1. Startseite
  2. Region
  3. Hochtaunus
  4. Usingen

Zweite Musik-Kita steht in den Startlöchern

Erstellt:

Von: Gerrit Mai

Kommentare

Zum Konzept Musikkindergärten machen Kinder stark gehört auch der Umgang mit Instrumenten.
Zum Konzept Musikkindergärten machen Kinder stark gehört auch der Umgang mit Instrumenten. © GERRIT MAI

Frühe Förderung ist eine gute Sache. Erzieherinnen studieren am August-Wilhelmj-Musikinstitut.

Wernborn -Musik macht Kindern Spaß. Und sie macht sie stark. "Musikalische Arbeit fördert die gegenseitige Achtsamkeit und das Sozialverhalten und unterstützt Kinder beim Lernen", hat Annette Gauger, die Leiterin der Kita Pusteblume in Wernborn, festgestellt.

Zusammen mit ihrer Kollegin Sarah Stamm nimmt sie seit Februar an einem fünfsemestrigen Weiterbildungsstudium am August-Wilhelmj-Musikinstitut teil, das dieses in Kooperation mit der Accadis-Hochschule in Bad Homburg in den eigenen Räumen der jeweiligen Kita anbietet. Das Projekt läuft unter dem Motto: "Mukis machen Kinder stark", wobei "Mukis" für Musikkindergärten steht. Von denen die Stadt Usingen mit der Kita Schlossgespenster in Kransberg bereits einen hat.

Besseres Zuhören wird möglich

Ihre erste Zwischenprüfung, die aus einem theoretischen Teil mit Klausur sowie aus praktischen Komponenten bestand, haben die Erzieherinnen bereits erfolgreich absolviert. Zur Praxis gehörte die Beschäftigung mit Klavier, Stimmbildung/Gesang und Gehörbildung, so dass beide bereits jetzt in der Lage sind, die Kita-Kinder in diesen Bereichen entsprechend zu fördern.

Sie freuen sich jetzt auf die weiteren Einheiten, denn: "Singen und praktisches Musizieren ist ein wichtiger Bestandteil der erzieherischen Arbeit in den Kitas." In den Familien werde heute nur noch selten gesungen oder musiziert, hat Annette Gauger festgestellt. Viele Kinder hätten kaum eine Möglichkeit, externe musikalische Angebote in Anspruch zu nehmen.

Ihre Kollegin hat festgestellt, dass die musikalische Arbeit zudem gegenseitiges Zuhören deutlich verbessere und die Kinder positiv auf Singen und die aktive Beschäftigung mit Musik reagieren. Sei es im Umgang mit Flöten, mit einem Xylofon oder mit Trommeln. "Alle Kinder brauchen für ihre Gesamtentwicklung Musik."

Daher begrüßt Sarah Stamm das Projekt und damit verbunden auch ihre eigene Weiterbildung, die sie in die Lage versetzt, mit den Kindern fachlich qualifiziert zu arbeiten. Sie sieht sich auch als Multiplikatorin, die ihr erworbenes Wissen und die Bedeutung musikalischer Frühförderung weiterträgt.

Das von der Geigensolistin Yvonne Smeulers-Liepe 2019 gegründete August-Wilhelmj-Musikinstitut Usingen (AWM) ist bundesweit die einzige zertifizierte musikalische Bildungseinrichtung, die Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen bis zur Hochschulreife eine umfassende musikalische Bildung in Theorie und Praxis ermöglicht. Und die zugleich durch Weiterbildungs-Studiengänge Qualifikationen vermittelt, welche die Tätigkeit als Musikerzieher sicherstellen. Dabei stehen Talentsicherung und -ausbildung im Vordergrund. Yvonne Smeulers-Liepe ist der Meinung, je früher ein Kind an die Musik herangeführt werde, umso nachhaltiger werde es gelingen, die von Natur aus gegebene Veranlagung zu wecken und zu entwickeln. "Musik erfasst das ganze Kind, fördert Intelligenz, innere Ausgeglichenheit, das Denken, Fühlen und Handeln gleichermaßen", so die Professorin, die gleichzeitig Direktorin dieser Bildungseinrichtung ist. Auch sie hat festgestellt, dass Musik in Familien kaum noch eine Rolle spiele. Erfahrungen mit klassischer Musik gebe es kaum.

Von Barenboim ins Leben gerufen

Aber die Arbeit wird anerkannt, denn sogar der ehemalige Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) hat das soziale Kinderförder-Musikprojekt in einem persönlichen Brief an die Direktorin gewürdigt und mit einer Spende gefördert. Eine weitere Förderung kommt von der Süwag Energie AG.

Ins Leben gerufen hatte das Projekt "Mukis machen Kinder stark" der weltberühmte Pianist und Dirigent Daniel Barenboim im Jahr 2005 mit der Eröffnung eines ersten Musikkindergartens in Berlin. Er sagte, dass auf diese Weise die Einstellung des kindlichen Gemüts zur Musik auf Jahre hinaus, vielleicht ein Leben lang festgelegt und von den frühzeitigen Empfindungen für immer geprägt werde.

Dass Musik Grenzen überwindet, hatte bereits der Namensgeber des Instituts, August Wilhelmj (1845 bis 1908) gewusst, der auch über Grenzen unterwegs war. Ebenso wie Yvonne Smeulers-Liepe, die nicht nur Institutsdirektorin und Professorin ist, sondern als Geigensolistin weltweit Engagements hat. Weitere Informationen zur musikalischen Förderung gibt es im Internet unter: www.awm-Usingen.de. VON GERRIT MAI

Auch interessant

Kommentare