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Uwe-Bernd Rose ist Apotheker, Unternehmer und Visionär. Ein Interview.

Viel mehr als eine Apotheke: Die Burg-Apotheke in Königstein

Sie blicken auf eine lange Erfahrung als Apotheker zurück – was haben Sie daraus gelernt? 

Seit ich 1987 die Burg-Apotheke übernommen habe, hat sich im deutschen Gesundheitswesen sehr viel verändert. Trotzdem hat sich unsere Apotheke prächtig entwickelt – oder gerade deswegen. Ich habe bereits in den 1990er -Jahren erkannt, dass die Zukunft nicht mehr unbedingt im Verkauf von fertigen Medikamenten liegt. Vielmehr ist es doch die ureigene Aufgabe des Apothekers, Arzneien zu entwickeln und herzustellen, im Idealfall auf das Individuum abgestimmt.
Die meisten Kollegen haben das früher so nicht gesehen. Seinerzeit in den 90ern wurde der Aufwand, den es bedeutet, eine Rezeptur herzustellen, etwa mit 5 D-Mark honoriert. Mit Fertigarznei konnte man viel mehr Geld verdienen. Heute sieht das anders aus, die Nachfrage nach individuellen Medikamenten steigt konstant. 

Wie würden Sie das Aufgabenfeld eines fürsorglichen Apothekers beschreiben? 

Wir Apotheker haben meiner Ansicht nach einen ganz wichtigen Auftrag im Gesundheitswesen, schließlich garantieren wir die Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln. Den Apotheker sehe ich als fürsorglich an, wenn er die therapeutische Absicht des Arztes erkennt und das Arzneimittel für den Patienten individualisiert herstellen kann. Genau hier habe ich meine Nische gefunden. 

Bernd-Uwe Rose

Apotheken verfügen über eigene Labore. Das Labor der Burg-Apotheke ist ein besonders modernes. Worauf haben Sie sich spezialisiert?

Wir sind auf Problemlösungen spezialisiert, die auf die Therapie in der Onkologie und die komplementär- medizinische Behandlung von Krebspatienten abzielen. Die Verantwortung für die Therapie liegt bei den Ärzten und Therapeuten, die Verantwortung für das Produkt liegt bei uns. Darüber hinaus liegt unser Schwerpunkt auf der Herstellung individueller Rezepturen. In unserem eigens dafür eingerichteten und behördlich überprüften Sterillabor stellen wir alle Arzneiformen her, insbesondere Injektions- und Infusionslösungen. Allein hier arbeiten 60 Mitarbeiter. Aber wir stellen nicht nur Medikamente für Menschen her, sondern auch für Tiere, denn gerade die brauchen individuell dosierte Arzneimittel. Darüber hinaus entwickeln wir auch. Ein Beispiel ist Curcumin, dessen segensreiche Wirkung mittlerweile bekannt ist. Curcumin ist eines der stärksten natürlichen Mittel gegen jegliche Art von Entzündungen, also auch bei Rheuma oder in der Krebstherapie. Doch in Pulverform eingenommen, hat es so gut wie keinen Effekt. Bis vor Kurzem war seine fehlende Wasserlöslichkeit ein Hindernis für die Herstellung von Injektionen. Doch wir konnten das Problem lösen und haben ein Infusionskonzentrat entwickelt. Ich möchte an dieser ­Stelle anmerken, dass wir nach einer abgeschlossenen placebokontrollierten Doppelblindstudie zur Wirksamkeit von Curcumin in Kombination mit Chemotherapie bei 150 Brustkrebspatientinnen die Arzneimittelzulassung für Curcumin anstreben. 

Derzeit steht die Welt wegen des Coronavirus quasi still. Welche Produkte werden in Ihrer Apotheke am meisten nachgefragt? 

Ich habe die Pandemie kommen sehen, aber nicht damit gerechnet, dass die Industrie in derartige Lieferschwierigkeiten kommen wird. Wir haben in der Zwischenzeit in unseren Laboren über 2000 Liter Desinfektionsmittel hergestellt und produzieren am laufenden Band. Damit sichern wir zahlreichen Arztpraxen, aber auch Behörden, der Polizei und Stadtverwaltungen, dass sie weiterarbeiten können. Selbstverständlich erhalten auch Privatpersonen bei uns Desinfektionsmittel in kleinen Gebinden. Atemschutzmasken sind ebenfalls gefragt, auch in diesem Bereich sind wir voll lieferfähig.

Bei der Herstellung.

Welche Verhaltensmaßnahmen legen Sie den Menschen in diesen Wochen besonders ans Herz? Was empfehlen Sie zur Stärkung des Immunsystems? 

Hygiene ist das oberste Gebot! Hände waschen, Abstand halten, desinfizieren, ohne dies alles geht es nicht. Derzeit befinden wir uns in einer Art Wettlauf zwischen den Bemühungen der Wissenschaft, einen Impfstoff zu entwickeln, und der Gefahr, dass das Virus im Winter zurückkommt. Die Mundschutzpflicht könnte ein Meilenstein bei der Eindämmung sein, denn wir können nicht monatelang die Wirtschaft brachliegen lassen. Das stellt uns vor ganz andere Probleme. Aber es kann jeder etwas für sich tun. Beispielsweise Vitamin C als Infusion oder eine ausreichende Zufuhr von Vitamin D können hier viel bewirken. 

Sie haben sehr viel auf- gebaut, mit Disziplin, fundiertem Wissen und Risikobereitschaft. Gibt es dennoch Dinge, die Sie hilflos machen? 

Ich wünsche mir von der Politik, dass sie die wahren Kompetenzen von uns Apothekern erkennt und diese wieder nutzt, nämlich die Herstellung und Entwicklung individueller Arzneimittel, statt dass wir den Kunden den 25. Rabattvertrag der Krankenkasse verständlich machen müssen. Dafür haben wir nicht studiert. Außerdem sollten die Regularien für Betäubungsmittel schnellstens geändert werden. Es ist schrecklich, wenn man etwa einem Krebspatienten am Samstag nicht helfen kann, weil sein Morphin aufgebraucht ist, aber wegen des Wochenendes kein Rezept für seine Versorgung zu beschaffen ist. Hier brauchen Apotheker dringend mehr Kompetenz. 

Was wünschen Sie sich für die Zukunft? 

Ich bin 62 Jahre alt und wünsche mir einen Nachfolger, der in meinem Sinne und mit meiner Philosophie, „alles für die Patientenversorgung zu tun“, die Burg-Apotheke fortführt. Ich werde „mein Baby loslassen“, wenn ich sicher sein kann, dass das, was in den letzten Jahren national und international von mir und meinem Team aufgebaut wurde, gewürdigt und mit entsprechenden unternehmerischen Kenntnissen in die Zukunft geführt wird. 

www.rezeptur.de

DANKE 

Für Gesundheit und Sicherheit unserer Kunden zu sorgen, ist unsere wichtigste Aufgabe in schwierigen Zeiten wie diesen. Alle unsere Mitarbeiter leisten daher sowohl in der Beratung als auch der Versorgung der Bevölkerung einen immens wichtigen Beitrag, auf den nicht verzichtet werden kann. 

Als Versorger vor Ort nehmen wir diese Aufgabe zu 100 % wahr und gehen dabei seit Wochen bis ans Limit von Belastung und Kapazitäten. 

Daher möchte ich mich bei allen Mitarbeitern ganz herzlich dafür bedanken, dass sie sich in den letzten Tagen und Wochen so solidarisch für das Unternehmen engagiert haben. Sie waren präsent. 7 Tage, 24 Stunden, Tag und Nacht. 

Ich bin stolz auf Sie!

Uwe-Bernd Rose

www.apotheke-koenigstein-app.de 

FRANKFURTER STRASSE 7 · 61462 KÖNIGSTEIN IM TAUNUS/GERMANY

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