Minusgeschäft

Zukunft des Käsefestes ist ungewiss

  • schließen

Das Käsefest 2017 war zwar gut besucht, im kommenden Jahr wird es dennoch keine Wiederholung geben. Und ob es überhaupt noch einmal stattfindet, seht ebenfalls noch in den Sternen.

Das neunte Käsefest war zugleich auch das letzte. Vorerst. Denn Manfred Seuss vom Käsehaus in Wehrheim und die Fuchshöfe gönnen sich im nächsten Jahr eine Pause. Nicht weil sie die Ruhe brauchen, sondern um „neu über das Thema Käsefest nachzudenken“, sagte Seuss im Gespräch mit dieser Zeitung.

Das Hessische Käsefest, das der Wehrheimer zusammen mit den Fuchshöfen organisiert, hat sich im Laufe der vergangenen Jahre zu einem etablierten Fest für Feinschmecker entwickelt. Das war bis 2015 im Hessenpark angesiedelt und galt hessenweit als eines der Events für Liebhaber des Besonderen was Käse angeht. Schließlich reisten die kleinen Käsemanufakturen aus einem Umkreis von bis zu 400 Kilometern an, um ihre handwerkliche Kunst dem interessierten Publikum darzubieten.

Echtes Handwerk stand bei der Verkostung stets im Mittelpunkt, dazu Bühnenprogramm und Unterhaltungsservice für die Kleinsten, das Niveau bewies. „Doch das hat alles seinen Preis“, schilderte Seuss. Verdient haben er und die Fuchshöfe in der Vergangenheit daran nur selten, „meistens war das ein Zuschussgeschäft für uns als Organisatoren.“

Doch die Organisatoren sind zum einen Idealisten, zum anderen setzten sie auf den nachhaltigen Effekt, den Seuss auch bei sich im Geschäft spürt. „Die Kunden nehmen auch eine weitere Anreise in Kauf und kommen nicht nur hier aus Wehrheim, einfach weil sie wissen, dass sie hier etwas bekommen, was es im Umkreis nicht gibt.“

Bei allem Idealismus sind es aber vor allem die Kosten, die die Organisatoren nun, nachdem die Abrechnung gemacht ist, zum Nachdenken bringen. Nachdem 2015 der Hessenpark beschloss, Eintritt für den Tag des Festes zu erheben, hat es Seuss abgesagt und einen neuen Standort gefunden. Und den gab’s in Usingen, allerdings erst 2016, so dass 2015 das Fest bereits ausfiel. Auch in Usingen waren die Kosten hoch, das Minus im vierstelligen Bereich. Also wurde ein neuer Standort gesucht und in Wehrheim rund ums Bürgerhaus gefunden. Und aus dem Käsefest wurde das Hessische Käsefestival.

Zwei Tage vor dem eigentlichen Käsefest gab’s Kulturprogramm, wie das blaue Böckchen mit Michael Quast als Stargast. „Die Besucherzahlen waren sehr gut“, schilderte Seuss zufrieden. Mit rund 3000 zahlenen Gästen sei in Wehrheim sicherlich nicht wenig los gewesen.

Was dem Fest oder vielmehr den Organisatoren zu schaffen macht, sind aber auch hier die Rahmenkosten. „Bei drei Tagen mussten wir einen Sicherheitsdienst beschäftigen und das Gelände absperren“, sagte Seuss. Hinzu kommen Bühne und Programm, Bestuhlung und auch die für 900 Euro gebuchte Kinderbelustigung. „Es sind viele kleine Dinge die unverzichtbar sind, aber richtig Geld kosten, um das Niveau der Veranstaltung wie wir es uns vorstellen zu halten“, sagte Seuss.

Die Standgebühren für die Käsereien zu erhöhen ist zwar ein Weg, „aber auch die leiern sich ja einen freien Tag aus den Rippen, um dabei zu sein, da kann man einfach nicht die Preise unendlich anheben, sonst kommen sie nicht mehr“. Auch das eigene Personal wolle anständig bezahlt werden und arbeite nicht gegen eine Spendenquittung, hinzu kommen die Platzmiete und weitere Kosten. Insgesamt investierten die Organisatoren rund 18 000 Euro in die drei Tage, wobei der größte Batzen mit 10 000 Euro auf das Käsefest selbst entfällt. Da mit Lebensmitteln gearbeitet werde, seien die Auflagen nun mal sehr streng.

Gerechnet habe es sich für Seuss finanziell nicht. Und so kamen er und seine Partner zu der Entscheidung im kommenden Jahr zu verzichten. Einfach sei das nicht, denn das Fest etabliere sich nur, wenn Zeitpunkt und Standort auf Dauer festgelegt seien. Eine Rückkehr nach Usingen schließt Seuss aus zwei Gründen aus. Zum einen habe man auch da ohne finanzielle Zuschüsse durch die Stadt gearbeitet, zum anderen soll das Käsefest im September seinen angestammten Platz behalten. „Da ist in Usingen aber gerade die Laurentiuskerb“, schildert Seuss. Andere Monate hätten sich aber auf Grund des unbeständigen Wetters als schlecht herausgestellt. „Für Käse braucht man etwa 15 bis 16 Grad Außentemperatur“, weiß Manfred Seuss. Da sei der September bislang ein guter Monat gewesen.

„Vielleicht geht das auch in kleinerer Form in der Wehrheimer Mitte, wo wir die gute Infrastruktur nutzen könnten.“ Doch die Überlegungen dazu, ob es überhaupt noch mal ein Käsefest in 2019 geben wird, stellen die Organisatoren erst Anfang 2018 an.

Einziger Trost für die Wehrheimer ist: „Die kulturellen Veranstaltungen wie das blaue Böckchen oder Handkäs’ und Gebabbel wird es im kommenden Jahr wieder geben.“

Bürgermeister Gregor Sommer (CDU) und sein Sozialamtsleiter Jürgen Schneider haben erst durch diese Zeitung von der Neuigkeit erfahren. „Wir bedauern diese Entscheidung, „denn es hat von den Besuchern nur positive Rückmeldung gegeben“, sagte Sommer. Unterstützung habe es durch den Bauhof für das Fest gegeben, „und sollte das Fest oder etwas in ähnlicher Form geben, stehen wir für Gespräche zur Umsetzung gerne zur Verfügung“, so Sommer.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare