Aufarbeitung

Im Wald wird nach Orkan Friederike aufgeräumt

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„Burglind“, „Friederike“, „Lothar“, „Wiebke“ – die Namen, die Meteorologen Orkanen geben, klingen fast wie die von den netten Nachbarn von nebenan, sind aber alles andere als nett, und selbst wenn sie längst davongezogen sind, sind sie noch immer brandgefährlich. Allein im Staatswald des Forstamtes Weilrod waren von „Friederike“ 10 000 Festmeter Holz außerplanmäßig gefällt worden – ein „Mikado für Riesen“. Die Aufarbeitung läuft.

Revierleiter Jörg Erwe ist ein gestandener Förster kurz vor der Pension und hat während seines langen Berufslebens gelernt, mit den Unbilden des Wetters zu leben. Stürme gehören dazu, auch wenn sie im Wald oft beträchtliche Schäden anrichten. Und doch blutet ihm das Herz, wenn er vor der vom jüngsten Wintersturm „Friederike“ angerichteten Windwurffläche im „Scheid“, einem Waldgebiet zwischen Emmershausen und Laubuseschbach, steht und dieses „Mikado für Riesen“ anschauen muss. Schon sein Vater war Förster und vielleicht hat der ja einen Teil der jetzt vom Sturm dahingefegten Fichten gepflanzt.

Doch Erwe schaut auch nach vorne: „Immerhin gibt uns der Sturm jetzt die Gelegenheit, durch das Anpflanzen ausgewählter Baumarten für einen Aufwuchs zu sorgen, der in ein paar Jahrzehnten stabil genug ist, als Laub-Nadel-Mischwald künftigen Stürmen zu trotzen.“ In Frage kommen auf diesem dauerfeuchten Boden schnellwüchsige Douglasien, aber auch tiefwurzelnde Weißtannen und Lärchen sowie Lichtbaumarten wie Eiche und Buche. Erwe hatte sich im „Scheid“ mit Daniel Zimmermann, Bereichsleiter Produktion im Forstamt Weilrod, getroffen, um die Wiederaufforstung zu besprechen. Noch ist daran aber nicht zu denken. Kolonnen von Waldarbeitern sind mit Harvestern und gigantischen Rückezügen dabei, das kreuz und quer liegende Sturmholz aufzuarbeiten. Zimmermann sagt, diese Arbeit sei das Gefährlichste, was man im Wald tun könne. Umgestürzte Bäume sehen im Liegen gerade aus, stehen aber oft unter Spannung und werden so beim Durchsägen zur tödlichen Gefahr. Die senkrecht stehenden Wurzelteller können, nicht minder lebensgefährlich, bei unsachgemäßer Arbeit schlagartig umkippen (siehe nebenstehenden Artikel).

Im Forstamt ist man inzwischen mit der Schadensaufnahme nach „Friederike“, die am 18. Januar als stärkster Orkan seit „Kyrill“ 2007 über den Taunus gefegt ist, nahezu fertig. Zimmermann geht von 25 000 Festmetern Sturmholz insgesamt aus, 10 000 davon entfallen allein auf den Staatswald. Größte zusammenhängende Windwurffläche ist die „Scheid“. „Friederike“ habe das Werk von Vorgängersturm „Burglind“, der nur relativ wenig Schaden angerichtet habe, gewissermaßen vollendet.

Zeitlich unpassender hätte der Sturm gar nicht kommen können: „Wir hatten in diesem Bereich die Durchforstung gerade abgeschlossen, jetzt können wir wieder von vorne anfangen“, sagt Zimmermann und tröstet sich ein wenig damit, „dass wenigstens die Reparaturarbeiten an den durch die Holzabfuhr beschädigten Wegen noch nicht erledigt sind“. Zum Teil sitzt das Holz auch noch abfuhrbereit aufgeschichtet an den Wegen. Verglichen mit dem, was jetzt noch dazukommt, dürften diese Stapel aber eher wie Spielzeug aussehen.

Durch die bei der Durchforstung einzeln entnommenen Stämme sei zunächst einmal eine gewisse Destabilisierung der Bestände einhergegangen, fatal, wenn kurz darauf der Sturm kommt, sagt Jörg Erwe. Erschwerend sei noch hinzugekommen, dass die Böden nur oberflächlich gefroren und dadurch mit den Harvestern und Rückezügen nur schwer befahrbar sind. Die Unternehmer seien jedoch bemüht, mit dem Astwerk der Fichten auf den Rückegassen einen Teppich anzulegen, auf dem sich die Maschinen schadlos bewegen können.

Ein Blick in die Fläche zeigt, dass die der hohen Erlöse wegen oft als „Brotbaum“ bezeichneten, flachwurzelnden Fichten nahezu komplett gefallen sind: Stehengeblieben sind nur die Douglasien. Sie wurzeln tiefer und sind daher standfester als Fichten, die auf dem an dieser Stelle feuchten Boden nur wenig Halt finden, erläutert Zimmermann. Etwas Gutes habe es aber, wenn die Fichten mitsamt Wurzelteller umkippen, „das Holz lässt sich besser verwerten als gesplittertes“. Zimmermann ist mit dem Absatz des Sturmholzes recht zufrieden. Hessen Forst sei es gelungen, die außerplanmäßig angefallenen Mengen zu guten Preisen zu verkaufen. Der Holzmarkt sei derzeit noch aufnahmefähig. Insgesamt sind in Hessen 1,5 Millionen Festmeter im Sturm gefallen, weit mehr also, als im Forsteinrichtungswerk als Jahreseinschlag vorgesehen ist. „Das muss dann in den nächsten Jahren wieder ausgeglichen werden“, erläutert Zimmermann.

In einigen Bereichen Nordhessens, wo es die größten Schäden gab, wurden Nasslagerplätze eingerichtet, um ein Austrocknen der Stämme bei längerer Liegezeit zu verhindern. Dort, wo die Lebensadern durch die umgekippten Wurzelteller noch Kontakt zum Erdreich haben, wird durch die „Naturkonservierung“ der gleiche Effekt erzielt. Eine gewisse Eile ist dennoch geboten, denn mit Beginn der wärmeren Jahreszeit droht schon wieder der Borkenkäfer, der sich mit Vorliebe über liegendes Holz hermacht.

Das Forstamt hat noch nicht entschieden, wann mit der Wiederaufforstung begonnen wird. Zimmermann neigt eher dazu, noch ein paar Jahre zu warten: „Erst einmal schauen, was an Naturverjüngung von alleine aufwächst. Manchmal reicht das schon.“ Auch sei es ratsam, wegen des „Großen braunen Rüsselkäfers“ mit seinem dreijährigen Lebenszyklus etwas Zeit ins Land gehen zu lassen. Das Schadinsekt warte nämlich nur auf frisch gepflanzte Bäumchen.

Vergleichsweise glimpflich davongekommen ist das Hessische Forstamt Königstein, dessen stellvertretender Leiter Hubertus Behler-Sander „lediglich“ 6000 Festmeter Sturmholz meldet.

Es seien vornehmlich einzelne Bäume umgefallen, größere Windwurfflächen gebe es nicht. Wie im Nachbarforstamt Weilrod ist hauptsächlich die Fichte betroffen. In den Hochlagen des Taunus stehe die aber recht stabil, da sie mit ihren flachen Wurzeln in dem eher steinigen Boden der Feldberghänge besseren Halt finde als in den flacheren Lagen. Laubholz sei dagegen kaum gefallen, weshalb der Bucheneinschlag nun auch unvermindert weitergehe.

Die Schäden, so Behler-Sander, verteilten sich gleichmäßig auf alle Waldbesitzerarten. Privat- und Kommunalwald seien daher ebenso betroffen wie der Staatswald. Holzwirtschaftlich habe Sturm „Friederike“ bei einer Jahreseinschlagsmenge von 100 000 Festmetern kaum Schaden angerichtet.

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