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Vogelgrippe: Opel-Zoo im Ausnahmezustand

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Von: Martina Jensong, Sabine Münstermann, Matthias Kliem

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Ein Rosa Pelikan wie dieser hat sich im Opel-Zoo mit dem Vogelgrippe-Virus infiziert.
Ein Rosa Pelikan wie dieser hat sich im Opel-Zoo mit dem Vogelgrippe-Virus infiziert. © (115183804)

Das hat es in 60 Jahren Opel-Zoo noch nie gegeben: Der Kronberger Tierpark muss vorläufig seine Pforten schließen. Der Grund: Ein Rosa Pelikan, der in der vergangenen Woche tot aufgefunden worden war, ist positiv auf das Vogelgrippe-Virus getestet worden.

Ein Großvater steht mit seinem zweijährigen Enkel am Zaun zum Kronberger Opel-Zoo und verfüttert die mitgebrachten Möhren an die Ziegen des Tierparks. „Eigentlich wollten wir ja drinnen die Tiere füttern. Aber das geht ja nun nicht“, sagt er achselzuckend. Warum das nicht geht, steht auf einem Zettel an der Eingangstür zum Kassenbereich. „Bei einem Pelikan im Opel-Zoo wurde das Virus H 5 N 8 (Vogelgrippe) nachgewiesen“, heißt es da. Und weiter: Der Zoo bleibe deshalb für einige Tage geschlossen.

Der Kassenbereich ist an diesem Dienstagnachmittag verwaist, doch drinnen im Zoo scheint es so, als ob alles seinen gewohnten Gang gehen würde. Nur, dass die Besucher fehlen. Hier und da sind ein paar Tierpfleger zu sehen, die die Tiere versorgen. Schutzkleidung haben sie nicht angelegt. „Das Virus ist ja nur für Vögel gefährlich“, erklärt einer. Deshalb würden beispielsweise die Kamele morgen auch wieder nach draußen dürfen. Auch die Zufahrt zu den Zoo-Parkplätzen ist nach wie vor möglich. Lediglich der öffentliche Philosophenweg, der mitten durchs Zoo-Areal führt, ist verschlossen. Auch hier weist ein Schild auf den Grund der Schließung hin.

Gegen 15.15 Uhr sei man gebeten worden, den Zoo zu verlassen, erzählt ein Besucher. Da seien schon viele Personen in Schutzanzügen herumgelaufen, die in den ganzen Volieren Kotproben gesammelt hätten, um sie zu untersuchen. Drei Tage werde der Zoo geschlossen bleiben, habe es geheißen. Den angefangenen Nachmittag haben Ausflügler daher in der Mountain Lodge überbrückt. Dort war man von der Entwicklung im benachbarten Zoo überrascht. „Wir haben durch unsere Kunden davon erfahren“, heißt es dort auf Nachfrage.

Schwärme am Himmel

Warum das Virus so gefährlich ist, zeigt sich dem Besucher von der Terrasse im Eingangsbereich: Über dem Park kreisen Vogelschwärme, die hoffen, ihren Teil bei der abendlichen Tierfütterung der Zootiere abzubekommen. Eine Saatkrähe fliegt mit Futter im Schnabel davon. So ist das Virus möglicherweise in den Zoo gelangt. Und so könnte es wohl auch weitergetragen werden. Kein Wunder also, dass alle erdenklichen Schutzmaßnahmen ergriffen werden müssen, um eine weitere Verbreitung zu verhindern.

Besagte Schutzmaßnahmen sind nach Angaben der Leiterin des Veterinäramts des Hochtaunuskreises, Dr. Britt Friebertshäuser, ziemlich umfangreich. Zum Beispiel ist bis auf Weiteres der Philosophenweg gesperrt, damit kein Kot an den Schuhen von Spaziergängern weitergetragen werden. „Wir wollen verhindern, dass sich das Virus aus Unachtsamkeit ausbreitet“, erklärte Friebertshäuser.

Außerdem sind derzeit alle Geflügelzuchtschauen und -ausstellungen untersagt. „Mit Ausnahmegenehmigungen werden wir sehr restriktiv umgehen, zumal wir derzeit ohnehin keine Kapazitäten haben, um uns damit auseinanderzusetzen“, sagt Friebertshäuser. Im Klartext: Um Anträge zu prüfen, ob nicht doch irgendwo eine Geflügelausstellung stattfinden könnte, hat das Veterinäramt derzeit nicht ausreichend Personal.

Zudem dürfen die gewerblichen Geflügelhalter im direkten Umfeld des Opel-Zoos, wie Friebertshäuser gestern am Spätnachmittag auf einer eigens anberaumten Pressekonferenz erklärt, derzeit weder Tiere rein- noch rauslassen. Eier dürfen sie auch nicht verkaufen. „Aber da Eier ein Haltbarkeitsdatum von 18 Tagen haben, gehen wir davon aus, dass das die Betriebe nicht in eine schwierige Lage bringt“, sagt Friebertshäuser.

Von den Schutzmaßnahmen ist derzeit auch das Hofgut Hohenwald in Oberhöchstadt betroffen, das im Sperrbezirk liegt. Dort werden rund 10 000 Hühner gehalten, die jeden Tag etwa 9000 Eier legen. „Wenn wir die nicht mehr ausliefern dürfen, wäre das eine wirtschaftliche Katastrophe“, sagt Betreiber Wolfram Meier. Schon vor dem Vogelgrippe-Fall im Opel-Zoo hatte das Hofgut verstärkte Sicherheitsmaßnahmen ergriffen und unter anderem Desinfektionsmatten an den Ein- und Ausgängen ausgelegt.

Für die Tiere der Geflügelzüchter in Hessen galt schon seit Montag Stallpflicht. „Wir wurden vom Landesverband der Geflügelzüchter angewiesen, unsere Tiere aufzustallen“, sagt Norbert Voigt, Vorsitzender des Geflügelzuchtverein Steinbach. „Unsere Anlage ist für Besucher gesperrt, darauf weisen wir mit einem Schild hin. Nur noch die Züchter dürfen zu den Tieren, die müssen ja schließlich gefüttert werden.“

Tägliche Kontrollen

So eng sei es noch nie gewesen. „Das ist ja um die Ecke“, sagt Oliver Huß, stellvertretender Vorsitzender des Geflügelzucht-Vereins Weißkirchen, zum Vogelgrippe-Fall im Opel-Zoo. Und er fügt hinzu: „Wir wissen noch nicht, was auf uns zukommt.“ Schon jetzt kontrollierten Mitglieder das Zuchtgelände jeden Tag. Insgesamt gibt es im Verein mehr als 200 Hühner und Tauben, die seit voriger Woche im Stall bleiben müssen oder in speziell geschützten Volieren untergebracht sind. Vielleicht müssten Letztere jetzt auch in den Stall, mutmaßt Huß. Grundsätzlich sei dies nicht unproblematisch. „Die Tiere sind es gewohnt, im Freien zu leben.“ Und die Ställe seien nicht für eine dauerhafte Unterbringung ausgerichtet. Und noch ein weiteres Thema spricht Huß an, der selbst 40 Tiere hat: Die Mitglieder würden jetzt beginnen, sich auf das neue Zuchtjahr vorzubereiten. „Ich kann mir vorstellen, dass es jetzt heißt, es dürften keine Küken gezüchtet werden.“ Im schlimmsten Fall müssten alle Tiere gekeult, also getötet werden. „Das wollen wir nicht hoffen.“

Das hofft auch Erster Kreisbeigeordneter Uwe Kraft (CDU) nicht. „Wir warten in Ruhe die Ergebnisse der Untersuchung der Tiere ab und hoffen, dass es keinen weiteren Fall gibt, also auf ein negatives Ergebnis“, sagt er.

Wie es aussieht, sollte sich im Opel-Zoo ein weiterer Vogel mit dem hochansteckenden Virus infiziert haben, der gar ein Tier auf einer Geflügelfarm, mag sich die Kreis-Veterinärin gar nicht ausmalen. „Dann treffen wir uns kommende Woche erneut, um das weitere Vorgehen zu besprechen,“ so Friebertshäuser.

Verhaltensregeln für Geflügelbetriebe finden sich auf der Homepage des Hochtaunuskreises unter

(aw, mj, mak, new, sbm)

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