+
So sah das Cover des Action-Romans aus, dessen Handlung der Autor in den Taunus verlegt hat.

Von allen guten Geistern verlassen

Walter Appel schickt seinen Roman-Helden John Sinclair auf eine gespenstische Mission in den Taunus

Heute Nacht ist Halloween. Und wer glaubt, die Kurstadt sei eine Insel der Seligen, irrt. Gar Garstiges soll sich vor 40 Jahren in der Gegend abgespielt haben. So zumindest berichtet es John Sinclair, der Geisterjäger ihrer Majestät, in einem Groschenroman aus den 1970er-Jahren, der uns in die Hände fiel.

Königstein - "Auf der A 3 in Fahrtrichtung Köln kommt Ihnen zwischen Camberg und Idstein ein Fahrzeug entgegen." Dass am Steuer ein Dämon sitzt, der den Fahrer eines Opel Commodore ins Verderben reißt, ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt. Es ist der dritte derartige Fall innerhalb von vier Wochen, und was noch beunruhigender ist: Augenzeugen sehen jedes Mal eine große schwarze Gestalt mit einem Totenschädel über der Unfallstelle. Gruselig, nicht wahr? Und Grund genug für die örtlichen Behörden, Geisterjäger John Sinclair von Scotland Yard in den Taunus zu rufen.

Ein BKA-Kommissar gibt ihm vor der Abreise noch einen guten Tipp: "Will Mallmann sagte, wir sollten uns in Königstein im Hotel ,Taunusblick' einquartieren." Der Ort liegt in der Mitte des Bereiches, in dem sich die tödlichen Unfälle ereignet haben.

John Sinclair und ein Werwolf auf der Flucht

Gesagt, getan. Nach 40 Minuten Fahrt vom Flughafen sind sie am Ziel: "Der Klima-Kurort im Taunus war landschaftlich sehr schön gelegen, das Villenviertel der Prominenz konnte sich sehen lassen." Offenbar lockt der Hochtaunus aber auch dämonische Mächte an, ahnt der Protagonist aber bereits. Und das soll sich kurze Zeit später beim Schlendern "am Burgberg vorbei zum spärlich erleuchteten Park" bestätigen.

Das Ermittler-Team beobachtet dort "zwei hübsche Mädchen", als plötzlich eine groteske Figur aus den Büschen springt. Ein Werwolf! Die beiden wären für ihn leichtes Futter gewesen, doch bekommen sie Hilfe von ihrem Schutzengel aus England. Dieses Mal zieht der böse Wolf den Kürzeren und tritt die Flucht an.

Gut, dass der Stadtrat gerade in der Nähe ist: "Unglaublich! Ein maskierter Unhold treibt in Königstein sein Unwesen. Das wird die Presse interessieren." Fürwahr. Ob es in letzter Zeit noch andere unheimliche Vorfälle gegeben habe, fragt Sinclair nach. "Nein, wir sind hier ein ruhiges Städtchen. Unsere Polizei ist tüchtig. Die Fremden, die hierherkommen, suchen Erholung und Ruhe." Später bestätigt das auch ein Polizeibeamter gegenüber den beiden bemitleidenswerten Damen: "Gewinnen Sie keinen falschen Eindruck von Königstein. Was Ihnen heute Abend passiert ist, war eine krasse Ausnahme."

John Sinclair: Auf Burg Felseneck wird es immer doller

Unterdessen machen sich der Geisterjäger und sein Kompagnon auf den Weg zur Burg Felseneck, wo es ebenfalls gespukt haben soll: "Im Taunus gab es etliche Burgen und Burgruinen. Die Burgruine Falkenstein zum Beispiel lag Burg Felseneck gegenüber auf dem Altkönig, gut fünf Kilometer Luftlinie entfernt." Der Weitgereiste weiß jedoch auch zu berichten: "Mit den Alpen allerdings konnte man den Großen und den Kleinen Feldberg sowie den Altkönig keineswegs vergleichen."

Nicht nur den beiden Mädchen, auch dem Handwerker Walter Holzapfel rettet die Kurstadt das Leben. Ein Bad Homburger Hoch- und Tiefbauunternehmen sowie eine Malerfirma waren auf Burg Felseneck tätig. Nach Feierabend kehrten sie "in Königstein im ,Goldenen Ochsen' ein". Holzapfel versackt dort, der Verputzerpolier bricht ohne ihn auf. Als er durch Oberursel fährt, setzt sich plötzlich wieder der Dämon vor ihn, zieht ihn in seinen Bann und bringt ihn dazu, als Geisterfahrer auf die Autobahn Frankfurt-Kassel zu fahren - mit ungutem Ausgang.

Auch auf Burg Felseneck wird es immer doller. Die Grenzen zwischen Freund und Feind verschwimmen zusehends. Etwa bei einem Mann vom Amt: "Die blassblauen Augen hinter seiner randlosen Brille blickten starr und wirkten wie tot. Der Mann erinnerte mich an einen Zombie." Immerhin: Der Staatsdiener kommt ohne bleibende Schäden aus der Nummer raus.

Über den Rest des Satansreigens - "die Hölle hatte ihre schlimmste Brut ausgespien" - soll hier der Mantel des Schweigens gedeckt werden. Grund zur Sorge besteht heute jedenfalls keiner mehr, wie schlussendlich zu erfahren ist: "Der Geisterfahrer-Spuk im Taunus war beendet. Von den Monstern fehlte jede Spur. Der Schwarze Tod hatte sie zu sich geholt." Die Geschichte nimmt ein glückliches Ende - mit einer Verlobungsfeier zweier Protagonisten in einem Königsteiner Hotel.

Lesen Sie auch: Großverdiener im Hochtaunus – besonders beliebt ist eine hessische Stadt

Nachgefragt beim Autor von John Sinclair: Königsstein bot sich an

Autor des "Geisterfahrers" ist Walter Appel. 1973 begann er seine Schriftsteller-Laufbahn beim Bastei-Verlag. Seitdem ist er als freier Autor tätig und hat bis dato unter verschiedenen Pseudonymen mehr als 1000 Heftromane geschrieben - von Action-Krimis über Horror- und Western- bis hin zu Frauen- und Liebesromanen. Fünfmal ersann er Geschichten für die John-Sinclair-Reihe, die mittlerweile bei Band 2155 angekommen ist. "Der Geisterfahrer" kurvt in Nummer 60 durch den Taunus. Weshalb? Wir fragten beim Autor nach.

Walter Appel

Warum haben Sie die Handlung in und um Königstein angesiedelt?

Das weiß ich nach 40 Jahren nicht mehr. Ich wollte den Roman im Taunus spielen lassen. Königstein bot sich an. Vor 40 Jahren, 1979, war ich 31. Von 1985 bis 1991 habe ich in Hofheim im Taunus gewohnt. Da lebte und verkehrte ich in der Gegend. Vor 1981 hatte ich keinen besonderen Bezug dazu, der Taunus war und ist aber von meinem Heimatort nicht sehr weit entfernt. Der Roman handelt in Deutschland - also nahm ich den Taunus und Königstein.

Wie geht man als Autor sogenannter Groschenromane mit Kritik um? Stört es Sie, dass diese Literatur einen schlechten Ruf hat?

Das gute alte Schlagwort von den Groschenromanen ist spätestens seit dem Euro nicht mehr aktuell. Auch sind die Zeiten, in denen Heft- und Trivialromane nur ein paar Groschen kosteten, schon lange vorbei. Der Heftroman hat seinen Namen daher, dass die Hefte in der Mitte mit Klammern versehen, geheftet sind. Literaturmeinende, Kritiker will ich sie nicht nennen, machten es sich einfach: Heft - geheftet - kein dicker Wälzer, Schund und trivial. Buch - dick, nicht geheftet, gebunden, geleimt, hochwertig. Ganz egal, wie langweilig die Schwarte war. Dieses Vorurteil existiert bis heute in manchen Köpfen. Der gute oder schlechte Ruf der Literaturgattung, in der ich tätig bin, stört mich nicht. Es kann nicht jeder ein Goethe oder Schiller sein. Wenn ich mir jede negative Kritik furchtbar zu Herzen nehmen wollte, hätte ich mich längst erschossen. So viel wie früher schreibe ich nicht mehr, ich bin jedoch aktiv und am Ball. Warum sollte ich aufhören, so lange mein Kopf funktioniert und ich Aufträge habe?

Hand aufs Herz, Sie haben Insiderwissen: Spukt es auch heute noch in Königstein?

Das weiß ich, ehrlich gesagt, nicht. In den sechs Jahren, die ich im Vordertaunus wohnte und auch nach Königstein kam, ist mir kein Gespenst begegnet.

David Schahinian

Lesen Sie auch: Abriss oder Neubau? Ärger um das alte Eckhaus reißt nicht ab*

*fnp.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare