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Wandel in der evangelischen Kirche

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Auf den neuen Dekanatssynodalvorstand kommt in den kommenden fünf Jahren viel Arbeit zu. Dekan Michael Tönges-Braungart (Mitte) hat dessen Mitglieder bei der Synode in Usingen in ihre Ämter eingeführt. © Red

Hochtaunuskreis. Im Jahr 2019 hatte das Evangelische Dekanat Hochtaunus noch 53 166 Mitglieder, derzeit sind es 48 312. Und die Zahl sinkt weiter - bei der Landeskirche im Schnitt um zwei Prozent jährlich, im Hochtaunus um fast vier Prozent, sodass 2030 nur noch mit 40 200 Protestantinnen und Protestanten gerechnet wird. Die Gründe sind vielfältig:

demografischer Wandel, Säkularisierung, verbunden mit sinkenden Beiträgen, und Pfarrermangel.

Nachdem die Pfarrstellen im Dekanat in den vergangenen Jahren mehrfach nach unten korrigiert wurden, steht jetzt mit dem Prozess »EKHN 2030« ein Wandel an, wie ihn die Protestanten noch nie erlebt haben. »Wir müssen die Struktur auf die geringeren Mittel ausrichten, aber wir dürfen den Prozess nicht nur als Bedrohung sehen. Er bietet uns auch eine Chance«, blickte Susanne Kuzinski, die Präses der Synode, bei deren Tagung am vergangenen Freitag in Usingen nach vorn. Sie mahnte aber auch: »Wir dürfen unsere Hauptaufgabe, die Verkündigung des Evangeliums, nicht vergessen.« Es könnten neue Kommunikationswege und bessere Vernetzung entstehen.

Nicht mit dem dicken Stift

Die stellvertretende Dekanin Claudia Biester machte den 60 Synodalen deutlich, dass dies kein Anfang bei Null sei. Es gebe gute Beispiele für Zusammenarbeit, etwa bei Konfirmanden oder anlässlich besonderer Gottesdienste. Die Präses erläuterte, dass der Prozess die 31 Gemeinden im Dekanat in sechs Regionen zusammenzufassen soll. Sie versprach aber auch: »Der Dekanatssynodalvorstand (DSV) werde nicht einfach mit einem dicken Stift neue Linien durch das Dekanat ziehen.« Sie setze auf transparente Zusammenarbeit, wobei den Synodalen eine wichtige Rolle als Multiplikatoren zufalle. Der DSV arbeite ebenfalls eng mit den Kirchenvorständen zusammen, jede Gemeinde habe ihren konkreten Ansprechpartner.

Jede Nachbarschaft werde ein »Verkündigungsteam« mit mindestens drei Hauptamtlichen haben, erläuterte Dekan Michael Tönges-Braungart. Das seien Pfarrer (einer für 1600 bis 1800 Gemeindemitglieder), Gemeindepädagogen oder Kirchenmusiker. Dabei fließe außer den Mitgliedern auch der Faktor Fläche ein. Geplante Regionen seien Bad Homburg, Friedrichsdorf und Oberursel mit Steinbach als Städte sowie Weilrod mit Grävenwiesbach, Neu-Anspach mit Arnoldshain und Usingen mit Wehrheim. Sie könnten eine Fusion mit einem einzigen Kirchenvorstand eingehen oder zu Gesamt-Kirchengemeinden mit Haupt- und kleineren Ortsteilkirchenvorständen werden. »Es ist ein Unterschied, ob 100 Mitglieder in drei Hochhäusern oder in zehn Dörfern wohnen«, sagte der Dekan.

Bis Ende 2026 müssten auch Nutzung bzw. Auslastung und Zustand der Gebäude in den Nachbarschaften auf den Prüfstand. Die einen blieben auf Dauer erhalten, andere hätten bis auf Weiteres Bestand, während die Landeskirche vom 1. Januar 2027 an für die dritte Kategorie, also wenig genutzte oder marode Gebäude, gar nicht mehr zahle. Es bleibe den Gemeinden vorbehalten, diese selbst zu finanzieren.

Neuer Arbeitskreis für Innovation

Im Verlauf der fast sechsstündigen Sitzung gab es zudem einen Wahlmarathon, in dem weit mehr als 60 - meist ehrenamtliche - Posten in Diakonie, in Verantwortung für Schule, Kirche, Kitas, Jugendliche, Frauen, Kirchenmusik, Geflüchtete und vieles mehr zu besetzen waren. Im Gottesdienst zuvor hatte sich Dekan Tönges-Braungart beim seitherigen Vorstand für dessen Einsatz bedankt und hieß den neuen DSV willkommen.

Nach dem Ausscheiden von Christoph Jung auf eigenen Wunsch wählte die Versammlung Peter Fischer aus Grävenwiesbach in das Leitungsgremium. Zudem ernannten sie Dr. André Jacob von der Kirchengemeinde Ober-Eschbach/Ober-Erlenbach zum Stellvertreter der Präses. Für den neu gegründeten Arbeitskreis Innovation fanden sich auf Anhieb jede Menge Interessierte. Sie sollen die neuen Strukturen erarbeiten und werden sich auch Beispiele anderer Landeskirchen anschauen, um die Zukunft zu gestalten.

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