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Vor dem Schuss genau überlegen

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Die Lokalisierung des Anschussortes ist deshalb so wichtig, weil sich dort in der Regel Pirschzeichen finden, die auf die Schwere und Art der Verletzung und damit auch auf die Länge einer möglichen Fluchtstrecke schließen lassen. © Red

Usingen (as). »Ist der Schuss erst aus dem Lauf, hält kein Schütze ihn mehr auf« - alte Jägerweisheit, an der aber viel Wahres ist. Mit anderen Worten: Jäger sollten es sich genau überlegen, ob sie die richtige Waffe haben, das nötige Licht und, mindestens so wichtig, die richtige Munition.

Das sprichwörtliche »mit Kanonen auf Spatzen schießen« kann ebenso wenig waidgerecht sein wie das mit Kleinkaliber auf einen Hirsch. Noch wichtiger ist es aber, auch die notwendigen Fähigkeiten, das Wild waidgerecht zur Strecke zu bringen, parat zu haben, einschließlich anatomischer Kenntnisse über die Lage der Organe im Körper des Tieres.

Möglichst wenig Leid verursachen

In aller Regel wüssten Jäger zwar genau, was sie tun, trotz aller Sorgfalt aber auch nicht immer, sagte Frank Cernic, Vorsitzender der Jägervereinigung Usingen, zum Auftakt eines Anschuss- und Nachsuche-Seminars im Gasthof »Zur Eisenbahn« in Grävenwiesbach. Der Einladung waren 30 Jägerinnen und Jäger gefolgt.

Waidgerechtes, mit möglichst wenig Leid für das bejagte Wild verursachendes Jagen sei im Bundesjagdgesetz insofern geregelt, als auch Nachsuchen durchgeführt werden müssen. Jeder Jäger, und da war Cernic sich einig mit dem Referenten Bernd Weier von der »Nachsuchegemeinschaft Westerwald/Taunus«, habe schon einmal ein Stück Wild nicht gleich tödlich getroffen, sodass es noch fliehen konnte.

Ihm selbst sei es auch schon vor vielen Jahren zum ersten Mal passiert, gestand Cernic, dass er damals »den Finger besser gerade gelassen hätte«. Weier mahnte die Jagdkollegen, ihre Treffsicherheit auf größere Distanzen nicht zu überschätzen und sie regelmäßig zu überprüfen. Er zog auch Nachtsichtgeräte als »Allheilmittel« teilweise in Zweifel. Die Bilder seien oft ungenau. Zweige, von denen eine Kugel abgelenkt werden könne, würden nicht abgebildet.

Wichtig sei es generell, sich den Ort des Anschusses zu merken, von dem aus eine mögliche Nachsuche mit Hunden eingeleitet werden kann. Am besten bei Tageslicht, nötigenfalls auch erst am nächsten Morgen. Wenn der eigene Hund das angeschossene Stück nicht finde, so sei es keine Schande, ein der Jägerschaft zur Verfügung stehendes Nachsucheteam mit »Profi-Spürnasen« anzufordern, es sei sogar die Pflicht, erläuterte Weier, der einräumte, selbst auch schon Kollegenhilfe in Anspruch genommen zu haben, weil das angeschossene Stück nicht auffindbar war.

Übung am Schießstand

Dabei seien nicht alle Nachsuchen erfolgreich, häufig werde angeschossenes Wild gar nicht oder erst nach Jahren verludert gefunden. Wenn verletzte Tiere über die Reviergrenze flüchteten, sei der Pächter zu informieren, damit notfalls er Nachsuchen einleiten kann. Trotz aller Treffsicherheit, die die meisten Jäger zu haben glauben, komme es zu Fehlschüssen. So gingen oft Kopfschüsse zum Zweck der sofortigen Tötung, aber auch um möglichst wenig Wildbret zu »zerschießen«, daneben.

»Die beste Nachsuche ist die, bei der vorbeigeschossen wird«, sagte Beier. Das Lokalisieren des Anschussortes sei deshalb wichtig, weil der Jäger sich dort ein Bild von der Verletzung des Tiers machen kann. Zum Abschluss des Seminars trafen sich die Teilnehmer auf dem Schießstand der Jägervereinigung. Dort war eine zuvor erlegte Wildsau als Übungsobjekt aufgehängt und wurde beschossen. An den Schützen war es, die Treffpunktlage zu bestimmen und zu erfahren, ob der Schuss »ins Leben« gegangen wäre.

Dazu mussten Pirschzeichen gesichert werden - Haare, Blut, Organteile oder auch Knochensplitter. Die Jäger erfuhren, dass das Nichtverfolgen von Streifschüssen im wahrsten Sinne tödlich sein kann: Selbst ein »kleiner Ratscher« durch die Schwarte führt sicher zum Tod des Tiers, weil dort Entzündungen verursacht würden.

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