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Ein Höhepunkt des Konzertabends: Annelien van Wauwe nimmt nach Mozarts Klarinettenkonzert den verdienten Applaus entgegen.

Wenn die Schalmei erklingt

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Entscheidend ist der Klang – das bewies eindrucksvoll das Folkwang-Kammerorchester mit den Solistinnen Annelien van Wauwe und Carla Velasco beim Auftaktkonzert der „Schalmeienklänge“ vor rund 300 Besuchern in der Aula der Christian-Wirth-Schule.

Der Anfang ist gelungen. Das Musikfestival „Allegro“ ist eröffnet, und die Organisatoren konnten kurz durchatmen. Kurz nur, denn nach dem Eröffnungskonzert am Freitag ging es schon am Samstag gleich weiter (Lesen Sie dazu auch den Text auf Seite 16). Aber wenn der Auftakt gelingt, fügt sich auch meist alles Weitere.

Mit Durchatmen und Atmen hat auch der diesjährige Programmschwerpunkt etwas zu tun, darauf ging die künstlerische Leiterin Friederike Richter in ihren Eröffnungsworten ein, aber dazu später. Die erste am Mikrofon war die Kreisbeigeordnete Susanne Eichhorn (CDU), die für den verhinderten Landrat Ulrich Krebs sprach und den Startschuss für die „Schalmeienklänge“, das vom Hochtaunuskreis zusammen mit der Stadt Usingen realisierte Musikfest, gab. Eichhorn hob die Bedeutung des Festivals für das Usinger Land hervor, die Anziehungskraft über die Region hinaus und seine Verankerung in Usingen. Usingens Bürgermeister Steffen Wernard (CDU) griff dies auf: Man müsse jetzt nicht mehr unbedingt nach Frankfurt oder Wiesbaden fahren, stellte er neben der Residenzstadt die Veranstaltungsorte im gesamten Usinger Land heraus.

„Jetzt wissen die Leute auch, dass ,Allegro‘ nicht nur eine Satzbezeichnung ist“, sagte Karl-Werner Joerg, Doppelspitze im Leitungsduo neben Richter, die „Allegro“ zu einem Markenzeichen gemacht haben. Die Veranstaltungsreihe findet schon zum dritten Mal statt und das jeweils mit verschiedenen Themenschwerpunkten. „Das Klavier hat die neutralste Klangfarbe“, erklärte Richter rückschauend auf das Thema des ersten Allegro-Festivals. Die Streicher-Familie, Schwerpunkt der zweiten Allegro-Ausgabe, sei auch noch sehr einheitlich, aber die Instrumentenfamilie der Holzbläser besitze ein sehr reiches Spektrum. „Das Entscheidende ist der Klang“, erklärte Richter, und der werde, wie bei der menschlichen Stimme, mit dem Atem geformt. Vom hellen, klaren bis zum tiefen, warmen Ton und zur Komik des Fagotts kokettierten die Holzbläser regelrecht mit der Klangfarbe. Die Holzblasinstrumente gehören zu den ältesten Instrumenten überhaupt, und die vor allem im Mittelalter und der Renaissance beliebte Schalmei gab ihren Namen für das Motto des diesjährigen Musikfests „Schalmeienklänge“.

Nach diesen Erklärungen durfte man gespannt sein, wie die Künstler des Abends die Theorie umsetzten. Zunächst blieb die Streicherfamilie aus Essen noch unter sich. Mit Edvard Griegs Holberg-Suite op. 40 begann das Folkwang-Kammerorchester unter Leitung von Johannes Klumpp. Die Aula der Christian-Wirth-Schule ist nicht einfach zu bespielen, aber das Orchester war diesmal auf einer Bühne vor der Bühne platziert, und die jungen Musiker aus Essen waren in der Lage, die eingeschränkten akustischen Möglichkeiten des Saales auszugleichen. Keine einfache Aufgabe gleichwohl, denn die romantische Suite ist, obwohl sie auf den „alten Stil“ und Tanzmuster zurückgreift, eher anspruchsvoll als leichte Kost. Dann aber, die Bach’sche Musik machte es möglich, wurde die Stimmung heiter bis leicht, und der Fokus richtete sich auf die erste Solistin des Abends: die Flötistin Carla Velasco. „Flötenkonzert in D-Dur“ wird das von Johann Christian Bach komponierte Werk bezeichnet, „Konzert für Flöte und Orchester“ könnte es auch treffend heißen, denn trotz der hervorstechenden virtuosen solistischen Passagen liegt der Reiz doch wesentlich im Zusammenspiel von Orchester und Flöte. Vorausgesetzt, Orchester und Solist setzen die entsprechenden Akzente, aber das taten Klumpp und seine Musiker in ganz hervorragender Weise. Das Orchester umschmeichelte die Flöte, und die gab sich mal provozierend, mal hingebungsvoll und auch mal schmachtend im langsamen Satz.

„Entscheidend ist der Klang“, wer die Worte Richters noch im Ohr hatte, musste sowohl bei Velasco als auch bei Annelien van Wauwe und dem Konzert für Klarinette und Orchester A-Dur von Mozart den Daumen heben. Auch die Klarinettistin verstand es, die vielfältigen Ausdrucksmöglichkeiten ihres Instrumentes mit dem Orchester in kongenialer Weise umzusetzen. Als Programmteil hinter die Pause gesetzt, war es zudem der Höhepunkt des ersten Konzertabends, der viel Lust auf weitere „Schalmeienklänge“ machte. Dabei ist das wunderbare Schlossgarten-Ambiente, das die Konzertgäste in der Pause ausgiebig genossen, sicher ein weiterer Grund, dass die Verankerung des „Musikfestes im Taunus“ in der alten Residenzstadt Usingen letztlich doch mehr als gerechtfertigt ist.

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