Paul Glaßner aus Pfaffenwiesbach macht auf dem Wehrheimer Oranienhof seine Ausbildung zum Landwirt - vor allem auch wegen der Arbeit für und mit den Milchkühen.
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Paul Glaßner aus Pfaffenwiesbach macht auf dem Wehrheimer Oranienhof seine Ausbildung zum Landwirt - vor allem auch wegen der Arbeit für und mit den Milchkühen.

Landwirt als Beruf finden nur wenige Jugendliche im Usinger Land attraktiv

Zahl der Ausbildungsbetriebe sinkt

  • vonMatthias Pieren
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Noch sind im Usinger Land viele Landwirte aktiv, zum Teil auch nur im Nebenerwerb. Den Beruf lernen wollen aber nur wenige Jugendliche, zumal auch immer weniger Betriebe ausbilden. Dabei hat die Arbeit durchaus Vorteile.

Für seinen Schulweg schwingt sich Paul Glaßner seit Beginn der Ausbildung auf das Moped. Die Berufsschule in Butzbach ist dank des motorisierten Zweirades für den mittlerweile 18-Jährigen problemlos zu erreichen.

Früher büffelten die angehenden Landwirte die theoretischen Grundlagen für ihre berufliche Zukunft in der Landwirtschaftlichen Schule in Usingen. Der Beruf des Landwirts war vielen jungen Menschen im ländlich geprägten Usinger Land quasi in die Wiege gelegt - wollten sie später doch den elterlichen Hof übernehmen.

Die Klassen, zum Teil waren es zwei pro Jahrgang, waren komplett mit meist jungen Männern aus Usingen und Umgebung belegt. Heute ist das Einzugsgebiet der Butzbacher Berufsschule weitaus größer. Zusammen mit 20 Mitschülern aus dem Hochtaunuskreis, der Wetterau, aus Teilen des Vogelsbergs und aus dem Landkreis Limburg-Weilburg drückt Glaßner die (Berufs-)Schulbank.

"Ich habe mich für den Beruf vor allem wegen der täglichen Arbeit mit den Tieren entschieden und weil ich meist den ganzen Tag an der frischen Luft arbeiten kann. Auch das Traktor fahren macht mir natürlich Spaß", berichtet er von seiner Motivation, später einmal als gelernter Landwirt tätig zu sein.

Praktikum vor der Bewerbung gemacht

Voraussetzung für den Beruf sei auch, dass man auf dem Hof und auf dem Feld richtig mit anpacken könne. Freude bereitet ihm auch mitzuerleben, wie die Aussaat anwächst und zu sehen, wie die Feldarbeit im wahrsten Sinne des Wortes Früchte trägt. Bereits vor Ausbildungsbeginn im vergangenen Jahr, sei er gerne auf den Oranienhof zum Helfen gekommen.

Selbstredend, dass er während der Schulzeit an der Adolf-Reichwein-Schule das vorgesehene Praktikum zur Berufsorientierung auf dem Hof von Carmen Velte-Hammen und Frank Hammen absolviert hat. "Dabei habe ich den Tagesablauf auf einem Bauernhof richtig kennengelernt und wusste, dass das wirklich etwas für mich ist", sagt Glaßner. Ein wenig trifft vielleicht in seiner Situation das Sprichwort zu, welches man jungen Paaren wohlmeinend vor der Hochzeit mit auf den Weg gibt: "Drum prüfe, was sich ewig binde, ob sich nicht was Besseres finde."

Hälfte der Azubis kommt nicht vom Bauernhof

Paul Glaßner bereut seine Berufswahl mit keinem Deut, vor allem hatte er Glück, dass er - auf dem Oranienhof bestens bekannt - nur eine Bewerbung schreiben musste. Dass der angehende Landwirt nicht in das Hofleben hineingewachsen ist, weil seine Eltern keinen Bauernhof betreiben, ist beim Berufsnachwuchs der Bauernzunft keine Ausnahme. "Mit dem Rückgang der landwirtschaftlichen Betriebe überall in Hessen, geht auch die Zahl der Ausbildungsbetriebe zurück", berichtet Ausbilder Frank Hammen. "Die Hälfte der Azubis kommen nicht aus Landwirtsfamilien."

Seit 25 Jahren gibt er dem Berufsnachwuchs eine Chance und hat seine Ausbildungsstelle auch immer besetzt. Die Zahl der Bewerber schwankt aber stark. Während sein Geselle derzeit in Vollzeit die Ausbildung zum Agrarbetriebswirt in Darmstadt besucht, kann er nur beim allabendlichen Melken auf dem Oranienhof helfen.

Derweil ist Paul Glaßner in den täglichen Arbeitsabläufen voll eingeplant. "Die Arbeit auf dem Hof ist total abwechslungsreich", sagt der Azubi. Neben den 110 Milchkühen und der Kälberaufzucht bewirtschaften sein Ausbilder und dessen Frau auf dem Hof noch 110 Hektar Ackerland und zusätzliches Grünland.

In der vergangenen Woche hat ein Lohnunternehmen mit seinen Spezialfahrzeugen Mais auf den Feldern gehäckselt. Paul Glaßner hat einen Traktor gesteuert und im Pendelverkehr die Silage vom Feldrand auf den Hof gefahren. Dort wurde diese aufgeschichtet, plattgewalzt und mit Plastikplanen abgedeckt: Fachkundige Vorratshaltung gehört eben auch zum Grundwissen, dass während der Ausbildung zum Landwirt vermittelt wird.

"Die eingeholte Maissilage sollte als Futter für das nächste Jahr ausreichen. Hinzu kommt noch Grassilage, die mit Biertreber angereichert wird. Das ergibt eine ordentliche Mischung aus Eiweiß und Energie für die Milchproduktion der Kühe", erklärt Lehrmeister Frank Hammen. "Wir schließen Gen-Pflanzen wie Soja im Futter unserer Milchkühe aus."

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