Beförderungsprojekt

SPD will Bürgerbus ins Rollen bringen

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Mobil sein ist im Usinger Land ohne eigenes Auto gerade außerhalb der Hauptverkehrszeiten nicht immer so einfach. Zwar sind fahrplanmäßig Anrufsammeltaxis des VHT unterwegs. Die Usinger SPD würde aber gerne noch eine weitere Alternative an den Start bringen. Die Rede ist von einem Bürgerbus.

Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) stattete jüngst Schwarzenborn im Schwalm-Eder-Kreis einen Besuch ab. Bei seiner Reise in den ländlichen Raum hatte er einen ordentlichen Scheck im Gepäck.

Mit gleich 49 000 Euro unterstützt das Land Hessen die zwischen Alsfeld und Kassel gelegene kleinste Stadt Hessens beim Kauf eines elektrisch angetriebenen Bürgerbusses. „Solche ehrenamtlichen Angebote können den öffentlichen Nahverkehr in ländlichen Gebieten sinnvoll ergänzen“, sagte der Minister aus Wiesbaden. „Das Land trägt damit die Hälfte der Anschaffungskosten für das Fahrzeug und zwei Ladesäulen.“

Was das mit Usingen zu tun hat? Ganz schön viel, meint zumindest die Usinger SPD und bringt mit dem Projekt „Bürgerbus“ einen von ehrenamtlichen Kräften gesteuerten lokalen Fahrdienst in die Diskussion. „Ein Bürgerbus kann bestehende Lücken im Nahverkehrsangebot ländlicher und kleinstädtisch geprägter Gebiete schließen“, warb SPD-Ortsvereinsvorsitzende Birgit Hahn beim jüngsten Treffen der Arbeitsgruppe „Komm aus den Puschen, Usingen braucht dich“ für die Idee.

Unabhängig davon, ob es am Ende ein Elektrobus oder ein klassischer Kleinbus mit Verbrennungsmotor wird – der Zeitpunkt scheint günstig, ein solches Mobilitätsprojekt auch in Usingen anzustoßen. In diesem und im nächsten Jahr fördert das Land Hessen mit einem entsprechenden Programm Bürgerbus-Projekte mit je 1,2 Millionen Euro.

Vor zwei Wochen hatten SPD-Mitglieder sich in Homberg (Efze) umgeschaut, um sich über das dortige, bereits seit geraumer Zeit erfolgreich laufende Projekt „Bürgerbus“ zu informieren. „Der Bürgerbus in Homberg verkehrt an zwei Tagen und wird von ehrenamtlichen Fahrern gesteuert“, teilte der Fraktionsvorsitzende Bernhard Müller den zehn interessierten Bürgern und Genossen mit, die zu dem Treffen in Leonies Kunstscheune gekommen waren.

„Mittlerweile hat der dortige Bürgerbus 120 Stammkunden. Es werden keine Fahrkarten verkauft. Die Fahrgäste, die sich zuvor angemeldet haben, geben dem Fahrer eine Spende“, berichtet SPD-Stadtrat Michael Hahn von Einzelheiten. „Die Kunden und Fahrgäste sind meist ältere Menschen, die selbst kein Auto mehr fahren. Sie fahren aus den Stadtteilen nach Homberg zum Einkaufen. Die meisten legen ihre Arztbesuche oder Behördentermine auf die Betriebstage. Andere freuen sich auf den Café-Besuch in der Stadt.“

Die Frage eines interessierten Bürgers nach der Wirtschaftlichkeit und der Konkurrenz zum dortigen ÖPNV-Angebot wurde umfassend aufgegriffen. Birgit Hahn skizzierte die Finanzierung der jährlich anfallenden Kosten.

„Weil der Bürgerbus nicht regelmäßig nach Fahrplan, sondern nur an zwei Tagen fährt, ist das kein klassischer ÖPNV und damit keine Konkurrenz zum VHT-Fahrplan“, so beurteilte zumindest ein Bürger das Konzept. „Vielmehr fördert so ein Projekt wohl eher das soziale Miteinander und hält ältere Menschen mobil.“

Usingens Architekt Peter Sticherling zeigte sich auch von der Idee angetan und regte an, ein vergleichbares Projekt über Spenden der regionalen Stiftungen der heimischen Kreditinstitute mitzufinanzieren. „Wenn wir einen E-Bus anschaffen, könnten wir bei den heimischen Energieversorgungsunternehmen um finanzielle Unterstützung anfragen.“

Das Grundprinzip basiert auf Ehrenamtlichkeit, was sowohl den Fahrdienst, als auch die Telefonzentrale und die Festlegung der Fahrtrouten angeht. Landeszuschüsse erhalten nur Vereine, die den Bürgerbus betreiben. „Wir begrüßen ein solches Projekt für Usingen zwar grundsätzlich“, sagt die SPD-Chefin. „Doch die Umsetzung durch Vereinsgründung und -mitgliedschaft interessierter Bürger soll parteipolitisch absolut unabhängig sein.“

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