Windpark noch nicht erledigt

Winterstein: BI bleibt am Ball

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Die Bürgerinitiative Winterstein sieht im politischen Stimmungswechsel der Union einen Etappensieg. Zeit, sich zurückzulehnen, ist jedoch noch nicht.

„Sehr überrascht“ sei man gewesen, am Freitag in der Taunus Zeitung zu lesen, dass sich der Gemeindevorstand unter Federführung von Bürgermeister Gregor Sommer (CDU) für eine Ablehnung der Windvorrangflächen auf seinem Gemeindegebiet stark machen will, erklärte BI-Frontmann und Pfaffenwiesbachs Ortsbeiratsmitglied Rudolf Bauer (UW) am Freitagabend.

Natürlich ist die Freude darüber groß, so ganz trauen will die BI dem Braten offenbar noch nicht. „In der nächsten Gemeindevertretersitzung werden wir sehen, wie darüber abgestimmt wird. Wir werden als Zuschauer teilnehmen“, betont Bauer und ergänzt: „Das Interesse der Bevölkerung an dem Thema wächst täglich.“

Bauer ist froh, dass die Union nun eingelenkt hat. „Ich hatte Herrn Sommer bereits vor einiger Zeit schriftlich mitgeteilt, dass es in Wehrheim nicht, so wie in Neu-Anspach, zu einer Spaltung der Bevölkerung kommen muss.“ Grundsätzlich sei die BI nicht gegen die Energiewende, unverständlich sei jedoch, dass diese „mit dem Holzhammmer durchgesetzt werden soll“, so Bauer.

Zumal es nicht nur in Wehrheim Widerstand gebe. Die Vordertaunus-Kommunen lehnten, ebenso wie beispielsweise Rüdesheim oder Wiesbaden, eine Bebauung ihrer Wälder mit Windrädern in Sichtweite ab. Zwar sei die Region im Usinger Land weniger dicht besiedelt, dafür kämen die Städter in der Freizeit gerne in den Taunus, um dort ausgedehnte Waldspaziergänge zu genießen. „Und da fragen wir uns, ob die Lebensqualität und der Erholungswert einer Landschaft nicht höher zu bewerten sind.“

Bauer weiß auch, dass mit einem mehrheitlichen Votum der Gemeindevertretung zwar ein großer Schritt in Richtung Abkehr vom Windpark getan wäre – dass dies die Vorrangfläche aber nicht automatisch beerdigen würde. Und da der Bundesforst auf seinem Gebiet sein eigener Herr ist, sind die Windräder noch nicht ganz vom Tisch.

Auch deswegen rufen Bauer und seine Mitstreiter die Wehrheimer und andere Interessierte dazu auf, weiter aktiv zu sein. Von den Planern fordern sie Gutachten zur Windhöfhigkeit und zum Vogelflug während der Zugzeiten. „Die Argumente zu Wildkatze und Luchs bleiben derzeit anscheinend außen vor“, ärgert er sich – auch den Wolf erwarte man in der Region. Windräder seien da keine guten Voraussetzungen für die Wiederansiedlung. Der Rotmilan lebe ebenfalls am Winterstein, sei aber schwer nachzuweisen. Bauer: „Wir rufen dazu auf, uns Fotos von ihm im hiesigen Lebensraum zu schicken. Die Schwierigkeit ist dabei, den Nachweis zu führen, dass die Bilder nicht irgendwo aufgenommen sind.“ Deswegen sollte beispielsweise der Turm auf dem Winterstein oder sonst ein Merkmal auf dem Foto die Identifizierung ermöglichen. „Ebenso wäre der Nachweis von Uhu oder Schwarzstorch hilfreich“, schickt Bauer nach.

Eine probate Alternative zu Windrädern sieht die BI in der Sonnenkraft. „In Wehrheim haben inzwischen viele Häuser Sonnenkollektoren auf dem Dach“, meint sie, und es gebe auch Freiflächen, um entsprechende Anlagen zu realisieren. „Neu-Anspach und Usingen haben es bereits vorgemacht und großflächige Anlagen errichten lassen“, wirbt Bauer und hat bereits eine Idee: Im Munitionsdepot, wo viele Bunker leer stünden, sei ausreichend Platz.

Die „reine Gier nach Pachtgeld“ für die abgeholzten Waldflächen oder die Reduktion der Subventionen können aus Sicht der BI nicht ausschlaggebend sein. Dem gegenüber stünden Flächenversiegelung und ein Ausbau der Zuwegung und der Leitungsbau. „Diese Flächen sind für immer verloren“, denn diese Flächen müssten baumfrei bleiben, um Reparatur- und Wartungsarbeiten durchzuführen.

Auch sei der technische Fortschritt immens. Im Vogelsberg etwa würden kleinere Windräder bereits durch größere ersetzt.

Die BI wirbt für ihre Belange seit vergangener Woche mit neuen großformatigen Plakaten in den Ortsteilen Friedrichsthal und Pfaffenwiesbach, weitere sollen bald folgen. Auch 3500 Flyer seien bereits verteilt worden. Nach der Windkraft-Veranstaltung am Dienstag hat es laut Bauer schon etliche Rückmeldungen gegeben.

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