+
Reichlich Frequenz: Die Louisenstraße behauptet sich seit vielen Jahren erfolgreich im regionalen Wettbewerb um die Kunden. 

Reichlich Bewegung in der Louisenstraße

Louisenstraße: Viele Chancen, wenig Sorgen 

  • schließen

Sie ist die Lebensader der Homburger City, behauptet sich seit Jahrzehnten erfolgreich im harten regionalen Wettbewerb, hat viele schöne Seiten, aber auch die eine oder andere Problemzone. Die Rede ist von der Louisenstraße.

Bad Homburg – Wir starten am oberen Ende, an der Ecke Haingasse, dort, wo Autos und Busse abbiegen müssen und Passanten sich gerne ein Eis gönnen. Es gab eine Zeit, in der die Strecke zwischen Kurhaus und Schulberg im Schatten des unteren Teils mit seinem Flaggschiff Karstadt stand, aber davon kann heute keine Rede mehr sein. "Die obere Louisenstraße hat stark gewonnen", sagt Eberhard Schmidt-Gronenberg. Die Ansiedlung von namhaften Geschäften wie Peek & Cloppenburg, Intersport Taunus und Hugendubel hat für ein Gleichgewicht der Kräfte gesorgt. "Die Balance ist gewährleistet", findet der Chef der Aktionsgemeinschaft. Dass der Standort funktioniert, belegt unter anderem die Erweiterung bei P & C, das sich künftig auf drei statt zwei Etagen präsentiert. "Und seit 1. Juli ist das Unternehmen auch Mitglied in der Aktionsgemeinschaft", merkt Schmidt-Gronenberg erfreut an.

Leben und leben lassen

Dass der Marktplatz als Aufenthaltsort gefragt ist, zeigt allein schon die starke Belebung an diesem Vormittag. Während gastronomische Betriebe an anderen Stellen der Homburger City - etwa am Waisenhausplatz oder in der Thomasstraße - dichtgemacht haben, sind die Außentische hier am Laternenfestbrunnen stark frequentiert. "Der Platz ist gut", sagt Schmidt-Gronenberg, allenfalls etwas mehr Grün könne er vertragen. Beim Blick auf die Häuserzeilen am oberen Ende der Einkaufsmeile fällt der Blick auf eine verlassene und wenig ansehnliche Immobilie. "Das sieht schrecklich aus", schüttelt der Halbach-Chef den Kopf und erinnert so ganz nebenbei an den bekannten Grundsatz: "Eigentum verpflichtet!"

Leerstand gibt es auch in verschiedenen anderen Gebäuden entlang der Einkaufsmeile. Der Grund sind in vielen Fällen hohe Mieten. "Man muss nicht den letzten Euro herausquetschen", gibt Schmidt-Gronenberg zu bedenken und appelliert an die Verantwortung der Hausbesitzer, die ja letztlich auch von einer lebendigen Innenstadt profitieren würden. "Leben und leben lassen", lautet seine Devise. Aber für manche Branchen ist die Luft in Bad Homburg schlichtweg zu dünn. "Wir befinden uns in einer Umbruchphase", sagt Schmidt-Gronenberg und sieht Mode-Geschäfte besonders unter Druck. Vero Moda hat in Homburg ebenso die Türen geschlossen wie Jack & Jones, Kult und Pandora.

Klar, es gibt Läden, die dringend auf eine hohe Frequenz angewiesen sind, wie sie auf der Zeil oder in großen Einkaufszentren vorhanden ist. Aber auch der hohe Altersschnitt in der Kurstadt könnte ein Grund sein, dass sich bestimmte Geschäfte hier schwer tun. "Vielleicht gibt es nicht genug junge Leute", überlegt Schmidt-Gronenberg, zumal die jüngere Generation auch verstärkt im Internet auf Shoppingtour geht. In der Bekleidungsbranche zeigt sich allerdings auch am anderen Ende der Alters-Skala eine Problematik. "Eine Untersuchung zum Einkaufsverhalten hat gezeigt, dass die über 65-Jährigen für Kleidung nur noch wenig ausgeben", sagt Schmidt-Gronenberg - heißt für den Einzelhandel: Interessant ist vor allem die Gruppe zwischen 30 und 60 Jahren.

Denkmal versetzen?

Auf dem Weg Richtung Kurhaus zeigt sich, dass es sich offenbar lohnt, in den Standort Bad Homburg zu investieren. Das Gebäude, das einst Farben Scheller beherbergte, wird gerade für einen neuen Mieter hergerichtet. Ein paar Meter weiter auf der anderen Seite werden letzte Arbeiten am früheren Büro-Becker-Geschäft durchgeführt. Dessen Neugestaltung findet Schmidt-Gronenberg gelungen, und auch für den robusten und nüchternen Straßenbelag, der vor vielen Jahren noch in der Kritik stand, findet er gute Worte: "Der graue Stein hat sich bewährt." Das Urteil über den Waisenhausplatz fällt nicht so günstig aus.

Hat einige Wünsche für die City: Eberhard Schmidt-Gronenberg. 

Im Gegensatz zum Marktplatz ist die Fläche hier seit der Schließung des Peppers weitaus schlechter frequentiert. Und vor allem über das Denkmal, das den Platz dominiert und an fünf im Deutsch-Französischen Krieg (1870/1871) gefallene Homburger Soldaten erinnert, sollte man sich nach Meinung des Händler-Chefs noch mal Gedanken machen. "Erinnerung ist wichtig", sagt Schmidt-Gronenberg. Aber vielleicht fände sich ja auch an anderer Stelle ein würdiger Ort für das Denkmal. Ähnlich hatte sich zuletzt auch Thomas Meye (CDU), Innenstadt-Ortsvorsteher, geäußert.

Busse unter die Erde

Ein paar Schritte weiter - und schon stehen wir vor der größten Herausforderung, die Bad Homburg in den kommenden Jahren meistern muss. Das Kurhaus ist in die Jahre gekommen und muss saniert oder neu gebaut werden - ein Projekt, das viele Millionen Euro verschlingen und das Gesicht der City auf Jahrzehnte prägen wird. Derzeit ist es nicht richtig schön, aber auch kein Schandfleck. "Das größte Problem ist das Parkdeck", sagt Schmidt-Gronenberg. Und weil die Tiefgarage dringend erneuert und an heutige Verhältnisse angepasst werden müsse, führe das eigentlich zwangsläufig zu Abriss und Neubau des ganzen Gebäudekomplexes.

Eine neue Kurhaus-Garage müsste seiner Auffassung nach nicht unbedingt mehr Autos aufnehmen. Aber großzügiger bemessen sollte sie schon sein, damit die künftigen Parkbuchten mehr Platz bieten. Und wenn man dann schon dabei sei, das ganze Areal neu zu gestalten, sollten auch die Busse im Herzen der City unter der Erde verschwinden. "Es ist ja ohnehin gewünscht, dass in Zukunft emissionsfreie Busse in Homburg verkehren. Dann dürfte es auch mit der Lüftung kein Problem geben", so der Geschäftsmann. Der Idee, die beiden Flügel des Gebäudes nach vorne zu verlängern, steht Schmidt-Gronenberg skeptisch gegenüber: "Ein paar Meter geht, aber nicht bis zur Bushaltestelle."

Der Weg Richtung Rathaus führt vorbei an Karstadt, das noch immer einer der stärksten Trümpfe der Einkaufsstadt Bad Homburg ist - und nach Meinung von Schmidt-Gronenberg ungeachtet der Veränderungen im Konzern auch bleiben wird. "Ein wichtiger Magnet, der sein Sortiment immer wieder angepasst und die richtigen Schwerpunkte gesetzt hat" - hebt Schmidt-Gronenburg die bedeutende Rolle von Karstadt für das kurstädtische Gesamtkonstrukt hervor.

Auf der gegenüberliegenden Seite befinden sich die Louisen-Arkaden, wo gerade der Müller Drogeriemarkt erweitert. "Die Arkaden sind ein Paradies für kleine und mittelständische Unternehmer. Sie haben ein gutes Management und zeigen, dass auch ein Konzept mit kleinen Läden gut funktionieren kann", lobt Schmidt-Gronenberg. Dass sich das etwas weiter unten gelegene Louisen-Center ("Schönes Center, schwieriger Standort") schwerer tut, sieht man schon an dem einen oder anderen Leerstand.

Überhaupt gebe es in Homburg insgesamt gesehen keinen Mangel an Ladenflächen, ist Schmidt-Gronenberg überzeugt. Für eine Stadt dieser Größe seien die vorhandenen Kapazitäten schlichtweg "der Hammer". "Wir bewegen uns am oberen Limit", sagt der langjährige Homburg-Kenner. Wer einen Laden suche, finde auch Angebote - die Frage sei dann meist nur, ob auch der Preis passt.

Keine Gefahr am Bahnhof

Entsprechend gelassen hat Schmidt-Gronenberg daher die Diskussion um einige zusätzliche Einzelhandels-Flächen am Homburger Bahnhof verfolgt: "Dort wird kein Innenstadt-feindliches Subzentrum entstehen", sagt er und rechnet rund um den geplanten Kino-Komplex mit einem Lebensmittelmarkt, vielleicht einer Apotheke oder einem Geschäft für Reisebedarf - nichts, was der Innenstadt gefährlich werden könnte. "Dort wird sich kein Textilhändler niederlassen. Und wenn er es tut, ist er selbst schuld."

Ein anderes Thema: Dass es in der Kurstadt auch einige Läden mit Billigangeboten gibt, findet Schmidt-Gronenberg wichtig. "Die haben ihre Berechtigung und sind zum Beispiel für viele Familien, die Bastelmaterialien kaufen wollen, unverzichtbar." Überhaupt müsse man die breite Bevölkerung im Blick behalten: "Diejenigen, die nur nach Luxus-Läden rufen, sind oft nicht diejenigen, die dann dort auch einkaufen."

Inzwischen sind wir in der unteren Louisenstraße angekommen - jener "Zone", die Schmidt-Gronenberg als Gastro-Meile bezeichnet. "Sie besticht durch besonders gute und engagierte Gastronomen", betont der Geschäftsmann. Jeden Mittag sei es hier voll - ein untrügliches Zeichen, dass die Betreiber mit ihrem Angebot richtig liegen. Dass zwischendurch auch mal ein Lieferwagen hier vorbeikommt, findet Schmidt-Gronenberg unproblematisch. "Das hält sich in Grenzen. Außerdem ist es um 11 Uhr mit dem Anlieferverkehr ja vorbei."

Privilegiert

Überhaupt ist der Mann, der schon Jahrzehnte als Einzelhändler in Bad Homburg erfolgreich ist, von "seiner" Stadt mehr als angetan. "Wir sind hier privilegiert. Die Probleme, die wir haben, sind alle lösbar", findet Schmidt-Gronenberg. Wenn man sich andere Fußgängerzonen in Deutschland anschaue, dann müsse man schon sagen: "Die Louisenstraße gehört eindeutig zu den besseren." Aber Hand aufs Herz: Was fehlt noch in der Einkaufsstadt Bad Homburg? Da muss der Händler-Chef schon einen Moment nachdenken. "Vielleicht ein Sneaker-Laden für junge Leute", fällt ihm schließlich ein.

Lesen Sie auch: 

Bürgerinitiative droht mit Anwalt: Protest gegen geplante Tennisplätze

In den nächsten Tagen soll in Wimbledon die Entscheidung fallen, ob Bad Homburg für ein Vorbereitungsturnier der weiblichen Tennis-Weltspitze auserkoren wird. Mit den Folgen für den Kurpark sind nicht alle einverstanden.

Ein Gottesdienst für Hunde

Die Erde gehört uns nicht allein - unter diesem Motto hatten der Tierschutzverein Bad Homburg und die katholische Pfarrei St. Marien für Samstag zu einem Segnungsgottesdienst für Tiere geladen. Denn diese bedürfen des Schutzes der Menschen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare