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Von Wehrheim in die „Neue Welt“

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Von: Matthias Pieren

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Susanne Kolass vom Wehrheimer Geschichts- und Heimatverein hat die Geschichte von Mitgliedern der Wehrheimer Familie Etzel erforscht, die Mitte des 19. Jahrhunderts nach Texas ausgewandert sind.
Susanne Kolass vom Wehrheimer Geschichts- und Heimatverein hat die Geschichte von Mitgliedern der Wehrheimer Familie Etzel erforscht, die Mitte des 19. Jahrhunderts nach Texas ausgewandert sind. © Pieren

Bevölkerungswachstum, Realteilung in der Landwirtschaft, Arbeitslosigkeit und Missernten ließen Mitte des 19. Jahrhunderts auch Bürger aus Wehrheim in die Neue Welt auswandern. Susanne Kolass machte sich auf Spurensuche – und wurde fündig.

Am Wochenende werden die Koffer gepackt. Ihren Flug in die USA haben Susanne Kolass und ihr Mann Jörg schon lange gebucht. Jetzt beginnt das Fernweh zu kribbeln – zumal die Schriftführerin des Geschichts- und Heimatvereins in Texas Nachfahren der Mitte des 19. Jahrhunderts ausgewanderten Brüder William und Philipp Etzel treffen wird.

„Mein Vater hatte immer wieder davon berichtet, dass Mitglieder der Wehrheimer Familie Etzel nach Amerika ausgewandert sind“, berichtet Susanne Kolass, die Tochter des vor sechs Jahren verstorbenen ehemaligen Bürgermeisters Helmut Michel. „Doch wohin es die Wehrheimer verschlagen hatte, war unklar.“

Im Buch fündig geworden

Da ihre Urgroßmutter Auguste ebenfalls eine geborene Etzel war, machte sich Kolass auf Spurensuche – im Internet. Google erleichtert die Recherche in solchen Angelegenheiten ungemein. Doch um aus trockenen Fakten letztlich lebendige Geschichten zu machen, bedarf es viel Zeit, persönlicher Kontakte und Gespräche.

Und diese Mühe hat Kolass nicht gescheut. Über Internet-Recherche stieß sie auf das Buch „Nassau Plantation“ von James C. Kearney, in dem dieser von einem 1820 in Wehrheim geborenen William Etzel berichtet. Nach der überaus spannenden Lektüre des Buches hatte sie auch persönlich Kontakt mit dem Autor des Buches, einem Geschichtsprofessor der Universität von Austin, aufgenommen.

Traum von der Kolonie

„1842 reiste der damals 22-jährige Etzel als persönlicher Diener des Grafen Boos-Waldeck von Le Havre aus mit dem Segelschiff nach Amerika“, berichtet die Hobby-Historikerin. „Als Mitglieder des Vereins zum Schutze deutscher Auswanderer in Texas wollten sie in der damals freien Republik Texas Land kaufen. Dort sollte eine deutsche Kolonie, ein ,Neu-Deutschland‘ entstehen.“

Nach 38 Tagen auf See legte der Dreimaster im Hafen von New York an. Viele Landspekulanten waren in der Stadt, und der Graf begeisterte sich für die Idee, eine Plantage zu errichten und dort eine Kolonie darum anzusiedeln. „Über ein Genealogie-Portal im Internet bin ich auf Williams Bruder Philipp gestoßen, der auch nach Texas auswanderte. Heute leben im Fayette County zwischen Houston und Austin hunderte Nachfahren der Etzels“, sagt Kolass.

Im Internet-Portal verfolgte sie den Stammbaum des Philipp Etzel und stieß auf dessen Nachfahrin Lucy Stewart. Die hatte ein Foto vom Grabstein des Philipp Etzel ins Internet gesetzt, auf dem fälschlicherweise als Geburtsort Wahlheim aufgeführt war.

Lucy Stewart hatte sich über den Anruf und den Hinweis gefreut. Die beiden Frauen standen weiterhin miteinander in Kontakt. Susanne Kolass hatte ihre Recherchen über die Auswanderung der Etzel-Brüder in einer Powerpoint-Präsentation zusammengefasst, die Lucy Stewart schon bei einem Treffen des amerikanischen Etzel-Clans präsentiert hat.

„Lucy freute sich so über den Kontakt, dass sie den Wunsch äußerte, nach Wehrheim zu reisen“, berichtet Kolass. „Weil ich von den Etzel-Familientreffen in Wehrheim wusste, habe ich mit Paul Erich Etzel Kontakt aufgenommen und vom Interesse der Verwandtschaft in Amerika berichtet.“

Gegenbesuch im September?

Dieser war natürlich Feuer und Flamme und hat die amerikanische Verwandtschaft zu einem großen Etzel-Familientreffen Ende September auf den Kurtrierischen Amtshof eingeladen. Auch der Geschichts- und Heimatverein wird an dem Wochenende für die Besucher aus Amerika ein Programm anbieten. Jetzt freut sich Kolass aber erst einmal auf den ersten persönlichen Kontakt in der kommenden Woche in Texas.

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