+
Ein Mann, viele Facetten: Michael Quast präsentierte im Hessenpark den "Datterich".

Theaterstück „Datterich“

Witzig und hintersinnig

  • schließen

Es gibt Schauspieler, die für ein ganzes Theaterstück nur einen Tisch, einen Stuhl und eine Karaffe Wasser brauchen. Michael Quast ist so einer. Im Hessenpark gab er den „Datterich“.

Was für eine Schnelligkeit: Vom schlitzohrigen Trunkenbold Datterich zum schüchternen Mariechen und dann zum polternden Dummbach, der wiederum Zwiesprache mit dem gewitzten Fritz hält. Kaum Luft holend, die Szene mit Mimik und Gestik untermalend, spielt Michael Quast die Rollen der so unterschiedlichen Charaktere aus.

Innerhalb von Sekunden schlüpft er von einer Rolle in die nächste und zieht sein Publikum in den Bann. Seine Bühne im Hessenpark besteht aus einem Tisch, einem Stuhl und einem Glas Wasser. Mehr braucht er nicht. Wobei das Wasser eine Rolle spielt, wenn er Szenen mit dem Handlungshinweis „und er trinkt“ beendet. Und getrunken wird in diesem Stück unglaublich viel. Selbstredend fällt eingebettet in den entsprechenden Kontext auch der bekannte Satz: „Ich hab heut schon de ganze Daag so en versteckte Dorscht.“

Der Schauspieler und Kabarettist zieht alle Register seines Könnens und begeistert sein Publikum im Hessenpark vom ersten bis zum letzten Akt. „Datterich“ ist ein Schauspiel, das Ernst Elias Niebergall 1841 geschrieben hat und das süddeutsche Mundart, gestelzte Redewendungen aus dem 19. Jahrhundert mit einer großen Portion Humor paart. Ein Gebiet, auf dem Quast sich mit traumwandlerischer Sicherheit bewegt, wie er in Solo-Auftritten als auch mit seinem Ensemble immer wieder beweist.

Aber es wäre nicht Quast, wenn er nur die Passagen aus dem Skript der Lokalposse rezitieren würde. Deshalb erklärt er zwischendurch immer wieder Redewendungen, Personen und den Dialekt. „Gerimmelt heißt: Jetzt müssen Sie bezahlen“, stellt er beispielsweise fest. Und bei Sätzen wie „Die Weibsleut sind absenat“, zieht er das letzte Wort näselnd in die Länge, bevor er erklärt, dass „die Damen empfindlich sind“. Auch gebe es zeitlos gültige Passagen. Der Drehermeister Dummbach wäre da zu nennen, der so gerne Zeitung liest, aber nichts versteht und alles Gelesene unreflektiert wieder an die Außenwelt weiter gibt.

Der Humor, mit dem Quast die Akte, einzelne Szenen oder Sprüche kommentiert, stehen dem bekannten Stück des bereits mit 28 Jahren verstorbenen Niebergall in nichts nach.

Geistreich und schelmisch, witzig und temporeich präsentiert der Schauspieler in teils großen Gesten, teils nur durch einen besonderen Gesichtsausdruck begleitet die Komödie in der Hälfte der Zeit, die sie auf der Bühne braucht.

Dass er damit ganz offensichtlich den richtigen Nerv bei seinem Publikum getroffen hat, wird durch den kräftigen Applaus am Ende der Lesung deutlich. Jedoch: Eine Zugabe gibt es leider dennoch nicht. Warum? „Niebergall hat sonst nichts geschrieben“, sagt der Kabarettist achselzuckend. Daher gibt es auch nichts mehr zu lesen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare