Guter Dünger für den Garten

Nur wenn die Bürger richtig trennen, kann aus Biomüll hochwertiger Kompost werden

  • Anja Petter
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Um auf der Hochtaunus-Deponie Brandholz Biogas und Düngemittel in hochwertiger Qualität erzeugen zu können, ist es wichtig, dass Bioabfälle wenig Störstoffe enthalten. Doch die Bürger im Kreis spielen noch immer zu wenig mit.

Alles schon gesehen. Reifen, Waschmaschinen oder Baumaterial, das mitten im Wald abgelagert wird. Aber ein Rasenmäher in der Biotonne? Doch, auch das kommt vor, wie Frank Heinisch, Betriebsleiter der Biogasanlage im Deponiepark Brandholz, aus leidvoller Erfahrung weiß. „In große Tonnen passen auch große Dinge“, stellt der 30-Jährige achselzuckend fest.

Gemeinsam mit Heino von Winning, seit zwei Monaten Sprecher der Geschäftsführung, und Abteilungsleiterin Daniela Herzog möchte er die Bürger dafür sensibilisieren, in die Biotonne nur das zu werfen, was auch wirklich dort hinein gehört: organische Küchen- und Gartenabfälle nämlich.

Denn: Um Bioabfälle, die wertvolle organische Substanzen enthalten, in der 2016 in Neu-Anspach auf Brandholz in Betrieb genommenen Biogasanlage ökologisch sinnvoll verwerten zu können, ist deren Qualität entscheidend.

Ein Zweck ist dabei die Erzeugung von Strom aus Biomasse, denn dieser wird „gut bezahlt und subventioniert“, wie von Winning erklärt. Biogas habe zudem den Vorteil, dass es fossile Energieträger wie Kohle und Erdgas ersetzt. Es kann gespeichert und dann verwendet werden, wenn weder der Wind weht noch die Sonne scheint. Derzeit werden auf Brandholz 2 600 000 Kubikmeter Biogas erzeugt. Damit können rund 1500 Haushalte versorgt werden.

Außerdem fallen bei der Vergärung Rückstände an, die im Sinne der Kreislaufwirtschaft als organischer Dünger in der Landwirtschaft verwendet werden können und helfen, Böden gesund zu erhalten und den Einsatz von künstlichen Düngern zu verringern. Dazu gehört auch Kompost, der kostenlos abgegeben wird (Lesen Sie dazu weiteren Bericht).

Bei diesem Thema könnte es künftig ein wenig „emotionaler“ zugehen, sagt von Winning. Er denkt nämlich daran, einen „Taunus-Kompost“ zu erzeugen – also einen Dünger, der in unserer Region „groß geworden“ ist und beispielsweise in Gartencentern verkauft werden könnte.

Glas ist ein Problem

Damit die Qualität „hinten“ gut ist, muss sie aber auch „vorne“ stimmen. Mit anderen Worten: Der Inhalt der Tonnen muss besser werden. Heinisch spricht davon, dass derzeit rund zehn Prozent Störstoffe in der Biotonne landen. Dazu zählen beispielsweise Metalle und Kunststoffe – häufig auch Plastikflaschen. Ein großes Problem ist auch Glas, weil hier die Stücke nicht so einfach abgesiebt werden können. Ihm sind auch nach wie vor die Tüten aus Maisstärke ein Dorn im Auge, da sie nur auf reinen Kompostierungsanlagen restlos abgebaut werden können und zudem den Eindruck vermitteln, auch andere Plastiktüten könnten verwendet werden.

Hoher Aufwand

Alle Störstoffe müssen mit großem technischem Aufwand, beispielsweise mit entsprechender Anlagentechnik, aussortiert oder abgesiebt werden. Es ist auch möglich, Glas mittels Röntgen-Technologie oder Infrarot-Sensoren punktgenau rauszupusten. „Aber das ist teuer“, sagt von Winning. „Die Rechnung will keiner bezahlen.“

Er nennt aber noch einen anderen wichtigen Aspekt: „Wenn Menschen sortenrein trennen, leisten sie einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz.“ Doch warum fällt den Bürgern das so schwer? Seit der Einführungskampagne 2015, so wissen die Verantwortlichen, ist die Disziplin sogar wieder schlechter geworden.

„Der Anreiz ist zu gering“, erklärt von Winning. Weil Biomüll weniger kostet als Restmüll, werden in der braunen Tonne auch andere Abfälle entsorgt. Außerdem gibt es nach wie vor ein „Handling-Problem“: Gerüche und Maden schrecken ab. Und dabei ist es eigentlich ganz einfach: Bioabfälle können in Zeitungspapier, Papiertüten und sogar in gepresste Pappe eingewickelt werden.

Die Deponie-Verantwortlichen wissen übrigens genau, wo die „Übeltäter“ herkommen. Sie haben beobachtet, dass es in Städten und dicht besiedelten Mehrfamilienhäusern oftmals schlechter klappt als in ländlichen Gemeinden und in Einfamilienhäusern.

Sanktionen möglich

Bislang setzen die Brandholz-Mitarbeiter auf Aufklärung und Erziehung. Klappt dies nicht, sind auch Sanktionen möglich. So wird derzeit überlegt, Störstoffe wie Glas und Plastik mittels Detektoren aufzuspüren und Tonnen, die nicht nur Küchen- und Gartenabfälle enthalten, einfach stehen zu lassen. Und sie warnen: „Wenn die Verbrennungskapazitäten geringer sind, steigen die Gebühren zur Entsorgung der Störstoffe.“

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