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Ein Windrad bei Nieder-Gemünden im Vogelsbergkreis.

Vorstoß gegen Pläne des Bundesforstes

Windpark mit Erholungswert

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Dass der Bundesforst am Winterstein sechs Windräder im Alleingang plant, hatte Kommunen und Bürger Ende August kalt erwischt und eine Welle der Empörung ausgelöst. Nun gibt es einen gemeinsamen Vorstoß von Wehrheim, Friedberg, Rosbach und Ober-Mörlen, der die kommunale Planungshoheit verteidigen soll – und die Bevölkerung noch mehr polarisieren könnte.

War die Nachricht, dass der Bundesforst den Bau von sechs Windrädern am Wintersteinbeim Regierungspräsidium beantragt hat, schon ein Paukenschlag, könnte das neue Vorhaben der vier betroffenen Kommunen, das noch toppen: „ ,Natur- und Erholungsgebiet Winterstein‘ entsteht“ ist die gemeinsame, zwei Seiten umfassende Pressemitteilung der Städte Friedberg und Rosbach sowie der Gemeinden Ober-Mörlen und Rosbach überschrieben, die gestern in die Redaktion flatterte. Darin fassen die Kommunen nicht weniger als ihre Absicht zusammen, alle – wirklich alle – Interessen potenzieller Waldnutzer und Waldbewohner unter einen Hut zu bringen.

An der Nutzung für Windkraft soll demnach festgehalten werden – nur eben nicht durch Anlagen der vorpreschenden „Konkurrenz“. Außerdem sollen Sportler, Erholungssuchende, Wissbegierige und historisch Interessierte auf ihre Kosten kommen – ebenso das dort lebende Wild. Konkret planen die Kommunen, durch eng miteinander abgestimmte Bebauungspläne folgende Ziele umzusetzen:

Die verschiedenen Nutzungsarten im Wald sollen strukturiert werden.

Biotope sollen geschaffen werden. Damit könnten Ökopunkte generiert werden, die mit Bauvorhaben verrechnet werden.

Das Wanderwegenetz wird optimiert, auch das Wegeleitsystem, also die Beschilderung, soll überprüft und gegebenenfalls verbessert werden.

Außerdem sind für die verschiedenen Interessensgruppen folgende Projekte geplant:

Errichtung eines Naturlehrpfades.

Errichtung eines Flowtrails für Mountainbiker.

Freihaltezonen für den Schutz des Weltkulturerbes Limes und der Kapersburg einrichten.

Und natürlich die Festlegung von geeigneten Standorten für Windenergieanlagen.

Um sicher zu gehen, dass der Bundesforst nicht Fakten schaffen kann, sollen zunächst für die betroffenen Gebiete Veränderungssperren erlassen werden. Auch sind artenschutzrechtliche Untersuchungen vorgesehen. Diese sollen der Bestandsaufnahme und als Grundlage für die Planung, wo und für welche Tierarten zusätzliche Lebensräume gesichert oder neu geschaffen werden sollten, dienen. Einen genauen Zeitplan für die Umsetzung des Natur- und Erholungsgebiets gibt es noch nicht. Zunächst sollen „gleichlautende Beschlüsse in den vier Kommunalparlamenten gefasst werden“. In den Magistraten der Städte Friedberg und Rosbach wurde demnach bereits entsprechend beschlossen. „Die Beschlüsse der Gemeinden Ober-Mörlen und Wehrheim sollen zeitnah folgen“, heißt es in der Mitteilung.

Ebenfalls ein (gewichtiges) Wörtchen mitzureden hat das Regierungspräsidium Darmstadt. „Der Gesetzgeber ermöglicht Gemeinden und Städten, gemeinsame Bauleitplanungen aufzustellen – entscheidend dabei ist, dass die gesetzlich vorgegebenen Verfahren in allen Parlamenten, in denen das Vorhaben umgesetzt werden soll, unabhängig voneinander durchgeführt werden“, weiß RP-Sprecher Dieter Ohl und ergänzt: „Die damit verbundene Änderung des Flächennutzungsplans beziehungsweise der Flächennutzungspläne bedarf immer der Genehmigung der oberen Verwaltungsbehörde, also des Regierungspräsidiums.“

Dabei ist eine solche Zusammenarbeit über Gemeinde- oder gar Kreisgrenzen hinweg nicht unüblich. „Typische Themen für interkommunal aufgestellte Bauleitpläne sind gemeinsame Gewerbegebiete wie aktuell im Weschnitztal im Odenwald oder gemeinsame Flächennutzungspläne zur Steuerung der Windkraft“, so Ohl, der angibt, dass das aktuelle Vorhaben beim RP bislang noch nicht bekannt ist.

Als Begründung für das ehrgeizige Projekt führt die Stadtverwaltung Rosbach an, dass sich der Bereich Winterstein zu einem „vielfältig genutzten und wertvollen Naherholungsgebiet entwickelt“ hat. Der Winterstein „ist ein beliebtes Ziel bei Wanderern, Joggern, Radfahrern und Reitern und verfügt über eine artenreiche Tierwelt, wertvolle Baumbestände und Biotope“, heißt es weiter.

Da weite Teile des Waldgebietes lange von den US-Streitkräften als Übungsgelände genutzt worden seien, sei der Wald erst nach Beendigung dieses Übungsbetriebs für die Kommunen und die Bevölkerung in größerem Umfang nutzbar.

Damit das Areal auch in Zukunft nachhaltig seine Funktion als wertvolles Naherholungsgebiet behalten könne, müssten die verschiedenen Nutzungsansprüche untereinander und mit der Natur in Einklang gebracht werden. „Um die Interessen der betroffenen Kommunen und ihrer Bevölkerung zu wahren und in einem geordneten Verfahren mit Öffentlichkeitsbeteiligung zu einem Ausgleich zu bringen, ist die Aufstellung eines Bebauungsplanes notwendig.“ Damit sichern sich die Kommunen die Planungs- und Gestaltungshoheit.

Die vier Bürgermeister sind sich jedenfalls einig: „Für eine nachhaltige Gestaltung und Nutzung des Naherholungsgebietes müssen die Interessen aller Nutzer kooperativ unter einen Hut gebracht werden. Wir stehen für die Durchführung eines strukturierten Vorgehens unter Berücksichtigung der Belange unserer Bürgerinnen und Bürger.“ Einen weiteren Bericht und einen Kommentar zum Thema lesen Sie auf Seite 18

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