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Auch der fahrende Medicus und der Drehleier-Mann, die sich als Zeugen empfahlen, konnten den Fall nicht klären.

Museumstheater im Hessenpark

Mit Witz und Spannung

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Das Museumstheater hat die Bockwindmühle zum Schauplatz einer spannenden Geiselnahme gemacht.

„Jede Mühle hat ihre besondere Geschichte. Nie geht es dabei allein um Technikgeschichte, sondern stets auch um kultur- und sozialgeschichtliche Belange“, heißt es in einer Erklärung der Deutschen Gesellschaft für Mühlenkunde und Mühlenerhaltung zum Deutschen Mühlentag, der am Pfingstmontag das Interesse auf die Wunderwerke historischer Technik lenkte.

In der Kulturgeschichte taucht die Mühle allerdings allenthalben als Schauplatz von menschlichen Dramen auf, und die Räuberei fehlte dabei selten. Gewissermaßen als Auftakt zum Mühlentag präsentierte sich das Freilichtmuseum Hessenpark schon am Pfingstsonntag auch als Freilichtbühne für ein Stück aus dem 18. Jahrhundert.

Die Theaterstücke im Hessenpark haben allerdings ihren ganz besonderen Reiz, weiß man doch als Zuschauer gar nicht recht, wer dazugehört, denn die Schauspieler mischen sich unter die Museumsbesucher, agieren aus diesen heraus, manchmal machen sie durch belanglosen Wortwechsel nur ein wenig auf sich aufmerksam, und die Museumsbesucher, die vielleicht sogar gar nicht als Zuschauer gekommen sind, werden plötzlich Zeugen von kulminierenden Geschehnissen. So war es auch rund um die Wiesen mit den blühenden Apfelbäumen gleich gegenüber der Synagoge aus Nentershausen. In ihrem Umfeld waren Menschen mit dem Dreispitz, der Uniform oder dem Gehrock unterwegs, Bauersfrauen gingen ihrer Arbeit nach, und Soldaten drehten ihre Runden. Dann versammelten sich offensichtlich wichtige Männer um einen langen Tisch auf der Wiese, richteten sich ein und brummelten vor sich hin, als wären sie unter sich.

Doch das zog bereits die Aufmerksamkeit der Passanten auf sich, die am Zaun stehenblieben. Es kamen weitere hinzu, auch die Soldaten und Bauersfrauen standen mit den Zuschauern vor dem Zaun, als sich langsam eine Handlung abzeichnete. Ein Vorfall aus dem Jahre 1783 sollte geklärt und dazu ein Mann von Amtsleuten vernommen werden. Es ging um einen Streit zwischen zwei Männern, einen verschollen geglaubten Ehemann, der unerwartet zurückkam, und eine Frau, die angeblich was mit einem anderen hatte. Jedenfalls riefen das einige aus der Menge, auch andere denunzierten den Festgenommenen. Der nutzte einen günstigen Moment, entriss einem Soldaten die Waffe und nahm einen Schöffen als Geisel. Ausgerechnet in der Bockwindmühle verschanzte sich der Übeltäter. „Ihm nach, ihm nach“, lautete jetzt die Parole, und die Akteure zogen mit dem Tross von Zuschauern und Museumsbesuchern zur Mühle, wo es zum Showdown kam. Der Geiselnehmer rechtfertigte sich vor allem mit der Waffe in der Hand und gab sein Schicksal schonungslos preis, das ihn als Soldat nach Amerika geführt hatte, wo er für viele Seiten kämpfte, kriegsmüde desertierte und auf Umwegen wieder in die Heimat kam, wo keiner mehr mit ihm rechnete.

Die mit Nebenrollen und Statisten rund 50-köpfige Theatergruppe verstand es fabelhaft, die Zuschauer mit Witz und Spannung zu unterhalten.

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