Windkraft in Bad Camberg

Warum statt sechs am Ende nur fünf Windräder am Kuhbett stehen könnten

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Da waren’s nur noch fünf! Wenn sich der Gießener Regierungspräsident dem Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung anschließen sollte, hat eins der sechs am Kuhbett geplanten Windräder keine Chance, genehmigt zu werden. Die Hasselbacher wird’s freuen.

Sechs Windkraftanlagen sollen im Bereich Kuhbett auf Bad Camberger Gemarkung, aber im Sichtweite des Weilroder Ortsteils Hasselbach errichtet werden. Die Gemeinde hat sich im Rahmen des beim Regierungspräsidium Gießen geführten Beteiligungsverfahrens gegen den Bau des Windparks positioniert (TZ berichtete).

Je nach Standort wären nur drei, teils aber auch alle sechs Anlagen mit einer Nabenhöhe von 149 Metern und einem Rotordurchmesser von 115 Metern wie auf dem Präsentierteller zu sehen. Nun scheint es, als werde es für Hasselbach aber im Fall des Baus vielleicht nicht ganz so schlimm.

Der Gießener Regierungspräsident hat Burkhard Becker, Ortsvorsteher im Bad Camberger Ortsteil Schwickershausen, schriftlich informiert, dass das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung sein Veto gegen Windrad Nummer 6 – die linke der drei von Hasselbach aus in vorderster Front auf dem Kamm sichtbaren Anlagen – eingelegt hat. Das Schreiben des Bundesamtes an das Regierungspräsidium Kassel liegt der TZ vor. Darin heißt es, auf Basis des Gutachtens der Flugsicherungsorganisation werde entschieden, dass beim Bau aller sechs Windenergieanlagen die zivile Flugsicherungseinrichtung DVOR Taunus TAU gestört werden könnte.

Demzufolge stehe der Windpark Paragraf 18a Luftverkehrsgesetz entgegen. Ohne die Anlage 6 werde der zivile Flugverkehr nicht tangiert. Das Bundesamt schreibt weiter, dass mit der Versagung zum Bau der Anlage 6 einem Antrag der Deutschen Flugsicherung (DFS) entsprochen werde. Bei der DVOR Taunus handele es sich um eine Funknavigationsanlage zur Unterstützung der sicheren und flüssigen Abwicklung des Luftverkehrs.

Bei der „BI Rennstraße“ zeigte man sich erfreut. Sprecher Reinhold Kilb sagte: „Natürlich ist das prima. Jetzt heißt es abwarten, wie DunoAir und Hessen Forst reagieren.“ Kilb geht davon aus, dass der Gießener Regierungspräsident das Veto des Bundesamtes kaum ignorieren kann. Man wisse aber nicht, ob DunoAir nicht doch versuchen wird, die Anlage auf einem anderen, wenn auch weniger windhöffigen Platz zu bauen.

Von dort war noch keine Stellungnahme zu bekommen. Der Projektplaner wolle sie zwar äußern, sei aber krank.

Hessen Forst wird eine Versagung des Baus von Anlage 6 „zur Kenntnis nehmen“. André Schulenberg, Pressesprecher des Landesbetriebs, sagte der TZ, man stehe zwar weiterhin zum Bekenntnis der Landesregierung, die Energiewende möglichst schnell umzusetzen. Sollte eines der sechs Räder aber nicht genehmigungsfähig sein und sich auf der DunoAir zur Verfügung gestellten Vorrangfläche kein anderer Standort für die Anlage finden, dann sei das eben so, auch wenn dadurch weniger Pacht fließen sollte.

Es liege allein in der Zuständigkeit von DunoAir und auch in dessen unternehmerischem Risiko, die Anlagen auf geeigneten und genehmigungsfähigen Plätzen zu bauen. Hessen Forst mische sich da nicht ein, sagte Schulenberg. Am 18. Oktober findet im Rahmen des Genehmigungsverfahrens für den Windpark Kuhbett im Bad Camberger Bürgerhaus von 9 bis 18 Uhr eine öffentliche Anhörung statt (siehe auch: Zum Thema).

Weilrod wird dort offiziell nicht vertreten sein. Bürgermeister Axel Bangert (SPD) sagte im Umweltausschuss, nach dem detaillierten Einspruch der Gemeinde gegen das Projekt sehe er keine Veranlassung, an der Anhörung teilzunehmen.

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