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Zecken verstecken sich gerne, zum Beispiel am Haaransatz. Daher lohnt es sich, sich nach einem Spaziergang absuchen zu lassen.

Vorsorge wichtiger als Nachsorge

So kommen Sie gut informiert in die Zecken-Saison: Ärzte geben Tipps

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Vorsorge ist beim Thema Zecken wichtiger als Nachsorge. Doch selbst wenn Eltern an ihrem Kind eine Zecke entdecken, sollten sie nicht in Panik verfallen. Der Kinderarzt sagt: Eltern können wenig falsch machen.

Usinger Land - Gerade in dieser Woche erst gab es in der Usinger Kinderarztpraxis von Andrea Nelles-Schulz und Andreas Schulz einen Borreliose-Fall. Der Kinderarzt entdeckte einen roten Fleck am Hals, der sich Richtung Schulter ausgebreitet hatte.

Eine kreisförmige Rötung, aber auch Fieber, Kopf- oder Gelenkschmerzen sind typisch für die Infektion. „Das Kind wird 14 Tage mit einem Antibiotikum behandelt“, sagt Dr. Andreas Schulz, danach sollte alles gut sein.

Nicht quetschen

Frühsommer-Meningoenzephalitis (kurz und einfach: FSME) und Borreliose sind die zwei bedeutendsten Infektionskrankheiten, die von Zeckenbissen übertragen werden können. Bei Borreliose-Infektionen gibt es keine regionalen Unterschiede, anders sieht es bei FSME aus. Das Usinger Land ist nach Ansicht der Fachleute beim Gesundheitsamt des Hochtaunuskreises aber kein Hochrisikogebiet, sagt Kreissprecherin Andrea Herzig auf Anfrage.

Bundesweit sei die Zahl der gemeldeten an FSME Erkrankten im vergangenen Jahr gestiegen. Mitte 2018 habe es bereits so viele FSME-Fälle in Deutschland gegeben wie sonst im ganzen Jahr zuvor. Für den Hochtaunuskreis wurde jedoch kein Fall gemeldet, 2017 gab es einen, so Herzig, wo die FSME aber aus Süddeutschland mitgebracht worden war.

Nicht nur in der Natur kann man sich eine Zecke holen. Auch Haustiere können sie in die Wohnung tragen. Ist die Zecke einmal entdeckt, gilt es, sie schnell und fachgerecht zu entfernen. Aber was heißt das? „Falsch ist es nur, nichts zu machen oder das Tier qualvoll zu töten“, sagt der Kinderarzt Schulz.

„Früher wurden Zecken mit Klebstoff behandelt, das Tier ist qualvoll erstickt und hat bestimmt seinen Speichel abgespritzt“, sagt Schulz. Eltern können nicht viel falsch machen: Die Zecke wird mit einer Zeckenzange oder einer Pinzette vorsichtig nach hinten weggezogen, darf aber nicht gequetscht oder gedreht werden. Doch um nichts falsch zu machen, gehen einige Eltern lieber zum Kinderarzt, rund 20 waren es etwa im vergangenen Jahr, sagt Schulz. Er hat aber beobachtet, dass die Angst vor Zecken zugenommen habe, so Schulz, der seit 22 Jahren in Usingen praktiziert. „Das liegt daran, dass im Frühjahr in den Medien Angst gemacht wird“, kritisiert der Kinderarzt.

Spätfolgen drohen

Bei ihm ploppt das Thema immer mal wieder auf, doch erst im Erwachsenenalter gibt es Spätfolgen. Oft würden jahrelange Gelenk- aber auch Herzbeschwerden erst spät in Zusammenhang mit einer früheren Borreliose-Erkrankung gebracht.

Auch der Neu-Anspacher Hausarzt Dr. Gerrit Kunz hat mit Zecken zu tun, rund 20 wurden in seiner Praxis 2018 entfernt, es gab fünf Borreliose-Fälle. „Ob eine Borreliose vorliegt, können wir durch eine Untersuchung des Blutes herausfinden“, sagt Kunz. Menschen jeden Alters suchen die Praxis mit einer Zecke auf, aus Angst etwas falsch zu machen. „Man muss nicht immer zum Arzt gehen, nur, wenn man etwas falsch gemacht hat, also die Zecke noch halb in der Haut steckt.“

von Nina Fachinger

161 Landkreise in Deutschland sind als FSME-Risikogebiete deklariert

In Deutschland besteht nach Informationen des Robert Koch-Instituts (RKI) weiterhin ein Risiko für eine FSME-Infektion vor allem in Bayern und Baden-Württemberg, in Südhessen, im südöstlichen Thüringen und in Sachsen. Einzelne Risikogebiete befinden sich zudem in Mittelhessen (Landkreis Marburg-Biedenkopf), im Saarland (Saar-Pfalz-Kreis) und in Rheinland-Pfalz (Landkreis Birkenfeld). Emsland wurde vom Bundesinstitut als erster Kreis in Niedersachsen zum Risikogebiet erklärt und ist damit das nördlichste deutsche Risikogebiet. Neu dazugekommene Risikogebiete sind auch der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge sowie die Kreise Garmisch-Partenkirchen, Landsberg am Lech und der Stadtkreis Kaufbeuren. Somit sind aktuell 161 Kreise als FSME-Risikogebiete definiert. Weitere Infos: www.rki.de.

red

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