Wohnen in neuer Form

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Die Idee hat was. Junge Leute wohnen mit Älteren unter einem Dach, eventuell sogar in einer Wohnung. Profitieren werden beide Parteien davon. Die Jüngeren, weil sie mietfrei wohnen dürfen. Die Älteren, weil die Jüngeren die Miete bei ihnen „abarbeiten“.

Die Aktion heißt „Wohnen für Hilfe“ und wurde vom Deutschen Roten Kreuz ins Leben gerufen. Sie richtet sich an ältere und an jüngere Menschen, die gegenseitig voneinander profitieren. Die Älteren bieten Wohnraum zum Nulltarif.

Die Jüngeren revanchieren sich, indem sie den Mietpreis mit Tätigkeiten wie Rasenmähen, den Gehweg fegen, Kleinigkeiten im und ums Haus reparieren oder aber mit einer Begleitung ins Theater, Konzert sowie mit Vorlesen verrechnen. Dabei ist die Grundregel: 10 Euro werden pro Stunde zugrunde gelegt. „Es ist ein Geben und ein Nehmen für beide Parteien“, erklärte der stellvertretende DRK-Kreisgeschäftsführer Christian Linke als Bereichsleiter Soziale Dienste am Donnerstag in der Wohnung einer älteren Dame in einem Schmittener Ortsteil. .

Sie ist die Erste, die sich an dieser Aktion im Usinger Land beteiligt. „Ich habe darüber in der Zeitung gelesen“, erklärte die 88-Jährige, die ihren Namen nicht nennen möchte.

Eine kleine abgeschlossene Wohnung im Souterrain ihres gemütlichen Hauses mit romantischem Garten bietet einem Studenten nicht geahnte Möglichkeiten in gesunder Luft und reiner Natur zu leben und sich entfalten zu können. Im Gegenzug erwartet die „Wohnraumüberlasserin“, wie das DRK die Vermieter nennt, Hilfe bei der Gartenarbeit und im Winter beim Schneeschieben. Bevor sie sich dazu entschieden hat, besuchte sie einen diesbezüglichen Vortrag in Oberursel.

Für Christian Linke ist diese Entscheidung ein absolutes Erfolgserlebnis, da er sich derzeit auf „Roadshow“ befinde, wie er es ausdrücke, um Interessenten für das Projekt zu finden. Das DRK berät weiterhin, steht auch bei Problemen zur Seite, bekommt aber keinerlei Obolus für die Vermittlung, betonte er. Der Wohnungsnutzer muss selbstverständlich die Umlagen für Wasser, Heizung und Strom bezahlen. Dem Wohnungsüberlasser wird angeraten, eine Unfallversicherung abzuschließen, falls bei den Hilfeleistungen etwas passiert.

„Wenn wir wie in diesem Fall einen Interessenten haben, dann sehen wir uns die Wohnverhältnisse genau an“, berichtete Christian Linke. Nur eine Couch im Wohnzimmer, das gehe gar nicht. Es müsse mindestens ein abgeschlossenes Zimmer sein. „Wir sind dann auch beim gegenseitigen Kennenlernen dabei“, versicherte er. „Und wir rufen regelmäßig an, ob alles in Ordnung ist“, fügte er hinzu.

Bleibt also abzuwarten, wann die rüstige Rentnerin in Arnoldshain einen neuen Mitbewohner hat, der ihr hoffentlich so manche Arbeit abnimmt.

Wer ebenfalls Mietraum zur Verfügung hat und sich ein solches Abkommen vorstellen kann, der sollte sich bei Christian Linke unter der Telefonnummer (0 60 72) 12 95 22 melden. Aber auch Studenten und Auszubildende auf Wohnungssuche können sich melden. Im Internet ist dazu alles unter zu finden. Christian Linkes Mitarbeiterin Kathrin Kiefer ist dort ebenfalls mit ihren Daten vermerkt und hilft gerne weiter.

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