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Norbert Zepke vom TuS Weilnau. Der Vorsitzende will nicht mehr, doch ein Nachfolger ist nicht in Sicht.

Verein in Altweilnau

Vorstand dringend gesucht, Vorsitzender will nicht mehr - TuS droht die Auflösung

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Wer übernimmt die Verantwortung? Diese Frage wird meist gestellt, wenn’s irgendwo hapert. Beim TuS Weilnau läuft’s eigentlich rund. Trotzdem wird die Frage immer lauter gestellt – und dringlicher. Denn der alte Vorstand will nicht mehr, ein neuer steht noch nicht bereit.

Altweilnau - Der TuS Weilnau gehört mit fast 500 Mitgliedern zu den größten und aktivsten Weilroder Vereinen, die keine Blaulicht-Autos auf dem Hof haben. Es fehlt nicht an Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren, die Kurse sind gut besucht – und die meisten Mitglieder sind auch im Verein aktiv.

Trotzdem sind dunkle Wolken über dem Sportlerheim aufgezogen. Der Grund: Bei der nächsten Jahreshauptversammlung am Freitag, 22. März stehen Vorstandswahlen an. Nun könnte man meinen, das ist bei einem gut laufenden Uhrwerk wie dem TuS ein Selbstläufer – ist es aber nicht, im Gegenteil.

Der langjährige TuS-Chef, Norbert Zepke, hat eindeutig klargestellt: „Ich werde nicht noch einmal antreten.“ Es gebe keinen Ärger, keine organisatorischen Herausforderungen. „Ich bin jetzt – mit Unterbrechungen – seit 21 Jahren Vorsitzender und habe rund 30 Jahre Vorstandsarbeit hinter mir. Ich brauche jetzt mal eine Pause.“ Und auch der Rest-Vorstand ist amtsmüde, so dass auf fünf Positionen neue Leute gebraucht werden.

Doch die lassen sich bislang nicht finden. Gesucht wird laut Zepke intensiv. Allein mit 15 bis 20 Mitgliedern habe es bereits Gespräche gegeben – beziehungsweise wurde das Gespräch gesucht. „Manche haben direkt abgewunken, nach dem Motto: Du willst mich doch nur für den Vorstand überreden.“

Mitglieder informiert

Auch über das Vereinsmagazin „Kick & TuS“, in dem Zepke deutliche Worte findet, läuft die Suche. „Das Szenario, dass zur Jahreshauptversammlung leider keine Kandidaten für den Vorsitz, den stellvertretenden Vorsitz und die Geschäftsführung präsentiert werden können, wird immer wahrscheinlicher.“ Man habe daher beschlossen, die Mitglieder über die möglichen Folgen und Auswirkungen zu informieren.

Findet sich niemand, soll eine außerordentliche Mitgliederversammlung einberufen werden, auf der noch einmal Vorstandswahlen angesetzt sind. Findet sich wieder keiner, soll unter dem Tagesordnungspunkt 2 über die Auflösung des Vereins abgestimmt werden.

Zepke zählt auf: „Stimmen mindestens 75 Prozent der anwesenden Mitglieder zu, geschieht Folgendes: Alle Übungsleiter-Verträge und Verträge der beiden Spielgemeinschaften werden zum 31. Dezember gekündigt. Alle Konten bis auf ein Abwicklungskonto werden sofort aufgelöst. Die Verfügungsgewalt der Abteilungskassenwarte wird gelöscht. Der Sportbetrieb wird zum 31. Dezember eingestellt. Sämtliche Liegenschaften und Immobilien und das sonstige Vermögen geht zum 1. Januar 2020 an die Gemeinde Weilrod über . . .“

Ein ernst gemeintes Szenario oder doch eher eine Drohkulisse? „Mir ist es ernst“, bestätigt Zepke. Wenn sich niemand findet, der die Verantwortung übernimmt, der Verein aber gegen die Auflösung votieren sollte, werde ein Notvorstand vom Amtsgericht eingesetzt. „Es ist nicht so, dass die bisherigen Funktionsträger verpflichtet werden können, einfach weiter zu machen“, betont der Vorsitzende. „Wenn man nicht mehr will oder kann, muss man aufhören dürfen.“

Eigene Kasse

Er hofft indes darauf, dass sich Menschen finden und wirbt dafür: „Das ist auch nicht viel Arbeit – keine zwei Stunden die Woche – plus noch mal acht Vorstandssitzungen im Jahr.“ Die eigentliche Arbeit übernähmen ohnehin die Abteilungen. „Die haben alle eine eigene Kasse, die sie alle Vierteljahre mit dem Kassierer abrechnen und organisieren die Veranstaltungen und Feste.“ Davon gibt es einige, allein in den kommenden Wochen. Am 9. Februar steht der mittlerweile 20. Wald-Crosslauf auf dem Programm, am 15. und 16. Februar folgen die Fremdensitzungen und am 23. Februar das Kinderfasching – alles unter der Regie des TuS, ebenso wie die Country-Touren-Fahrt und der große Sporttag, die für den Mai geplant sind.

Auch ein Externer

Zepke hofft, dass sich doch noch Interessenten finden, langsam schwindet jedoch die Hoffnung. „Unterstützen Sie uns bei der Suche, übernehmen Sie selbst Verantwortung, sprechen Sie mit Freunden und anderen Mitgliedern über die anstehenden Aufgaben“, appelliert er an die TuS-Basis. Auch einen Externen kann sich Zepke vorstellen – Ressentimentes gebe es keine. Immerhin ein paar leise Hoffnungsschimmer gibt es bereits. „Es haben sich schon zwei Leute bereiterklärt, als Kassierer, beziehungsweise als Beisitzer mitzumachen – aber nur, wenn es auch Kandidaten für die anderen Posten gibt.“

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