Literatur

Warum die Bibliotheken im Usinger Land so beliebt sind

Der ehemalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker rief 1995 den 24. Oktober als Tag der Bibliotheken ins Leben. Er wollte damit auf ihren Wert als Wahrzeichen für Bildung und Kultur aufmerksam machen. Auch im Usinger Land werden Büchereien noch wertgeschätzt.

Es ist kurz nach 17 Uhr, die Neu-Anspacher Stadtbücherei öffnet zum zweiten Mal an diesem Mittwoch und die Menschen strömen in Scharen durch die Tür. Sie ist – wie der Name sagt – eine öffentliche Einrichtung der Stadt Neu-Anspach und offensichtlich beliebt. Bibliotheksleiterin Martina Wätzold und ihre beiden Kolleginnen sorgen dafür, dass es zwischen den Regalreihen nie langweilig wird. „Aktualität ist das A und O, bei Kindern und Erwachsenen“, sagt Wätzold.

Zum Publikum gehören Menschen vom Kleinkind bis zum Mitte 80-Jährigen. Sie kommen aus Schmitten, Usingen, Wehrheim und Grävenwiesbach, auch wenn der Löwenanteil aus der Kleeblattstadt selbst ist.

Alexandra Gimmel aus Neu-Anspach zum Beispiel. Sie selbst kauft die Bücher lieber, die sie meistens mehrmals liest, nutzt die Bücherei aber mit ihren Kindern Jannik (9) und Marilena (13). Jannik leiht sich diesmal „Gregs Tagebuch: Von Idioten umzingelt“ aus – weil es seine große Schwester auf Englisch gelesen hat, wie er sagt. Gimmel hält in einer Hand das Buch, in der anderen eine DVD („The Lego Batman Movie“).

Die Geschichte der Bestsellerautorin Anja Jonuleit, „Das Nachtfräuleinspiel“, leiht sich Tessa Kunkler aus Wilhelmsdorf an diesem Nachmittag aus. „Es ist das neueste Buch meiner Lieblingsautorin, daher habe ich es vorbestellt“, sagt Kunkler. Sie ist seit zehn Jahren Kundin der Bücherei und schätzt die Freundlichkeit und den Service.

Für 20 Euro im Jahr können Familien in Neu-Anspach fast unbegrenzt Bücher, Filme, Spiele, CDs und Zeitschriften leihen. Kinder und Jugendliche zahlen 5 Euro Jahresbeitrag, so viel kostet auch der Schnupper-Ausweis. Die Stadtbücherei in der Konrad-Adenauer-Straße 2 hat folgende Öffnungszeiten: Dienstag, 10 bis 14 Uhr, Mittwoch, 13 bis 15 und 17 bis 19 Uhr, freitags von 13 bis 18 Uhr und samstags von 10 bis 12 Uhr.

Bücherei-Leiterinnen können mit Buchtiteln und Autoren jonglieren wie Juristen mit Paragrafen. Theoretisch also könnte Kerstin Petereins von der Usinger Stadtbücherei zu wahrscheinlich jedem Buch etwas erzählen. Beim Rundgang mit der TZ schwärmt sie zum Beispiel, dass die Comic-Tagebücher „Gregs Tagebuch“ von Jeff Kinney „die Jungs zum Lesen gebracht“ haben (demnächst erscheint Teil 12).

Diese und andere Neuerscheinungen gehen weg wie warme Semmeln, wie auch „Das Nachtfräuleinspiel“, das erst seit Juli in den Regalen in der Hugenottenkirche steht und seitdem fünf Mal ausgeliehen worden ist.

Leseratten jeden Alters aus dem ganzen Usinger Land lockt das Angebot an. Doch die Baustelle in der Kreuzgasse (B 275) bereitet Petereins etwas Bauchschmerzen, „wir merken sie schon“, da kann es auch mal an Wochenmarkt-Freitagen ruhiger zugehen. Doch Stammkunden wie der CWS-Schüler Karl Landsee (14) aus Neuweilnau wissen, dass die Bücherei, die zu allem Überfluss auch schon seit mehreren Monaten wegen Sanierung eingehüllt ist, weiterhin gut zu erreichen ist; zum Beispiel während einer Freistunde. Seit er das Gymnasium besucht, zieht es ihn regelmäßig in die Hugenottenkirche. Die Fantasy-Autoren Jonathan Stroud (u.a. „Bartimäus“) und Eoin Colfer (u.a. „Artemis Fowl“) mag er am liebsten.

Die Jahresgebühr für die Stadtbücherei beträgt 12 Euro im Jahr, Kinder von 7 bis 18 Jahren sind frei, ebenso Studenten. Sie hat montags von 15 bis 18 Uhr, dienstags und mittwochs von 10 bis 13 und dienstags zusätzlich von 17 bis 19 Uhr geöffnet. Am Freitag ist der längste Öffnungstag: 10 bis 18 Uhr. Am Donnerstag hat die Stadt- und Schulbücherei in der Grundschule in Eschbach, Schulstraße 8, geöffnet, 16 bis 18.30 Uhr.

Für die Ausleiherin der Bücherei in Wehrheim sind Bücher wie Freunde. In denen möchte sie gerne blättern. Ähnlich sieht das Cameka Hales-Hahn. Sie packt einen ganzen Stapel Bücher für ihre Jungs, viereinhalb und zwei Jahre alt, ein. „Meist kommen sie selbst mit, aber heute wollten sie lieber in den Kindergarten.“ Doch die Mutter weiß, was ihre Kinder mögen, und auch Bibliothekarin Cindy Franz kennt die Wünsche ihrer Kunden – einschließlich einiger „Karteileichen“ rund 1750. In der Woche gehen bis zu 80 Bücher über ihren Tisch. Online-Ausleihe gibt es im Apfeldorf nicht, und sie werde auch nicht nachgefragt, weiß Cindy Franz. Dafür ist sie mit den Neuerscheinungen auf dem Laufenden.

Der neue Krimi von Charlotte Link, „Die Suche“ ist schon bei den Kunden unterwegs, auf die Neuerscheinungen von Lucinda Riley und Carmen Korn warten sie sehnsüchtig. Anderer Lesestoff von der Buchmesse ist noch im Kommen. Es gibt auch von dem beliebtesten Bestseller immer nur ein Exemplar, aber was so eine richtiger Bibliotheks-Ausleiher ist, der weiß, dass auf solche Bücher auch andere ganz heiß sind und beeilt sich mit der Rückgabe.

Die Wehrheimer Bücherei im Bürgerhaus ist den eigenen Bürgern vorbehalten, der Personalausweis wird aber nur bei der Anmeldung geprüft. „Danach geht es bei uns familiär zu“, so Franz. Geöffnet hat sie dienstags von 16 bis 18 Uhr und freitags von 10.30 Uhr bis 11.30 Uhr.

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