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Vielfältiges Insektenleben

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Am Wiesbach wurde Ausschau nach der Köcherfliege gehalten. © romahn

Feierabendspaziergang der Vogelschutzgruppe

Grävenwiesbach -Seit der Corona-Pandemie veranstaltet die Vogel- und Naturschutzgruppe Grävenwiesbach regelmäßig Feierabendspaziergänge in der Natur der Gemeinde. Statt eines Bilder- oder Filmvortrags im Vereinsheim laden die heimischen Naturschützer interessierte Besucher ein, die Artenvielfalt der Fauna und Flora vor Ort zu betrachten. Kürzlich begrüßte der Vorsitzende der Vogelschutzgruppe Sebastian Budig am Wiesbach acht Feierabendspaziergänger zu einem Gang durch die Welt der heimischen Insekten.

Budig startete den Rundblick durch die Insektenwelt mit der Feststellung, dass sich die meisten Insekten im feuchten Klima der Tropen befinden. Hierzulande ist es die Köcherfliege, die ihre Eier in Bächen wie dem Wiesbach unter Steinen ablegt. Weil alle Köcherfliegen gleichzeitig schlüpfen, kommt es zu einer wahren Explosion der Ausbreitung.

Solitärbienen in den Fokus gerückt

Für Wasseramseln, Bachstelzen oder Mauersegler sowie Igel, Lurche und Eidechsen ist die Köcherfliege wichtige Ernährungsgrundlage. Beim Spaziergang im alten Ortskern an der Ecke Mönstädter Straße und Pforte erläuterte Budig die Bedeutung von Ritzen, Mauerspalten und Dachkanten an mit Lehm verfugten Fachwerkhäusern: "Das sind ideale Habitate für Solitärbienen."

Budig betonte die Notwendigkeit der Sensibilisierung der Bevölkerung für den Schutz von Solitärbienen. Während Bienen und Wespen als schützenswerte Insekten gelten, ist der Solitärbienen-Schutz noch nicht im Bewusstsein der Allgemeinheit verankert.

Während die Larven zum Beispiel beim Maikäfer vier Jahre leben, ist die Lebenszeit des fertigen Insektes viel kürzer. Sie dauert in der Regel nur einen Sommer, bis mit der neuen Eiablage ein neuer Zyklus beginnt. Die unglaubliche Vielfalt der Gattung Insekten wird auch daran deutlich, dass man vielen gar nicht ansieht, dass sie auch zu den Insekten gehören.

Meister

der Tarnung

Auf der Ausgleichsfläche der Vogelschutzgruppe am Wenzelflecken besuchten die Spaziergänger das Insektenhotel. Budig nennt diese "Kinderstube" der Solitärbienen lieber Kreißsaal. Denn aus den Röhren des Insektenhotels schlüpfen die Solitärbienen. Im Unterschied zu den Honigbienen, die hierarchisch staatenbildende Insekten mit Königin und Arbeiterinnen sind, sind die Solitärbienen Einzelgänger. Ihre Existenz ist vor allem durch Monokulturen in der Landwirtschaft gefährdet.

Im Kreißsaal der Solitärbiene lauern als Feinde Parasiten wie die Glanzwespen, die nach dem Kuckucks-Prinzip ihre Eier unbemerkt bei den Solitärbienen ablegen. Sie verbrauchen darüber hinaus die Futtervorräte.

Zum Rundblick über das Leben der Insekten gehörte auch das Kennenlernen der Gespenster-Insekten. Sie sind Meister der Tarnung und sehen zum Beispiel wie Blätter aus. Die Fluginsekten gehören zur größten Gruppe. Neben Bienen und Libellen sowie Fliegen und 16 000 Schmetterlingsarten gehören auch Blattläuse, Käfer, Wanzen oder Heuschrecken zu dieser Familiengattung.

Als neuestes Projekt der Vogelschutzgruppe geplant ist ein "Sandarium" an einem sonnigen, regengeschützten Standort. Insektenhotels sind inzwischen als Nisthilfen etabliert. Doch kaum einer weiß, dass nur ein Viertel der Wildbienen überhaupt diese Art von Nisthilfen nutzt. Drei Viertel aller Wildbienenarten sind Erdnister. Von 460 Wildbienenarten nisten 340 Arten im Boden. Den Wildbienen machen nicht nur Pestizideinsatz und Futtermangel zu schaffen, sondern auch fehlende Nistplätze. Die Anlage eines Sandariums dient den Wildbienen als Nisthilfe. Das Sandarium ist eine Fläche, die aus Sand besteht.

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