Burgspielschar probt

Viel Verwirrung und ein toter Bill

Ein Toter, ein Lebenskünstler, seine Familie und eine Prostituierte: Die Burgspielschar Burgholzhausen probt an ihrem Winterstück mit dem provokanten Titel „Mord durch Sex“.

Eine Komödie steht und fällt mit dem Timing, weiß Regisseur Manfred Fels. Die An- und Abgänge müssen passen, die Stichwörter zur richtigen Zeit fallen, die Schauspieler stets an richtiger Stelle sein. In Burgholzhausen sind die Schauspieler zudem mit einer weiteren Herausforderung konfrontiert: Die Bühne des Vereinszentrums „Alte Schule“ hat eine überschaubare Größe. Alles, was passiert, passiert auf wenigen Quadratmetern. Und dann erwähnt Fels auch noch schmunzelnd: „Der Titel spielt hinter der Bühne.“ Er meint damit den Mord, der im Garten, also hinter den Kulissen passiert.

„Mord durch Sex“, eine Komödie von Joan Shirley, heißt das Winterstück, an dem derzeit acht Schauspieler der Burgspielschar proben, welches sie feinschleifen in Anbetracht der ins Haus stehenden Premiere und wissend, dass bis dahin noch einiges zu wuppen ist. Unter anderem müssen das Bühnenbild fertiggestellt, die Wände tapeziert, die Möbel gestellt, die Bilder gehängt werden. „Ich sehe eine ganz bestimmte Tapete in meiner Vorstellung“, erklärt Fels, nicht zu stark gemustert, aber auch nicht zu eintönig, doch diese lasse sich bedauerlicherweise nicht so einfach finden.

Zu den Proben hingegen muss schon einiges an unerlässlichen Requisiten auf der Bühne verfügbar sein, damit die Schauspieler nicht zu sehr improvisieren müssen: Ein Schreibtisch, ein Paravent, ein Rollstuhl und ein Telefon. Das Klingeln des Telefons wird noch per „ring ring“ von den Souffleusen (Elke Kaupp, Franziska Hosseini) an den entsprechenden Stellen hineingerufen, die Tür zum Garten mit einem lautmalerischen „rumms“ geöffnet – das ist das Stichwort dafür, dass an anderer Stelle wieder etwas passiert.

Der Paravent sorgt für Diskussionsstoff, mal steht er zu weit im Raum, mal zu wenig – und dann die Frage: „Ist er nicht durchsichtig, im Bühnenlicht?“ Fels knipst das Saallicht aus und das Bühnenlicht an: Glück gehabt, blickdicht. Ein Problem weniger. Alles von vorne.

„Du musst schneller sein“, ermahnt Fels die Schauspielerin Gabi Kunkel, sie spielt Dot, die alte Tante des Lebenskünstlers Bernie (Oliver Glaap), in dessen Garten die Leiche des Industriellen Bill (Dieter Kaupp) gefunden wird, welcher, so geht die Geschichte, an einer Überdosis Sex verstorben sein soll. „Ich bin eine alte Oma, ich kann nicht so schnell laufen“, entgegnet Kunkel alias Dot, die sich im geblümten Bademantel den Weg von der einen Seite der Bühne zur anderen bahnen soll. Das ist freilich Teil der wichtigen Charakterarbeit, auch wenn Glaap dieses Mal einräumt: „Die Autorin hat die Figuren gut gezeichnet, man findet einen guten Zugang zu den einzelnen Rollen.“

Trotzdem: „Eine Prostituierte zu spielen, ist gar nicht so einfach“, weiß Fels. Mit der Rolle des Edel-Callgirls Angie musste sich Elena Schunk auseinandersetzen. Die Auswahl der Stücke hingegen, so Fels, sei unproblematisch: Die Anzahl der zur Verfügung stehenden Darsteller muss mit dem Personal des Stücks einigermaßen übereinstimmen – ebenso das Alter von Darsteller zu darzustellender Person. „Manchmal kann man das Stück umschreiben“, räumt Fels ein, aber immer gehe das nicht. Ansonsten verlaufen die Vorbesprechungen zum Stück, vom Spätsommer jeden Jahres an, „demokratisch, im Gespräch ergibt sich die Rollenverteilung“.

Die größere Herausforderung bei der Umsetzung dieses Stücks war, die Probentermine mit allen Schauspielern unter einen Hut zu bekommen – ein Schauspieler studiert in einer anderen Stadt, andere sind berufsbedingt auf Achse, daher sei der Probenplan „kompliziert“, formulierte Fels. „Für Rollengespräche war dieses Mal auch nicht viel Zeit“, bedauert Fels, „die haben wir zum Teil bei den Proben geführt.“ Und doch wird vermutlich am Ende alles rundlaufen: Madeleine Fels wird die Requisiten beisammenhaben, Ottmar Kunkel, Franziska Hosseini, Manfred Fels und Dieter Kaupp werden das Bühnenbild, allen Vorstellungen entsprechend, gezimmert und Andreas Eickhoff und Florian Szameit die Technik im Griff haben. Die Schauspieler werden, ihrem Alter und Stand entsprechend, geschminkt und frisiert sein – dafür zeichnen Tania Kottek und Gabi Kunkel verantwortlich.

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