Blütenpracht im Taunus: Der Ober-Erlenbacher Landwirt Volker Goy und Rapsblütenkönigin Theresa I. freuen sich über das imposante Wachstum der Pflanze und die große Nachfrage.
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Blütenpracht im Taunus: Der Ober-Erlenbacher Landwirt Volker Goy und Rapsblütenkönigin Theresa I. freuen sich über das imposante Wachstum der Pflanze und die große Nachfrage.

Raps-Anbau

Volle Blüte und sattes Gelb im Taunus

  • vonMatthias Pieren
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Die Bedingungen für den Anbau von Raps waren zuletzt alles andere als ideal. Die Folge: Es gibt im Taunus weniger Raps-Flächen als noch vor ein paar Jahren - und die Preise steigen.

Hochtaunus -Eiskratzen war angesagt, als sich der Präsident des Hessischen Bauernverbandes und die Hessische Rapsblütenkönigin gestern in der Frühe mit dem Auto auf den Weg in den Taunus machten. Erneut lagen die Nachttemperaturen in Nordhessen - Karsten Schmal bewirtschaftet seinen Hof in der Nähe des Edersees und Landwirtstochter Theresa Schmidt kommt aus dem Schwalm-Eder-Kreis - unter dem Gefrierpunkt. Auf den Feldern vor den Toren von Bad Homburg stand der Raps hingegen bereits in voller Blüte.

Endlich, ist man im Hochtaunuskreis geneigt, zu sagen. Lange genug hat der Frühling auf sich warten lassen. "In den vergangenen drei Jahren hatten wir im April und Mai bereits Temperaturen um 20 Grad", erinnerte Karsten Schmal an den Auftakt der Dürrejahre 2018 bis 2020. "In diesem Jahr war der April sehr, sehr kalt. Die Vegetation ist gut drei Wochen hinterher. Mit 13 Frostnächten war der April der kälteste seit 1929."

Da die Vegetation in Nordhessen noch nicht angesprungen ist, empfand die Hessische Rapsblütenkönigin Theresa I. das leuchtend gelbe Blütenmeer auf den Feldern rund um Ober-Erlenbach als wahre Wonne - hat sie doch im vergangenen Jahr krönen lassen, um die Vorzüge des Raps der Bevölkerung näher zu bringen. Landwirt Volker Goy aus Ober-Erlenbach brachte das für einen Ortstermin nötige Lokalkolorit in die für eine Pressekonferenz hergerichtete Maschinenhalle der Landwirtsfamilie Kopp.

"Auf den 123 Hektar Land sind auf 85 Hektar Winterweizen, 23 Hektar Zuckerrüben und 12 Hektar Raps bestellt", erläuterte Goy. "Die Raps-Saat haben wir Ende August vergangenen Jahres ausgebracht. Dank der noch guten Bodenfeuchtigkeit bei der Aussaat ist der Raps wirklich gut aufgegangen. Da die Pflanzen fast alle in Vollblüte stehen, darf jetzt aber kein starker Frost mehr kommen." Die Anbaufläche des Winterrapses im Hochtaunuskreis war nach Angaben des Hessischen Bauernverbandes von rund 1050 Hektar in den Jahren 2016 und 2017 auf nur noch 583 Hektar im Jahr 2018 zurückgegangen. In den beiden Folgejahren leuchtete die Rapsblüte auf immerhin 735 sowie 821 Hektar.

"In den vergangenen drei Jahren waren die Anbaubedingungen für den Winterraps alles andere als ideal", begründete Karsten Schmal den starken Rückgang. "Die größten Probleme bereiteten langanhaltende Trockenperioden, unter denen die Aussaat im August litt."

Leider sei in den vergangenen Jahren immer weniger inländischer Raps in den deutschen Ölmühlen verarbeitet worden - in der Saison 2020/2021 betrug der Inlandanteil nur noch etwa ein Drittel. Gesunkene Anbauflächen und geringere Hektarerträge seien die Hauptursachen.

Wo aber das Angebot zurückgeht, steigt irgendwann auch wieder der Preis. Seit Monaten seien die Rapspreise im Aufwind. "Die aktuellen Preise von bis zu 600 Euro pro Tonne sind sogar auf einem Allzeithoch", so Schmal.

Mit rund 40 Prozent liegt der Marktanteil von Rapsöl deutlich vor Sonnenblumenöl (29 Prozent) und Olivenöl (16 Prozent). Die Kritik, dass die Beimischung von Raps in Dieselkraftstoff ethisch nicht zu verantworten sei - Slogan: ,Lebensmittel gehören auf den Tisch und nicht in den Tank' - lässt Schmal so nicht stehen. "Derzeit wird bei der Herstellung von Dieselkraftstoff noch immer Palmöl beigemischt, für dessen Gewinnung tropischer Regenwald abgeholzt wird", so Schmal. "Bis 2030 sollen fossilem Dieselkraftstoff statt derzeit sieben bis 2030 dann 22 Volumenprozent Biodiesel aus Rapsöl beigemischt werden. Zugleich wird die Beimischung von Palmöl bis 2026 beendet. Das ist ein beachtlicher Beitrag zum Klimaschutz."

von Matthias Pieren

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