Willkommen in Schmitten!

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In Schmitten leben immer mehr Menschen, die vor Verfolgung und Benachteiligung geflohen sind. Sie brauchen Hilfe und vor allem Anschluss an die Bevölkerung. „Café Willkommen“ heißt es deshalb ab jetzt einmal im Monat im Seniorentreff Silbergrau.

„Café Willkommen“ stand einladend auf dem großen Schild vor dem Eingang. Drinnen drängten sich Erwachsene und viele Kinder an den Tischen, manche begnügten sich erst einmal mit einem Stehplatz. Rund 70 Besucher begrüßte Ilona Fritsch-Strauß, Initiatorin und Leiterin des „Freundeskreises Asyl Schmitten“ im Namen aller ehrenamtlichen Mitstreiter herzlich. Wer die deutsche Sprache nicht verstand, durfte sich trotzdem willkommen fühlen. In zwölf Sprachen übersetzt war die Willkommensbotschaft und prangte in großen Buchstaben an einer Wand – der Anstoß für viele Einzelgespräche zwischen Flüchtlingen und Schmittener Bürgern.

In der Feldberggemeinde leben derzeit 86 Asylsuchende aus zwölf Nationen. Aber sie brauchen mehr als ein Dach über dem Kopf und das Nötigste an Essen und Kleidung. Ohne ausreichende Deutschkenntnisse sind Bewilligungsanträge und Arztbesuche für sie riesige Probleme. Die ehrenamtlichen Helfer vom Freundeskreis unterstützen die Menschen nach Kräften im Gesetzesdschungel von Ausländerbehörde und Krankenkassen. Ohne freiwillige Fahrdienste und die großzügige Finanzierung der Deutschkurse seitens der Bürgerstiftung wäre das Geld, mit dem die Flüchtlinge auskommen müssen, noch schneller aufgebraucht.

Für das „Café Willkommen“ hatte Utta Dommes vom Seniorentreff aus Kaffee und Tee gespendet. Uschi Wittfeld, Steffi Klappenbach und Dr. Beate Lotze hatten das Kuchenbüfett organisiert. Weitere Ehrenamtliche berichteten von ihren Patenschaften, und trotz aller Probleme zeigen sich auch Erfolge. Matthias Schmidt kümmert sich um einen schwer traumatisierten jungen Mann aus Afghanistan, der bis vor kurzem im Waldkrankenhaus in Köppern behandelt wurde und dem die Rückführung nach Ungarn drohte, weil er dort in die EU eingereist war. Sein Schützling dürfe jetzt in Deutschland seinen Asylantrag stellen, teilte Schmidt mit. Er sucht jetzt dringend für ihn eine bezahlbare Wohnung.

Christiane Döbel-Herrmann betreut eine syrische Familie und ihre eigenen Kinder, Rebekka und Daniel, spielten an diesem Nachmittag – wie so oft an anderen Tagen – mit Mohammed, Delberin und Ali. Die Situation werde für die syrische Familie immer schwieriger, obwohl die Mutter und die Kinder inzwischen anerkannt seien, erzählte sie. Dadurch sei das Sozialamt offiziell nicht mehr zuständig. „Keiner hilft weiter, dabei ist der Vater noch in Syrien. Über den Visumantrag ist immer noch nicht entschieden.“ Döbel-Herrmann hat auch albanische Sprachkenntnisse, die einer Familie zugute kommen, die erst kürzlich nach Schmitten gekommen ist. Ob die Familie bleiben könne, sei offen, meinte sie. Sie selbst wisse noch nicht, wie sie damit umgehen solle, dass Menschen hierher kommen, die überleben müssen, und andere, die besser leben wollen. „Wie kann man rechtfertigen, dass Wirtschaftsflüchtlinge anerkannt werden?“, fragte sie.

Mit solchen Fragen beschäftigen sich Leander und Juliane erst einmal nicht. Die beiden Konfirmanden wollen sich nach ihrem dreiwöchigen sozialen Praktikum auch weiter um die Betreuung von Flüchtlingen in ihrem Alter kümmern und bringen sie auch mit ihren Freunden zusammen, etwa beim Sport. Der 16-jährige Johannes aus Oberreifenberg hatte beim Kaffeetrinken im Silbergrau zum ersten Mal Kontakt zu den Asylbewerbern aufgenommen und unterhielt sich mit einigen angeregt auf Englisch. „Ich möchte mich in meinem direkten Umfeld engagieren“, sagte der Oberstufenschüler.

„Zu tun gibt es viel mehr, als wir bewältigen können“, meinte Fritsch-Strauß. Sie hofft, dass neue Freiwillige dazukommen. Den Internationalen Tag gegen Rassismus zum Gedenken an das Massaker im Township von Sharpeville in Südafrika 1960 hatte der Freundeskreis Asyl zum Anlass für die Eröffnung des „Willkommen-Cafés Miteinander“ genommen. Dieser Ort der Begegnung soll künftig jeden zweiten Samstag im Monat geöffnet sein. Am Samstag, 9. Mai, von 15 bis 17 Uhr gibt es im Seniorenzentrum Silbergrau in der Seelenberger Straße 4 in Schmitten wieder Kaffee, Tee und Kuchen – und vor allem die Möglichkeit, sich besser kennenzulernen.

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