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Wollknäuel mit Schnabel und süßen Augen: So sieht der Turmfalken-Nachwuchs aus. Auf dem Boden verstreut liegen tote Mäuse.

Nistplatz in Turmnische

Usinger Turmfalken haben Nachwuchs

Die evangelische Laurentiuskirche in Usingen ist bei vielen Vögeln beliebt. Derzeit ziehen Turmfalken dort ihre Runden. Sie suchen Futter für ihre Nesthocker.

Usingen - Über frischgemähten Wiesen stehen dieser Tage die Rüttel- oder Turmfalken und warten auf fette Beute. Erspähen sie ein paar leckere Feldmäuse, stoßen sie hinab und packen die Nager am Schlafittchen. Mitten in der Buchfinkenstadt Usingen warten hungrige Schnäbel darauf, die Leckerbissen zu verspeisen.

Um den Kirchturm der evangelischen Laurentiuskirche in Usingen kreisen zu jeder Jahreszeit Vögel: Dohlen, Schwalben, manchmal auch Nilgänse - derzeit kann man immer wieder Turmfalken beobachten, die zielstrebig eine der Nischen in der mittleren Turmregion ansteuern. Sie landen am Rande und verschwinden darin.

Wer genau hinschaut, sieht, dass sie beim Anflug etwas im Schnabel tragen. Treten sie wieder ihren Rückflug an, ist die Beute verschwunden. Was mit ihr passiert, lässt sich nur erahnen. In der Turmnische warten nämlich hungrige Schnäbel darauf, gestopft zu werden.

Gucklöcher auf faszinierendes Schauspiel

Was genau passiert, lässt sich wunderbar vom Turminneren beobachten. Von der Empore des Kirchenschiffs gelangt man in den Proberaum des Posaunenchores. Über mehrere Holzstiegen gelangt man Stock für Stock höher in Richtung Glockenstuhl und bis hinauf zur Türmer-Wohnung.

In einer Nische im Turm der evangelischen Laurentiuskirche in Usingen haben Turmfalken ihr Nest. Fotos: Matthias Pieren

Von dort aus hat man einen unbeschreiblichen Blick auf Usingen und die angrenzende Natur. Doch unterwegs, auf halber Strecke in einem Zwischenstockwerk - dort, wo das alte, liebevoll restaurierte Uhrwerk der Laurentiuskirche in einer Vitrine zu bestaunen ist - versperren Sperrholzwände den Blick in die im Gemäuer des Turms eingelassenen Nischen.

"In den Nischen haben immer schon Turmfalken genistet", berichtet Horst Wolff, Vorsitzender der Usinger Vogelschutzgruppe. "Willi Braun vom Posaunenchor hatte bereits in den 1990er-Jahren die Idee, von innen Sperrholzwände vor die Nischen zu setzen, damit die Vögel ungestört ihren Nachwuchs großziehen können."

Damit das faszinierende Schauspiel aber dennoch beobachtet werden kann, hat er stecknadelgroße Löcher in Luken vorgebauter Kästen gebohrt, die ihrerseits mit einem Sicherheitsschloss versperrt sind. Und wieder nisten Turmfalken in den Kirchen-Nischen.

"Der Turmfalken-Nachwuchs sind Nesthocker. Das heißt, sie werden dort solange gefüttert, bis sie flugfähig sind", erläutert Wolff. "Das ist dann der Fall, wenn das Federkleid durch das flauschige Daunenkleid der kleinen Falken hindurch kommt. Die Falken selber bauen kein Nest. Sie legen die Eier in geschützten Nischen auf den blanken Boden."

Eine verborgene Tierwelt

Wer durch die kleine Gucklöcher schaut, sieht dieser Tage eine für sie gewöhnlich verborgene Tierwelt, über die sonst nur im Fernsehen berichtet wird. Der ganze Steinboden der Nischen ist mit toten Mäusen übersät, die von den Falken-Eltern dort abgelegt wurden.

Die Turmfalken, auch Rüttelfalken genannt, stehen in der Luft über den Feldern genau an jenen Stellen, wo sie Mäuse vermuten. Interessant: Das ist dort der Fall, wo Mäuse zuvor uriniert haben. Da der Urin der Nagetiere fluoreszierend ist, können die Greifvögel genau das Areal ausmachen, wo tatsächlich Mäuse aus dem Erdreich zutage treten.

"Sie stehen flatternd über der Wiese und warten, bis eine Maus aus dem Loch kommt", erklärt Wolff. "Dann stoßen sie hinab und packen die Maus. Mit ihrem Falkenzahn im Schnabel beißt ein Falke der Maus ins Genick. Sie ist sofort tot."

In der Turm-Nische werden die toten Nager abgelegt. Ab und an schnappen sich die Elterntiere eine tote Maus und reißen diese auf. Die Jungen picken nach dem rohen Fleisch und laben sich daran. Bald werden sie ausfliegen.

Matthias Pieren

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