Die Jahreshauptversammlung der Usinger Feuerwehr wurde jäh wegen eines Fehlalarms unterbrochen. Erst nach der Rückkehr (Bild) der vier Einsatzfahrzeuge wurde sie fortgesetzt.
+
Die Jahreshauptversammlung der Usinger Feuerwehr wurde jäh wegen eines Fehlalarms unterbrochen. Erst nach der Rückkehr (Bild) der vier Einsatzfahrzeuge wurde sie fortgesetzt.

Unsinger Feuerwehr muss seltener ausrücken

Zahl der Einsätze sinkt aufgrund der Pandemie auf einen Tiefstand

  • VonMatthias Pieren
    schließen

Jäh wurden die Grußworte durch den Alarm unterbrochen. Mitten im Satz musste der Vorsitzende des Kreisfeuerwehrverbandes Norbert Fischer seine Ansprache abbrechen, als die Funkmeldeempfänger der Aktiven während der Jahreshauptversammlung (JHV) piepsten.

Sofort sprangen rund 25 Aktive der Usinger Wehr auf. Schneller als man gucken konnte, hatte sich der Saal im Feuerwehrgerätehaus um fast die Hälfte geleert. Der versammelte Vorstand des Feuerwehrvereins, der Wehrführer und andere Mitglieder blieben zurück.

Anschaulicher lässt es sich nicht beschreiben, was es für die insgesamt 73 aktiven Mitglieder der Einsatz-Abteilung (2019 waren es 67) heißt, Tag und Nacht für das Wohl der Bürger einsatzbereit zu sein. Die Alarmierung hätte auch mitten in der Nacht, nach der JHV, eingehen können. Dann wären sie nicht aus der JHV, sondern aus dem Schlaf gerissen worden und hätten sich dennoch am nächsten Morgen auf den Weg zur Arbeit machen oder sich um die Familie kümmern müssen.

Das Engagement der Wehr für die Sicherheit der Menschen in der Stadt geht weit über das übliche Maß anderer ehrenamtlicher Vereinsarbeit hinaus. Besser als durch die Alarmierung hätten die Gruß- und Dankesworte von Fischer sowie von Stadtrat Michael Hahn (SPD) nicht unterstrichen werden können.

Corona hat auch die Feuerwehr vor nie dagewesene Herausforderungen gestellt. "Nur eine Woche nach unserer letzten Jahreshauptversammlung Anfang März 2020 mussten wir unseren Übungs- und Dienstbetrieb zum ersten Mal wegen der Corona-Pandemie einstellen", teilte Wehrführer Stefan Göttl in seinem Jahresbericht mit, nachdem die JHV fortgesetzt wurde.

Durch die Pandemie und die dadurch eingeschränkte Mobilität der Menschen sei die Einsatzzahl auf einen Tiefstand gesunken. "Nur" 110 Einsätze absolvierte die Wehr - unter besonderen Hygiene-Maßnahmen. Konkret: 43 Mal musste sie zu technischen Hilfeleistungen ausrücken (2019: 63), und die 20 Brandeinsätze bedeuten ein Minus von neun Prozent im Vergleich zum Vorjahr (23). Um fast ein Drittel hat die Zahl der Fehlalarme von 35 auf 45 zugenommen - was sich während der JHV nun einmal mehr fortsetzte.

Zu wenige Angebote für Lehrgänge

"Besonders traf es innerhalb der Feuerwehr die Kinder und Jugendlichen, denen bis auf wenige Wochen im Sommer weder Übungen noch Treffen oder Ausflüge angeboten werden konnten", so Göttl. "Dadurch ist oftmals der Bezug zur Feuerwehr verloren gegangen, und wir mussten rückläufige Mitgliederzahlen in Kauf nehmen." Das im Herbst angelaufene Online-Programm sei vom Nachwuchs in den Jugendfeuerwehren gut angenommen worden, so konnten die verantwortlichen Jugendwarte zumindest etwas gegensteuern.

"Ganz bitter war, dass der Grundlehrgang im Frühjahr abgebrochen wurde und die Teilnehmer zwar die Praxis, aber nicht den theoretischen Teil bescheinigt bekamen." Vielen Aktiven ist es noch heute unbegreiflich, dass die Theorie-Einheiten nicht zeitnah online nachgeholt wurden und auch aktuell noch kein Online-Lernen möglich ist. Besonders der "aufgehäufte Berg" an neuen Grundlehrgangsteilnehmern werde mit den drei Kreislehrgängen nur schwer abzubauen sein.

Auch die ausgearbeitete Kampagne zur Mitgliederwerbung konnte im Januar nicht vollumfänglich an den Start gehen. "Neue Mitglieder brauchen zur Motivation auch die Aussicht auf einen Grundlehrgang", sagte Göttl. "Es macht keinen Sinn, neue Interessierte anzuwerben und ihnen dann sagen zu müssen: Den Lehrgang bekommst du aber erst in vier Jahren."

von Matthias Pieren

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare