Politik im Taunus

Warum ein Stück Feldweg in Wehrheim eine große Debatte auslöst

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Die FDP möchte ein kleines Stück Feldweg zwischen Anne-Frank-Straße und „Vor dem Anspacher Berg“ umwidmen und in Schuss bringen. Befürworter sehen viele Vorteile für Andiener der Grünecke, Gegner befürchten, dass die Abkürzung zu stark benutzt werden wird.

Es sind weniger als 75 Meter, die die Anne-Frank-Straße von der Grünecke im Westen Wehrheims trennen. Wer etwas anliefern möchte, muss rund einen Kilometer fahren. Denn die mit unzähligen Schaglöchern versehene Verlängerung der Straße an der Kita Apfelzwerge ist der Landwirtschaft vorbehalten. Für alle anderen gilt: Durchfahrt verboten!

Die FDP Wehrheim will das ändern. In einem Antrag für die nächste Sitzung der Gemeindevertretung fordert sie, den 75-Meter-Feldweg und das derzeit nicht geteerte Stück zur Grünecke „für den Anlieferungsverkehr und die Nutzung der landwirtschaftlichen Fahrzeuge auszubauen und mit einer Asphaltschicht zu versehen“. Die derzeitige Wegdecke halte dem „starken Verkehrsaufkommen von Andienern der Grünecke und den schweren landwirtschaftlichen Maschinen nicht stand“, heißt es in der Begründung. Ein Ausbau bedeute eine Ersparnis für die Gemeinde, da so die derzeit häufigen und nötigen Reparaturen vermieden werden könnten.

So weit, so gut. Das Vertrauen darauf, dass nur Autofahrer diese Piste nutzen, die die Grünecke anfahren, reicht offenbar selbst bei der FDP nicht bis zum Ende der Antragsbegründung. Zumindest heißt es dort: „Gleichzeitig erwarten wir durch die Anbindung eine Entspannung der Verkehrssituation in Wehrheim, da Verkehr aus der Anne-Frank-Straße, beispielsweise vom Kindergarten, auch in Richtung Neu-Anspach abfließen kann.“ Übersetzt heißt das:

Durchgangsverkehr

wird durchaus in Kauf genommen und ist sogar gewünscht – eine Art Bypass für den Wehrheimer Westen würde entstehen.

Zwar wird über den Antrag vom Parlament erst Ende kommender Woche entschieden, das mögliche Konfliktpotenzial zeigte sich jedoch schon am Dienstagabend im Wehrheimer Ortsbeirat. Rainer Gauderer (SPD) griff den Antrag auf und warb dafür, dass der Ortsbeirat den Vorschlag unterstützen solle. „Die Autos fahren dort ohnehin schon die Abkürzung. Nur wird das Stück bei Regen derzeit zu einem Matschweg.“ Die Gemeinde sollte das Stück zu einer vollwertigen Straße ausbauen und entsprechend umwidmen.

Werner Rosner (CDU) warnte: „Es gab doch schon genug Probleme mit den Anwohnern wegen des Verkehrs.“ Zudem nutzten – ob Straße oder nicht – vom Paketlieferdienst bis hin zum Pkw schon jetzt viele Wagen den Bypass.

Ob sich eigentlich jemand dafür interessiere, dass dort eigentlich niemand zu fahren habe? Ja, meinte Jan Krebs, CDU: das Ordnungsamt. Das habe schon angekündigt, die Feldwege spätestens von April an stärker zu kontrollieren. Und wer zwei Mal 20 Euro gezahlt habe, werde das kein drittes Mal tun wollen. Das drehte die Debatte. Ob da nicht ohnehin mal ein Pfosten gewesen sei? „Ja, ganz früher“, wusste Gauderer. Aber die Landwirte wollen den Weg ja nutzen. Da stört ein solches Hindernis.

Letztlich kam es im Ortsbeirat zu keinem Votum. Ortsvorsteher Stefan Velte (CDU) meinte, der Bauausschuss sollte sich der Frage annehmen.

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