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Die Schüler der CWS stellten Kerzen an dem Wort ?Sicherheit? des Ehrenmals auf, bevor Tibi Aldema ein Gebet sprach, begleitet von Bürgermeister Steffen Wernard und Margret Nebo von der GCJZ.

Gedenkfeier

Bürger, Politiker und Kirchenvertreter erinnern an den Holocaust und die Befreiung der inhaftierten Juden

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Damit sich die Geschichte und die Schrecken der NS-Zeit nicht wiederholen, gibt es auch in Usingen eine zentrale Gedenkfeier. Die fand am Freitag im evangelischen Gemeindehaus und vor dem Ehrenmal statt. Das zentrale Thema lautete „Sicherheit“.

Für einen Moment herrschte Stille. Stille, die ein bedrückendes Schweigen in sich vereinte, in der das leise Summen der Motoren wartender Fahrzeuge unterging und auch die Zeit für einen kurzen Augenblick still zu stehen schien. Eine Stille, nach deren Unterbrechung sich die umstehenden Besucher des Mahnmals jüdischer NS-Opfer zunächst nur ehrfürchtig im Flüsterton miteinander unterhielten, bevor sie sich zurück ins evangelische Gemeindehaus begaben.

Die Versammlung am Ehrenmal vor dem Rathaus zum Gedenken an die Opfer des Holocaust, fand am Freitagnachmittag statt, der Jahrestag, an dem die Gefangenen des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau durch die Rote Armee befreit wurden, jährte sich aber erst gestern zum 74. Mal.

Gemeinsamer Akt

2005, also genau 60 Jahre nach der Befreiung der inhaftierten Juden, ist der Tag von den Vereinten Nationen zum internationalen Gedenktag erklärt worden. In Usingen ist dieser Gedenktag ein gemeinsamer Akt der evangelischen und katholischen Kirchen, der Stadt, der Gesellschaft für christlich-jüdische-Zusammenarbeit (GCJZ) und einiger Schüler der Christian-Wirth-Schule.

Zu den Besuchern zählten neben Bürgern auch viele politische Vertreter und Kirchenmitglieder. Sie alle kamen, um die Erinnerung wach zu halten und gegen das Vergessen ein Zeichen zu setzen, damit sich die schrecklichen Gräueltaten „gegen die Menschlichkeit“, wie es Bürgermeister Steffen Wernard (CDU) formulierte, nicht wiederholen. Die Veranstaltung sei auch ein Zeichen gegen den Terrorismus, ganz gleich in welcher Form.

Krieg, Terror und das Leben in dieser Zeit haben verschiedene Aspekte, deren Schlagworte auf dem Ehrenmal nachzulesen sind. Eines von ihnen lautet: Sicherheit. Um dieses hohe Gut drehten sich auch die Gedanken des evangelischen Pfarrers Dr. Hans-Jörg Wahl und des katholischen Diakons Joachim Pauli. „Sicherheit ist eine Haltung, die wir in dem Bezug zu Gott haben und die uns die Kraft gibt, die Nächstenliebe nicht zu verraten“, sagte Pauli.

Keine Erbschuld

Tibi Aldema von der GCJZ sprach sowohl im Gemeindehaus als auch vor dem Mahnmal ein Gebet und betonte dabei, dass der jüdische Glaube keine Erbschuld kenne. Es gehe beim Gedenken nicht um die Schuld einer nachkommenden Generation, die sie von ihren Vorfahren nicht übernehmen kann oder soll, sondern lediglich um die Verantwortung, in dem Gedenken dafür zu sorgen, dass sich so etwas wie der Holocaust nicht wiederholt.

Auch die Schüler der CWS hatten sich mit dem Thema Sicherheit auseinandergesetzt. Sie schickten in einem kurzen, sehr eindrucksvollen szenischen Spiel die Besucher auf eine Reise und verdeutlichten mit wenigen Worten, welche Gefühle sowohl Juden als auch NS-Anhänger zu dieser Zeit gehabt haben mussten.

So blickten die Zuschauer auf einen alten Koffer voller Hoffnungen, Erwartungen, Wünsche, Ängste, Mut und Träume, die allesamt in Auschwitz ihr Ende fanden.

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