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Warum Försterin für viele Mädchen ein Traumberuf ist

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Die Mädchen dürfen auch in einen Vollernter (Harvester) einsteigen und auf dem Führersitz Platz nehmen. © Sabine Neugebauer

Frauen sind in Forstberufen immer noch unterrepräsentiert - auch wenn es in den vergangenen Jahren besser geworden ist. Beim »Girls’ Day« des Forstamtes Weilrod war der Andrang in jedem Fall enorm.

Weilrod. Zwar sind bereits drei von acht Revierleitern im Bereich des Forstamtes Weilrod Frauen, doch insgesamt sind Frauen in Forstberufen immer noch unterrepräsentiert. Darum lud das Forstamt Weilrod zum »Girls’ Day« am Donnerstag insgesamt 18 von 300 interessierten Mädchen dazu ein, in die unterschiedlichen Forstberufe hereinzuschnuppern.

Am Sitz des Forstamtes in Neuweilnau trafen sich sieben Mädchen mit Revierleiter Michael Knebel, der von den Forstwirtschaftsmeistern Lars Möller und Max Giesler sowie dem Auszubildenden Emil Reiter unterstützt wurde. Die Mädchen von der fünften bis zur achten Klasse kamen aus Wüstems, aber auch aus Idstein, Bad Homburg oder Bad Nauheim, um sich über den Beruf des Försters oder des Forstwirtes zu informieren. »Ich mag den Wald, ich kenne den Wald,« sagte Josephine (11) und darum finde sie den Beruf des Förster interessant.

Informationen über die verschiedenen Berufe und Ausbildungsgänge im Forst

Knebel berichtete zunächst Allgemeines über die Forstberufe. Das dreijährige Studium der Forstwirtschaft könne man mit der Fachhochschulreife angehen, für die Ausbildung zum Forstwirt benötige man den Hauptschulabschluss. Reiter erläuterte die Aufgaben eines Forstwirtes. An erster Stelle stehe das Fällen und Aufbereiten von Bäumen. Aber das Pflanzen und Schützen des Jungwuchses, die Jungbestandspflege sowie die Pflege und der Schutz von Zukunftsbäumen gehörten auch dazu.

Daneben sei es auch Aufgabe eines Forstwirtes Erholungseinrichtungen wie Bänke oder Schutzhütten und auch jagdliche Einrichtungen wie Hochsitze zu bauen. Giesler ergänzte, dass es nach der Ausbildung auch die Möglichkeit gebe seinen Meister in diesem Beruf zu machen. Ein Forstwirtschaftsmeister sei wiederum für die Ausbildung der jungen Forstwirte verantwortlich, aber neuerdings gehöre auch immer mehr die Unterstützung des Revierleiters dazu. »Man ist viel allein unterwegs«, betonte Giesler, denn es gelte beispielsweise Schadholz zu suchen und auszuzeichnen, Kulturflächen zu planen oder auch die Unternehmer zu betreuen, die Holzarbeiten ausführen.

Einmal im Führerhaus eines Harvesters sitzen

Und solch einen besuchte die Gruppe. Josef Huber war in der Nähe von Mauloff mit seinem Vollernter, auch Harvester genannt, in einem Fichtenforst im Einsatz. Die Mädchen beobachteten, wie die große Maschine einen Baumstamm nach dem anderen ergriff, absägte, umlegte, entastete und in die geforderte Längen schnitt. Nur wenige Sekunden benötigte Huber mit seiner Maschine für eine Fichte. Hier hatten nämlich die Borkenkäfer einen Bestand befallen. Und um zu verhindern, dass Buchdrucker oder Kupferstecher auf weitere der hier noch gesunden Nadelbäume übergreifen, wurden die vorab vom Revierleiter markierten Fichten gefällt. Die Mädchen durften auch alle einmal in das Führerhaus der mächtigen Maschine klettern.

»Wir nutzen normalerweise nicht mehr Holz, als nachwächst«, erläuterte Knebel das Prinzip der Nachhaltigkeit, nur seien in den vergangenen Jahren aufgrund der Trockenheit, des Borkenkäferbefalls und auch der Windwürfe viele Flächen abgeräumt worden. Dies konnten die Mädchen bei einem Blick in die Landschaft feststellen, denn wo lange Zeit dichter Wald stand, öffnete sich jetzt die Fernsicht über den Taunus. »Hier seht ihr das Bohrmehl«, wies Knebel auf kleine Häufchen braunen Staubs hin, der auf der Rinde rund um kleine Löcher zu finden war. »Der Kupferstecher legt sternförmige Gänge an, während der Buchdrucker in einem langen, geraden Gang seine Eier ablegt, von dem aus die Larven sich rechtwinklig nach rechts und links fressen. Das sieht dann aus wie ein aufgeschlagenes Buch«, erklärte der Förster.

Wie kann man das Alter eines Baumes bestimmen?

Bei mehreren dicken, am Wegrand liegenden Eichenstämmen kam unterschiedliches Werkzeug zum Einsatz: ein Maßband, eine Kluppe, das ist eine Art großer Messschieber, Kreide und das Tablet. Denn hier galt es, das Volumen der Stämme für den Verkauf aufzunehmen. Und dafür sind Grundkenntnisse der Mathematik erforderlich, auch wenn die Computertechnik schon das meiste übernimmt. Aber Länge und Durchmesser des Stammes müssen hier noch von Hand ermittelt werden, während bei der Arbeit mit dem Harvester dieser schon gleich auch das Vermessen der Stämme übernimmt.

An den Eichenstämmen erklärte Knebel den Mädchen auch, wie das Alter eines Baumes bestimmt werden kann: »Der Baum bildet im Laufe eines Jahres helleres Frühholz und dunkleres Spätholz«. Zusammen ergebe dies einen Jahresring. Die Altersdaten aus den einzelnen Beständen seien in den Forstunterlagen erfasst. An den weiteren Stationen des Mädchen-Tages im Forstamt gab es Informationen zu weiteren Aufgaben von Förstern und Forstwirten, wie Wegebau, Aufforstung, Jagd und Naturschutz.

Sabine Neugebauer

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