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Waldbrandgefahr im Taunus

Der Wald ist staubtrocken

  • vonAlexander Schneider
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Sorglose Ausflügler erhöhen im Hochtaunuskreis die Waldbrandgefahr

Hochtaunus -Die Waldbrandgefahrenstufe A in Hessen, die erste von zwei Alarmstufen, konnte nach einigen Niederschlägen zwar zurückgestuft werden, ein Grund zur Entwarnung ist das aber nicht. A bedeutet "hohe Waldbrandgefahr, B steht für sehr hohe Waldbrandgefahr. Die Förster sind weiterhin alarmiert. Auch wenn die Waldböden nach einem Regen feucht sind, sei alles nach wenigen Tagen schon wieder staubtrocken. "Es schaukelt sich wieder hoch", sagt Ralf Heitmann, Leiter des Forstamtes Königstein. Die durch den Borkenkäfer anfallenden riesigen Fichtenholzmengen würden schnellstens aus dem Wald geholt. Leicht entzündliches Material gebe es aber dennoch in Mengen.

Im Fokus stehen für seinen Kollegen Jörg Deutschländer-Wolff, Leiter des Forstamtes Weilrod, Flächen mit abgestorbenen Fichten, exponierte Kahlflächen sowie vergrastes Offenland. Das Risiko sei im Butzbacher Stadtwald besonders groß. Erhöht habe sich die Gefahr von Waldbränden nicht allein durch die Trockenheit, sondern auch durch den gestiegenen Besucherdruck im Wald, ausgelöst durch die Corona-Pandemie: "Die Leute sind im Homeoffice oder in Kurzarbeit, da steigt das Bedürfnis nach Bewegung im Wald", sind sich beide einig. Heitmann stellt dazu aber fest: "Ganz schlimm sind die vielen Mountainbiker, denen die ausgewiesenen Trails nicht mehr ausreichen und die deshalb längst stillgelegte Abfahrten, mitten im Wald, reaktivieren."

Risiko heißer Auspuff

Viel Betrieb im Wald habe aber auch sein Gutes: Je mehr Menschen im Wald unterwegs seien, desto höher sei zwar die Brandgefahr, aber auch die Chance, Feuer früh zu entdecken. Bisher hätten Feuerwehren das Schlimmste noch verhindern können. Die meisten Waldbesucher seien vernünftig. Trotz strengstem Verbot fänden die Förster aber immer wieder Feuerstellen oder Reste von Einweggrills.

Gut sei jedoch, dass sich über Smartphones, ohne die heute kaum noch jemand im Wald unterwegs sei, genaue Positionsdaten an die Rettungsleitstelle übermitteln ließen, erklärt Heitmann. Brandgefährlich sei, dass viele Waldbesucher ihre Autos mit heißen Auspuffanlagen an Waldwegen über zundertrockenem Gras abstellten. Die abstrahlende Hitze könne Bodenfeuer auslösen, warnt Deutschländer-Wolff. Zudem versperrten geparkte Autos der Feuerwehr den Weg zu den Brandherden, ergänzt Heitmann: "Dabei gibt es im Hochtaunus genügend Parkplätze."

Brandwachen mit Ferngläsern auf dem Feldberg zu positionieren, komme zwar immer wieder als Maßnahme zur Früherkennung von Waldbränden ins Gespräch, sei aus seiner Sicht aber nicht notwendig: "Es sind so viele Leute im Wald unterwegs, einschließlich unserer Mitarbeiter, die Feuer früh erkennen können. Späher braucht es da wohl eher nicht. Auch bieten die durch die Käferholzrodung entstandenen riesigen Freiflächen Blickachsen, die es früher so nicht gegeben hat." Ohne Späher oder Luftbeobachtung beschränke sich die Früherkennung auf die Beobachtung durch das Forstpersonal, das von Alarmstufe A an verstärkt im Wald unterwegs sei, sagt dazu Deutschländer-Wolff, fügt aber hinzu, dass bei Alarmstufe B auch Luftbeobachtung zum Einsatz komme.

Schwierige Ermittlungen

Große Flächenbrände oder gar Kronenfeuer gab es zum Glück noch nicht. "Kleinere dagegen schon", erinnert Heitmann an diverse zum Glück kleine Brände im Raum Glashütten/Schmitten, zuletzt am Sängelberg. Hier könne wohl von Brandstiftung ausgegangen werden, die Brände seien alle nach ähnlichem Muster entstanden, stets in der Nähe von Hauptwegen.

Auch 2019 hatte es in der Feldbergregion mehrfach gebrannt. Der Verdacht, dass hier "gezündelt" worden sei, liege nahe. Das bestätigt auch Ingo Paul, Sprecher der Polizeidirektion Bad Homburg. Es werde in alle Richtungen ermittelt, "bisher leider ohne Erfolg, wir konnten nicht einen Verdächtigen ermitteln", so Paul. Naturgemäß sei die Spurensuche nach Waldbränden schwierig, kein Täter lasse Brandbeschleuniger im Wald zurück. Feuer nahe an Waldwegen deute zwar auf Brandstiftung hin, allerdings auch auf fahrlässige, entstanden durch weggeworfene Kippen. Der Täter sei aber auch dann kaum zu ermitteln, sagte Paul. Von alexander schneider

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