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Nachteulen unter sich: Anke Ludwig und Harald Konopatzki begutachten beim Aufstieg zum Aussichtsplateau des Feldbergturms das im vergangenen Jahr aufgesprühte Kunstwerk.

Herberge

Wanderheim im Feldbergturm steht jedem offen – Rustikales Ambiente mit toller Fernsicht

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Es ist ein Abenteuer, eine Art Zeitreise: eine Nacht im Wanderheim des Taunusklubs im Feldbergturm. Das Unterfangen hat seinen ganz besonderen Charme

Schon bei der Ankunft vor dem Wanderheim im Feldbergturm pfeift der Wind so stark, dass sich selbst der Hund nur mit Schräglage auf den Beinen halten kann. Aber Angela Birner und Ernst Scholsching haben das richtige Mittel gegen die kalte Nase: Eine Tasse heißen Kaffee. Die beiden sind Pächter im derzeit einzigen kulinarischen Versorgungspunkt auf dem höchsten Taunusgipfel. Der kleine Kiosk hält alles bereit – Snacks, kalte und warme Getränke, Suppen und die obligatorische Wurst.

Mit Gerhard Uhl, Chef des Frankfurter Taunusklubs, entstand die Idee, das Wanderheim für eine Nacht zu testen. Und da es selbst mit Hund sehr einsam im Turm gewesen wäre, packten gleich mehrere Kollegen den Schlafsack ein.

Durch die schwere Eisentür neben dem Kiosk geht’s in die erste Etage, erneut durch eine Tür, die auch bösen Buben widersteht. Ein großer, bis auf halbe Höhe mit Holz getäfelter Raum empfängt die Gäste. Von dort geht’s über drei Stufen in die großzügige Küche mit uriger Ausstattung – manches Geschirr hätte bei „Bares für Rares“ Chancen.

Platz für 30 Besucher bieten die Tische. Zwei der Schlafsäle befinden sich in der ersten Etage, auch die Toiletten finden sich dort. Alle vier Schlafräume sind mit Etagenbetten für zwei und sechs Personen ausgestattet, insgesamt 20 Schlafstätten können genutzt werden. Die Duschen, weitere Aufenthaltsräume und Toiletten sowie eine zweite Küche sind im zweiten Stock des Turms untergebracht.

Treppen-Kunst

Was als erstes ins Auge sticht, ist der im vergangenen Jahr neu gestaltete Treppenaufgang zur Aussichts-Etage. Denn über die Jahrzehnte hatten sich zahlreiche Besucher entlang der 200 Stufen zur Turmspitze wenig künstlerisch verewigt. Mit einer großen Spendenaktion konnte der Taunusklub dann genug Geld sammeln, um dort ein Kunstwerk gestalten zu lassen. Steffen Schneider-Günter sprühte das große Kunstwerk an die Wand, gemeinsam mit Felix Kunze. Die Gestaltung der Flächen ist nicht dem Zufall überlassen, sondern folgt einem genauen Konzept, das Schneider-Günter vorlegte. Und das dürfte den Besuchern des Taunuswanderheims nebst Turm nicht den bislang eher öden Aufstieg faszinierender gestalten.

Philosophie des Aufstiegs

„Wenn man sich auf den Weg zum Feldberg macht, dann ist das Tal noch sehr grün und bewaldet“, schildert Schneider-Günter, der in Kelsterbach wohnt, die Überlegungen. Je höher die Besucher kommen, desto lichter werde der Wald, das Areal felsiger und der Himmel sei deutlicher zu sehen. „Also lassen wir den Besucher den Feldberg über die Stufen noch einmal erklimmen, indem es unten im Tal noch recht grün, dann zunehmend lichter und felsiger wird, bis er schließlich im Himmel ankommt“, erzählt Schneider-Günter. Hochzufrieden ist Gerhard Uhl mit dem Ergebnis, was die beiden Künstler gefertigt haben.

Wer sich im Wanderheim einmietet, muss sich selbst versorgen, zwei Küchen sollten schließlich ausreichen. Oder man meldet sich rechtzeitig im Kiosk – dann kann auch ein kleines Catering geliefert werden. Da Angela Birner und Ernst Scholsching auch im Turm wohnen, ist es ein kurzer Weg, wenn Hilfe benötigt wird. Wer sich dafür entscheidet, sich selbst zu versorgen, sollte aber an alles denken – nach Schmitten in den nächsten Supermarkt sind’s acht Kilometer, und der hat bis 21.30 Uhr auf. Dumm, wenn dann um 22 Uhr das Bier ausgeht.

Zum Übernachten ist ein Schlafsack nötig, Bettlaken liegen bereit. Die Matratzen sind bequem und nicht ausgelegen, aber Etagenbetten setzen gymnastische Grundfertigkeiten voraus, um ins obere Bett zu gelangen.

Die Toiletten sind in den 60ern stehen geblieben – aber sauber. Auch dafür sorgt das Kiosk-Paar. Zwei Duschen reichen, Waschbecken sind in allen Zimmern vorhanden. Wer ein drei-Sterne-Hotel erwartet, muss das auch buchen – auf dem Feldberg im Wanderheim gibt’s das eben nicht. Die Heizung funktioniert gut.

Mit was der Turm natürlich punktet, ist die Aussicht. Bei Nacht liegt einem Frankfurt zu Füßen. Wenn man nicht das Pech hat, in eine Nebelwand zu blicken. Aber einen Sturm im Turm zu erleben – das hat auch was. Je höher man zur Aussichts-Etage voran kommt, desto mehr pfeift und heult es in den Ohren. Gut, dass die Mauern 60 Zentimeter dick sind.

Buchung über Homepage

Mieten kann das Wanderheim übrigens jeder. „Im Schnitt sind es zwei Übernachtungen, aber wir hatten auch schon Gruppen, die über eine Woche geblieben sind“, sagte Uhl. Von Firmen- und Geburtstagsfeiern bis zu Wandergruppen oder Motorradfahrern – jeder ist willkommen. Mitglieder zahlen für die Übernachtung 15, andere Personen 20 Euro. Gebucht werden kann online über die Homepage www.taunusklub-stammklub.de.

Alleine mieten geht zwar auch, ist aber nicht unbedingt zu empfehlen – denn auf dem Feldberggipfel ist’s ab 18 Uhr sehr (sehr) einsam – vor allem bei schlechtem Wetter. Und Internet? Fehlanzeige. Was wundert, denn die Telekom ist schließlich nebenan. Uhl will sich um das fehlende WLAN kümmern, Aber andererseits passt das zum Wanderheim. Der Mobilfunk-Empfang ist sehr gut.

Der gesamte Turm gehört dem Hessischen Rundfunk, der in Anfangszeiten dort eine Sendeanlage betrieb. Erster und zweiter Stock sind an die Tauniden verpachtet, die wiederum die Kiosk-Pächter einsetzen. Ein Glücksgriff, wie Uhl sagt. Denn die beiden sorgen im Wanderheim für Ordnung und kümmern sich um Sauberkeit rund um den Turm. Außerdem hat der Taunusklub das Nutzungsrecht für die Aussichtsplattform.

Das TZ-Team hat gut geschlafen, zu kurz, klar. Der tiefe Schlaf lag nicht nur am Rotwein, sondern auch an den dicken Wänden, die für Ruhe sorgen. Und mit den Kaffeemaschinen in der Küche kann ausreichend Muntermacher aufgebrüht werden.

Tipps für Ausflügler

Im Kiosk gibt’s nicht nur die Verpflegung, sondern auch viele Infos und Tipps für Wanderer. Parken erlauben die Pächter auf einem mit Schranke gesicherten Areal. Mieter sollten das Objekt so verlassen, wie sie es angetroffen haben: Müllfrei und sauber. Putz-Utensilien sind vorhanden.

Fazit: Jederzeit wieder. Ein bisschen Retro-Abenteuer mit netten Kioskbetreibern und manchem Gespräch auf der Gasse mit den Feldbergbesuchern. Wir haben’s genossen. Und können eine „Gruppen-Gaudi“ dort oben nur empfehlen.

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