AfD im Taunus

Wind für die Segel

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Die AfD will es wissen: Bei der Kommunalwahl 2016 sollen im Usinger Land flächendeckend Kandidaten gestellt werden, langfristig soll es eigenständige Ortsverbände geben. Bis dahin will die Partei Themen besetzen und Mitglieder gewinnen.

Es waren zwar nur rund 20 Parteimitglieder und Interessierte, die sich am Dienstagabend im Gasthaus „Zum Engel“ in Obernhain eingefunden hatten, um den ersten öffentlichen Stammtisch des Ortsvereins Hintertaunus der Alternative für Deutschland (AfD) zu zelebrieren. Doch das, was beredet wurde, dürfte einigen alteingesessenen Politikern die Sorgenfalten auf die Stirn treiben.

Die AfD will im Usinger Land Fuß fassen. Mitglieder sollen geworben und Veranstaltungen organisiert werden. Und Themen sollen besetzt werden – allen voran das Reizthema schlechthin, die Windkraft. Da ist der Landesverband zwar noch bei der Meinungsfindung, und man wolle dem ja nicht vorgreifen, erklärte der ehemalige Neu-Anspacher Bürgermeister Gerd Hillen bei der Diskussion. Dennoch gebe es bereits ein von Experten entwickeltes Thesenpapier, das nicht nur eine Ablehnung der Energieform, sondern auch eine schlüssige Begründung liefere.

Unabhängig von bezahlten und damit möglicherweise gelenkten Studien zu Gesundheitsgefährdungen oder der zu starken Konzentration auf die Veränderung des Landschaftsbildes im Naturpark will sich die Partei im Taunus da vor allem auf betriebswirtschaftliche Gesichtspunkte konzentrieren. Die, so Hillen, reichten schon aus, um zu belegen, dass „Windräder südlich von Hamburg Schwachsinn sind“. So sei die Windkraft deutlich übersubventioniert, während man nebenbei auch noch die Atomkraft finanziell fördere und Forderungen bedienen müsse.

Dabei gab es auch emotionale Ausbrüche. Das Vorgehen der Stadt Neu-Anspach bei der Planung des Windparks kritisierte Hillen massiv: „3000 Unterschriften von Gegnern abzulehnen und einen Vertrag anzunehmen, den man nicht mal kennt, ist eine Frechheit. Den etablierten Parteien fehlt das Gespür!“ Auch AfD-Kreis- und Landessprecher Peter Münch bilanzierte seine durchaus umfangreiche Rechnung plakativ: „Wenn da am Ende was bei rum kommt, fresse ich einen Besen!“ Die Partei müsse dennoch sachlich bleiben und das Thema ordentlich bearbeiten. So müsse aufgezeigt werden, dass sich die Windräder trotz der Pachteinnahmen nicht rechneten. „Die Gemeinden stimmen doch nur zu, weil sie derzeit klamm sind“, erklärte Münch. Für Freitag, 20. Februar, will die AfD, so der derzeitige Stand der Planungen, im Bürgerhaus Neu-Anspach zu einem Diskussionsabend einladen. Bis dahin wolle man sich aber noch genau über die Bürgerinitiativen informieren. Hillen: „Wir sollten bei dem Thema nicht zweigleisig fahren.“

Mit Blick auf die im Frühjahr 2016 anstehenden Kommunalwahlen war das Ziel schnell klar. Wunsch sei es, in allen Kommunen des Usinger Landes eigene Kandidaten mit einem auf die Gemeinde zugeschnittenen Programm zu präsentieren, erklärte der stellvertretende Vorsitzende des Ortsvereins Hintertaunus, Gerd Arenz. „Das müssen nicht zwingend Mitglieder sein“, betonte er. Das könnte auch schwer werden. Derzeit zählt die AfD im Usinger Land knapp über 30 Mitglieder. „Hinzu kommen aber viele Förderer, die uns unterstützen“, betonte Arenz und ergänzte: „Wir wollen in die Parlamente.“ Daher will die AfD schnell wachsen. Jeder der Anwesenden sei aufgefordert, „im Freundes- und Bekanntenkreis oder auf der Arbeit Werbung zu machen und Gedanken zur Mitgliederwerbung einzubringen“. Bereits in wenigen Wochen sollen die Ergebnisse bei einem weiteren Treffen präsentiert und diskutiert werden. Dann soll auch die erste Version eines Flyers zur Windkraft vorliegen. Langfristig, so Arenz, wünsche man sich, Ortsvereine in allen Kommunen etablieren zu können. „In Neu-Anspach wären wir jetzt schon so weit. Aber das würde die Arbeit in den anderen Kommunen noch zu sehr schwächen.“

Im gesamten Kreis kommt die AfD nach Angaben von Münch derzeit wieder auf rund 180 Mitglieder. Nachdem die AfD zunächst über 200 Menschen für sich begeistern konnte, gab es nach innerparteilichen Querelen (TZ berichtete) einen massiven Rückgang. „Die Geburtswehen sind überstanden“, kommentierte Münch diese Phase der jungen Parteigeschichte. Mittlerweile sieht sich die Taunus-AfD in stabilerem Fahrwasser.

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