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Von Gregorianik bis Jazz

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Unter Leitung von Daniel Sans und mit Unterstützung der Sopranistin Heike Heilmann singen die Mitglieder von Cantus Wirena die Misa Criolla von Ariel Ramirez. © Mai

Neuer Chorleiter Daniel Sans erstmals mit Cantus Wirena auf der Bühne

Wehrheim -Zuhörer wie Chor waren hungrig danach, ein Konzert zu erleben, und die Darbietung von Cantus Wirena war genau richtig. 2018 hatte der Chor seinen letzten öffentlichen Auftritt, erläuterte Vorsitzender Dr. Bernhard Merz zur Begrüßung. Es habe sich viel verändert in dieser Zeit, aber was zunächst als unlösbar erschien, hatte sich als Chance herausgestellt. Den Corona-Einschränkungen zum Trotz hatte das Ensemble einen neuen Leiter gefunden, nachdem Mark Opeskin das Amt abgegeben hatte.

Daniel Sans, mit dem der Chor zum ersten Mal auf der Bühne stand, scheint der richtige zu sein, um mit Fachkenntnis, eigenem Charisma und Humor aus den Stimmen herauszulocken, was in ihnen steckt. Das Konzert machte deutlich, dass beide Seiten - und auch die Zuhörer - große Freude daran hatten.

Misa Criolla

im Mittelpunkt

Am Ende griff der Chorleiter noch einmal richtig in die (Klavier-) Tasten. Mit dem "Halleluja" von Leonard Cohen, eigentlich ein eher leises Stück, setzten Chor, Dirigent und die Instrumentalisten der Musikschule dem gut einstündigen Konzert einen grandiosen Schlusspunkt, der das zuvor Gehörte auf beeindruckende Art und Weise unterstrich.

Im Mittelpunkt stand mit der Misa Criolla von Ariel Ramírez (1921 bis 2010) ein spanisch gesungenes, buntes und rhythmisches Stück, das der Messe jedoch genügend Raum ließ. Der argentinische Komponist hatte sich für die Folklore seiner Heimat, aber auch für die europäische interessiert, und in der Messe drücken die Schwingungen in bewegender Weise Freude, Trauer und religiöse Anbetung aus.

Ramírez hatte sie für zwei Schwestern, die ihm in Würzburg von den Gräueln der Nazizeit berichtet hatten, geschrieben. Zur "Ehre des Lebens", sei die Messe entstanden, so Sans. Die knapp 150 Besucher hörten aber nicht nur die Ehre des Lebens heraus, sondern auch jede Menge Lebendigkeit und Rhythmus, der vor allem das Werk der Instrumentalisten Ulrich Wanka (Kontrabass), Ute Riemer (Cembalo), Thomas Frömming (Schlagwerk), Susanne Epple mit den Schülern der Musikschule Musikschülern (Gitarren), war. Die rund 40 Sänger traten - farbenfroh gekleidet - selbstsicher auf, hatten aber auch die exzellente Unterstützung der Sopranistin Heike Heilmann. Begonnen hatte die Reise von der Gregorianik des Ostens bis nach Lateinamerika in Norwegen mit dem sakralen "Ubi Caritas - Wo die Liebe ist", des norwegischen Komponisten Ola Gjeilo (geboren 1978).

Sakral und zugleich populär

Daniel Sans, der mit interessanten Informationen zu den Werken und ihren Komponisten durchs Programm führte, sprach davon, dass es "nur so schillert" in der Musik von Gjeilo, in der zwar das Sakrale zur Geltung komme, die aber auch etwas von Populärmusik habe. Dem Publikum gefiel's. Und zwar nicht nur dieses Werk, das Sans passend zur Messe ausgesucht hatte, sondern die Auswahl der Musikstücke insgesamt.

Der Chorleiter baute mit der Auswahl Brücken, stellte Bezüge her, und erläuterte beides. Er nahm die Zuhörer auf charmante Art und Weise mit, erläuterte die Besonderheiten und das Umfeld, in dem die Werke entstanden. Etwa die Ricecar 1 und 2 von Diego Ortis, "Green Sleeves" welche die Instrumentalisten und der Chorleiter mit beeindruckendem Tenor zum Hörerlebnis machten. Die Besonderheit von Ortis sei, dass er bereits im 16. Jahrhundert Improvisationen ähnlich dem heutigen Jazz gewagt habe.

Der wiederum hatte einen Anteil an den folgenden Werken, die einen Ausflug nach Brasilien und an die Copa Cabana boten. Zunächst erklang der "Blues Bossa" des amerikanischen Be-Bop-Trompeters und Komponisten Kenny Dorham (1924 bis 1972), in dem das Schlagwerk eine große Rolle spielte. Einfühlsam und virtuos dagegen kam der "Karnevalsmorgen", Black Orpheus von Luiz Bonfa (1922 bis 2001), ein Bossa Nova, der sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts zum Jazz-Stand entwickelt hat, daher.

Das Konzert war aber nicht das letzte für die kommende Zeit, Cantus Wirena hat weitere Auftritte auf dem Plan, wie etwa das Jubiläumskonzert von Liederkranz-Germania am 24. Juli, das Musikfestival der katholischen Sankt-Michaels-Gemeinde am 10. September und ein Auftritt auf dem Frankfurter Weihnachtsmarkt am 27. November. Informationen zu Cantus Wirena und der Musikschule gibt es unter www.cantus-wirena.de

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