Sammlung nicht.

„Bis in die 1980er Jahre gab es eine reiche Auswahl an Fotoapparaten, danach konzentrierte sich die Herstellung auf wenige Anbieter, und dort endet auch unser Streifzug durch die Welt der Fotografie“, so Ettig. Weil keiner die Ausstellungsstücke so gut kennt wie der Sammler, wird der am Eröffnungstag für Auskünfte zur Verfügung stehen.

An drei aufeinanderfolgenden Sonntagen ist die Ausstellung zu sehen. Zum ersten Mal am Sonntag, 2. April, im Rahmen des Treisberger Frühlingsmarktes, danach noch am 9. und am 16. April jeweils von 11.30 bis 17 Uhr.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare