1. Startseite
  2. Region
  3. Hochtaunus

Vom Kaufmann zum Bastler

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

tz_anspach2-B_152515_4c_1
Rolf Ruoff (links) und Werner Schultz haben immer etwas zu schrauben. Sie machen Fahrräder für den kleinen Geldbeutel flott. © saltenberger

Ruoff und Schultz reparieren Fahrräder und geben sie für kleines Geld ab

Neu-Anspach -Eine Drahtbürste, Maul- und Ringschlüssel, Steck- und Inbusschlüssel, Kreuzschraubenzieher - alles gut sortiert und griffbereit an einer Holztafel aufgehängt. An der Rückseite steht ein Regal mit Ersatzteilen. "Das da unten ist ein Sammelsurium von Sätteln", erklärt Werner Schultz das Inventar. Manchmal werde ein Fahrrad ohne Sattel gebracht, dann brauche man schon etwas zur Auswahl, denn die Sattelstangen haben unterschiedliche Durchmesser.

Schultz und Rolf Ruoff, der ebenfalls mit dabei ist, scheinen geradezu in ihrem Element zu sein, wenn sie von den Vehikeln auf dem Hof und in der Garage reden. 400 gebrauchte Fahrräder haben sie in der Werkstatt hinter dem alten Rathaus schon umgeschlagen. Aber das war vor Corona. Die Pandemie hat auch den Fahrradbastlern die Werkstatt lahmgelegt, aber jetzt soll es endlich wieder weitergehen.

Betriebsbereit und verkehrstüchtig

"Jeden Donnerstag, hier vor der Garage" steht auf einem Schild über dem Tor. Das sind die Öffnungszeiten, dann sind die beiden da, und Fahrräder können erworben oder gebracht werden. Es sind gebrauchte Räder, aber die, die den Hof verlassen, sind betriebsbereit und verkehrstüchtig. Es könnte allerdings sein, so Schultz, dass das Licht beispielsweise nicht funktioniere und nicht repariert werden könne, dann müsse der Erwerber schon selbst aktiv werden. Fahrradstrahler zur Selbstmontage seien ja erschwinglich.

Erschwinglich sind die Fahrräder, die bei "Tat mit Rad" zu haben sind, auch, aber ganz umsonst auch wieder nicht. "Früher hatten wir eine Pauschale von 20 Euro pro Rad", so Schultz, aber die Fahrräder seien doch sehr unterschiedlich, so dass man für die guten etwas mehr nehmen könne. 70 Euro ist zurzeit das teuerste auf dem Hof.

"Es kommt so hin mit dem Geld"

Die Einnahmen gehen weder in eine Vereinskasse noch in eine Privattasche. Von dem Geld werden die Ersatzteile gekauft. Mäntel, Schläuche oder Bremsbeläge beispielsweise. "Einnahmen und Ausgaben, das kommt so hin mit dem Geld", erklärt Ruoff.

Die beiden sind keine Fahrrad-Bastler "von Natur aus". Der kaufmännische Bereich war ihr Arbeitsfeld, und das Reparieren von Fahrrädern mussten sie sich erst selbst aneignen. Ruoff ist zudem Radsportler im Neu-Anspacher Verein der RV Vorwärts. Er und Schultz basteln nicht einfach aus Spaß an der Freude: "Die soziale Komponente ist uns wichtig", heißt es von beiden.

Die Fahrräder werden nämlich für Bürger flott gemacht, die sich nicht gerade das modernste, beste und teuerste Rad leisten können. "Am Anfang brauchten die Kunden einen Caritas-Ausweis oder einen von der Homburger Tafel, aber jetzt ist das Angebot für jedermann", erklärt Schultz.

Gedanke der Nachhaltigkeit

2015 ist das Projekt "Tat mit Rad" aus dem Arbeitskreis Flüchtlinge hervorgegangen. Dahinter stehe aber auch der Nachhaltigkeitsgedanke, denn oft stünden Fahrräder jahrelang im Keller und würden dann, obwohl sie noch in Schuss seien, verschrottet, erzählen die Männer. Das müsse nicht sein.

Apropos Schrott: Man sei zwar für Fahrradspenden dankbar, aber das heiße nicht, dass man schrottreife Fahrräder annehme. Gut erhaltene Räder werden dagegen gerne angenommen und Kleinigkeiten repariert. Die beiden freuen sich nicht nur über Fahrradspenden, sondern auch, wenn sich noch Mitstreiter für die Garagen-Werkstatt fänden.

Die Garage stellt die Stadt

Die Garage in der Bahnhofstraße hat die Stadt Neu-Anspach dankenswerterweise zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus gibt es noch eine zweite im Ortsteil Hausen-Arnsbach. In Hausen lagern rund 25 Zweiräder, die aufs Flottmachen warten. Hinter dem Rathaus sind es über 30, und für Jugendliche und Kinder ist auch etwas dabei. Das Gros aber sind Fahrräder für Erwachsene, und zwar gewöhnliche Straßenräder zum Einkaufenfahren oder um von A nach B zu kommen.

Oft müsse es gar nicht sein, dass Fahrräder repariert werden müssten. "Sie werden oft mit zu wenig Luft gefahren", lautet eine Erfahrung, die Schultz und Ruoff wiederholt gemacht haben. Das tue Reifen und Schlauch nicht gut. Aber sie wissen auch, dass viele noch nicht einmal wissen, wie eine Luftpumpe benutzt wird und welche zu welchem Ventil passt. Aus diesem Grund schwebt bereits die Idee im Raum, Workshops zur Pflege, Instandhaltung und Reparatur anzubieten. Das sei aber noch nicht in trockenen Tüchern. Dass es donnerstags ab 14 Uhr wieder Fahrräder zu kleinen Preisen gibt, ist aber sicher, und über einen Nachlass lasse sich in besonderen Fällen auch reden, sagt Schultz.

Auch interessant

Kommentare