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Professor Eugen Ernst

Naturpark Neu-Ansprach

Wirtschaftsgut und Erholungsraum

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Professor Eugen Ernst berichtete über die Entwicklung des Waldes. Er sieht, was die Zukunft angeht, die gleiche Gefahr wie die Windkraftgegner.

Rund fünf Milliarden Jahre ist der Planet Erde alt, und gemessen an diesen Dimensionen war es praktisch erst gestern, dass der Mensch die Bühne betrat und erst vor einigen Minuten, dass er sich in hiesigen Breiten niedergelassen hat. Professor Dr. Eugen Ernst fing in seinem Vortrag zwar nicht beim Urknall an, aber nach der letzten Eiszeit begann er die Wandlung der Landschaft genauer in den Fokus zu nehmen.

Die Initiative gegen Windkraft „N.o.W.“ hatte dazu in den Saal der Gaststätte „Zur Linde“ eingeladen und war vor allem an der Entwicklung des Naturpark-Waldes interessiert, fürchtet sie doch eine zu starke Beeinträchtigung durch das Aufstellen von Windrädern.

Doch das Gebiet um den Langhals, so der Professor, war keineswegs immer Waldgebiet, sondern bis etwa 1780 bestimmte eine karge Heidelandschaft das Bild. Es hat lange gedauert, bis sich überhaupt Bäume angesiedelt haben. Als sich das Eis nach Skandinavien und die Alpen zurückgezogen habe – der Taunus sei nicht vereist gewesen –, habe sich erst eine Tundren-Vegetation ausgebreitet, mit einer Strauchflora und Weidearten. „Dann hat es noch Jahrtausende gedauert, bis sich Wald entwickelt hat“, so Ernst. Zu den ersten Arten gehörten Farnbäume, der Mensch ernährte sich als Jäger und Sammler, später folgte er in den Steppengebieten den Tierherden. Ein gewaltiger Kultursprung sei das Sesshaftwerden gewesen, mit Anbau von Getreide und Hülsenfrüchten. Durch reiche Niederschläge habe der Baumbestand dann zugenommen, und er habe sich ausgebreitet, wo der Mensch es durch seine Bewirtschaftung zuließ.

Die ersten Wälder seien Mischwälder aus Eiche und Hainbuche gewesen, später mit Rotbuche, Linde und Ulme gemischt. Die Fichte habe bis in die Neuzeit den Taunus gar nicht erreicht und kam nur im Schwarzwald und in den Vogesen vor. Nach der Sesshaftwerdung habe der Mensch das

Holz als Baustoff

entdeckt, das aber habe den Wald nicht gefährdet, doch mit der Bronzezeit und der Eisenzeit habe man hierzulande umso mehr Holz gebraucht. Nicht nur im Taunus, auch in der benachbarten Wetterau bedienten sich die Salzsieder im Wald, so sei auch die Lüneburger Heide eine Folge der Salzgewinnung, zudem sei im Norden für den Schiffbau enorm viel Holz benötigt worden.

In Italien hätten Ziegen- und Schafhaltung die Landschaft sehr geprägt und den Wald vernichtet, aber die Römer hätten vor dem deutschen Wald, mit Ausnahme des Einschlags für den Limes, Respekt gehabt. Er sei der Lebensraum der als Germanen bezeichneten Stämme gewesen, für die der Wald Schutz- und Nutzraum gewesen sei und die Teile als heilige Haine für Kulthandlungen genutzt hätten.

Nach der Neuordnung durch die Völkerwanderung sei die Bevölkerung rasant angestiegen, und das Altsiedelland habe nicht mehr ausgereicht. Deshalb sei den Bächen und Flüssen entlang neues Land zum Besiedeln gesucht worden. Usingen, Wehrheim und Dorfweil gehörten zu den Orten, die am frühesten in den Quellen des 8. und 9. Jahrhunderts genannt wurden. Im 12. Jahrhundert sei es dann zu einer weiteren Ausbreitungsphase gekommen: „Jetzt werden auch die Höhenlagen nicht mehr geschont.“

Aus der Sicht des Waldes sei dann eine „hoffnungsvolle Zeit“ gekommen, denn durch Seuchen wurde die Bevölkerung wieder stark dezimiert. Doch lange währte dies nicht, denn mit der Blüte des Waldschmiedegewerbes und dem unmäßigen Bedarf der Köhler sowie durch den Viehtrieb der Bauern sei der Wald ruiniert worden.

Das habe schließlich zu Gegenmaßnahmen geführt, so seien beispielsweise Bannwälder eingerichtet worden. Erst im späten 18. Jahrhundert habe sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass man nicht mehr Holz aus dem Wald herausnehmen könne als nachwachse. In der Folge habe sich die nachhaltige Forstwirtschaft entwickelt, aber Gefahr für den Wald drohte jetzt durch die Industrialisierung und fortschreitende Luftverschmutzung und die mit ihr einhergehende Belastung des Waldbodens. „Die größte Herausforderung wird die Klimaveränderung sein“, so Professor Ernst. „Wir müssen uns darauf einstellen, dass hierzulande auch Vegetation aus dem Mittelmeerraum Einzug hält.“

Ob der Forst und die Politik ihren Aufgaben gerecht werden und den Wald nicht nur als Wirtschaftsgut, sondern auch als Erholungsraum erhalten, zweifelte der Referent an. Und an diesem Punkt trifft er sich mit den Windkraftgegnern, die im Aufstellen der Windräder eben diese Gefahr sehen.

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