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Der Powi-Kurs hatte Fragen zur Podiumsdiskussion vorbereitet, Sonja und Marc stellten sie.

Adolf-Reichwein-Schüler diskutieren über den Ernstfall

Wenn der Strom ausfällt . . .

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Das Stromnetz ist sicher, aber Hacker sind inzwischen eine größere Bedrohung als Bagger, die bei Bauarbeiten ein Kabel herausreißen. Eine Podiumsdiskussion an der Adolf-Reichwein-Schule (ARS) beschäftigte sich mit dem Thema Energiewende und Stromversorgung.

„Noch ist der Bagger, der ein Kabel rausreißt, die häufigste Ursache für einen Stromausfall“, sagte Dr. Joachim Dietrich Reinking, regionaler Standortleiter des Netzbetreibers Syna. Er untermauerte damit, wie sicher die Stromversorgung hierzulande ist – und das, obwohl das Stromnetz ein äußerst kompliziertes Gebilde ist, Versorgungsgefälle und Bedarfszeiten ausgleichen muss und an nationalen Grenzen ebenfalls nicht halt macht.

Das erfuhren alle zehnten Klassen und eine elfte der Adolf-Reichwein-Schule bei einer Podiumsdiskussion in ihrer Aula. Der Powi-Kurs nimmt mit dieser Veranstaltung ein Angebot der IHK wahr, die mit dem Szenario „Skyline ohne Strom“ seit Jahren in Schulen kommt und so auch in der ARS zu Gast war.

Wurden bisher Szenarien bis zum „Worst Case“ durchgespielt – was ist, wenn der Strom großräumig länger ausfällt, Industriebetriebe nicht mehr arbeiten können, Läden nichts verkaufen können oder an Bankautomaten kein Geld zu bekommen ist – kam diesmal ein Aspekt hinzu, denn bei den „normalen“ technischen Pannen ist ein Ersatzsystem ausreichend, um gravierende Folgen zu vermeiden. Aber was, wenn Hacker Steuerungsanlagen lahmlegen? Auch da gebe es Redundanzen, so Reinking, aber dass ein so komplexes System gewisse Risiken beinhaltet, wollte er nicht ausschließen.

Die Erdfunkstelle arbeitet, wie auch das Neu-Anspacher Rathaus, Krankenhäuser und andere relevante Betriebe und Behörden, mit Sicherheitssystemen und Notstromaggregaten. Das versicherte neben dem Neu-Anspacher Bürgermeister Klaus Hoffmann (CDU) auch Elke Hunger, Facilitymanagerin der Erdfunkstelle Usingen, so dass die Dienstleistungen dort auch bei Stromausfall gesichert seien. Aber, schob der Rathauschef nach, das funktioniere immer nur eine begrenzte Zeit.

Ein weiterer Aspekt der Podiumsdiskussion, an der auch Luise Riedel, Umweltreferentin der IHK Frankfurt, teilnahm, befasst sich mit der Energiepolitik, dem Atomausstieg und den alternativen Energiequellen. Dass neben der Atomenergie fossile Energieträger keine Lösung seien, bekräftigte Hunger, indem sie von Landschaftsverwüstungen durch den Braunkohleabbau berichtete. Was auf eigener Erfahrung beruht, denn sie ist aus Sachsen-Anhalt und in einem der Reviere groß geworden. Demgegenüber könne man bei Windkraftanlagen wirklich nicht von einer Landschaftsverschandelung sprechen, meinte sie und war darin mit Bürgermeister Hoffmann einer Meinung. Der bedauerte, dass sich die Neu-Anspacher in einem Bürgerentscheid gegen solche Anlagen auf der Gemarkung ausgesprochen hatten und damit der jüngeren Generation etwas verbaut hätten.

Die jüngere Generation hatte weitere Fragen vorbereitet, beispielsweise die nach der Speichermöglichkeit von Strom. Riedel setzte in der Frage der Speicherung und Energiegewinnung auf den technischen Fortschritt. Der Syna-Experte sah das Problem vor allem in der Bereitstellung des Stromes zur richtigen Zeit und dort, wo er gerade gebraucht wird. Denn es werde ausreichend Strom erzeugt und das mit einer 80-prozentigen Abdeckung durch regenerative Energien, „aber die Verteilung und Bereitstellung in Spitzenbedarfszeiten ist die Herausforderung“, sagte er.

„Deutschland und Europa besitzen weltweit das sicherste Stromnetz“, hielt Riedel gleichzeitig Ängsten vor einem Blackout entgegen, forderte die Schüler aber auf, bewusst mit dem Energieverbrauch umzugehen und sich in die politischen Diskussionen einzubringen. Dazu hat die Veranstaltung sicher ein Stück weit beigetragen.

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