Der Leiter des Forstamtes Königstein, Sebastian Gräf (links), Umweltstaatssekretär Oliver Conz (Mitte) und der Landesbetriebsleiter von Hessen Forst, Michael Gerst, informierten zum Stand des Waldes.
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Der Leiter des Forstamtes Königstein, Sebastian Gräf (links), Umweltstaatssekretär Oliver Conz (Mitte) und der Landesbetriebsleiter von Hessen Forst, Michael Gerst, informierten zum Stand des Waldes.

Herzberg als Beispiel

Was wird aus dem Wald im Taunus?

  • Alexander Seipp
    VonAlexander Seipp
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Der Wald im Taunus kämpft mit Trockenheit und Borkenkäfern. Nun informierte der Forstamtsleiter am Beispiel des Herzbergs, wie die Zukunft aussehen könnte.

Dem Forst geht es nicht gut. Dies wird jedem klar, der auch nur einen Fuß in den Taunus setzt. Große Lücken klaffen im Wald. Riesige Freiflächen, auf denen kein einziger Baum mehr steht. Lediglich Baumstümpfe zeugen davon, dass auf dieser Lichtung einst ein stattlicher Wald stand.

"Vor drei Jahren befanden sich hier noch überall Fichten", sagt Sebastian Gräf, Forstamtsleiter in Königstein. Die drei Trockenjahre haben dem Wald so zugesetzt, dass kein einziger der Nadelbäume auf dem Herzberg überlebt hat. Und selbst das relativ nasse Jahr 2021 habe dem Wald kaum Kraft zum Regenerieren gegeben.

Dieses Bild sei ein gutes Beispiel dafür, wie schlecht es dem hessischen Wald insgesamt gehe, sagte der hessische Umweltstaatssekretär Oliver Conz bei der Vorstellung des Nachhaltigkeitsberichts des Landesbetriebes Hessen Forst auf dem Herzberg. "Wir stehen hier mitten im Wald, aber nach Wald sieht es hier überhaupt nicht aus." Er stellte klar: Es gebe kaum Erfolge zu vermelden. "Es ist ein Katastrophenbericht." Und dies trotz 6,4 Millionen neuen Bäumen, die allein 2019 und 2020 gepflanzt wurden.

Klimawandel, Trockenheit, der Borkenkäfer und viele andere Faktoren machten dem Wald zu schaffen, so Hessen-Forst-Landesbetriebsleiter Michael Gerst. "Der Wald leidet mehr als jemals zuvor." Egal wohin man blicke, sehe man tote Bäume und jene Baumarten, die es perspektivisch noch schwerer haben werden als bisher. Man rechnet damit, dass ab 2040 nur ein Bruchteil der heutigen Waldflächen genug Wasser haben wird.

Ein gutes Beispiel dafür sei der Herzberg. Noch vor zehn Jahren habe das Gebiet genug Wasser gehabt, nun ist es auf der Karte leuchtend rot eingezeichnet. Dies bedeutet: Es ist kaum mehr Wasser vorhanden, wodurch Bäume, die viel Wasser benötigen, dort kaum mehr überleben können. Sie werden schneller krank und sind anfälliger gegenüber Schädlingen wie dem Borkenkäfer.

Der Herzberg sei jedoch auch ein gutes Beispiel dafür, wie man richtig Herausforderungen umgehen könne, sagt Gerst und verweist auf die wichtige Arbeit, die Gräf, die Förster und Forstwirte des Forstamtes Königsstein dort leisteten. "Es ist es wichtig, nicht in Panik zu geraten", sagt Gräf und zeigt auf den Boden. Bei genauem Hinschauen wachsen zwischen den trockenen Ästen und Baumstämmen kleine Pflänzchen. Hier eine kleine Lärche, dort eine kleine Buche. Dennoch: Sie werden es sehr schwer haben. Es ist jedoch etwas grüne Hoffnung in der Einöde.

Denn teilweise hole sich der Wald die Flächen selbst zurück, sagt Gräf. Teilweise müsse man jedoch auch nachhelfen, etwa indem an die neuen klimatischen Voraussetzungen besser angepasste Bäume dort angesiedelt werden. "Der Aufwand muss dafür gar nicht groß sein", sagt Gräf. Teilweise reiche es etwa, Eicheln und anderes Saatgut auf speziellen Plattformen abzulegen und es von Tieren, wie etwa dem Eichhörnchen oder dem Eichelhäher, verteilen zu lassen.

Das Ziel sei es immer, einen gesunden Mischwald zu bekommen, denn dieser sei besser vorbereitet für die klimatischen Herausforderungen der Zukunft, da sich die Bäume gegenseitig unterstützen. "Vier bis fünf Arten in jedem Bestand sollten es mindestens sein, je nach Standortfaktoren eignen sich jeweils andere Baumarten", so Gräf. Dazu zählen etwa Lärchen, Kiefern, Buchen, Eichen, Birken und Ebereschen. Aber auch nicht einheimische Arten, wie die Douglasie, könnten zu einem gesunden Baum-Mix gehören. Dafür muss der Mensch aber häufig auch nachhelfen und die Bäume per Hand dort einpflanzen.

Wie das Ganze mal aussehen kann, ist ein paar Meter weiter zu beobachten. Dort habe es schon vor zehn Jahren einen Kahlschlag gegeben. Nun wachsen dort etwa ein Meter hohe Bäume. Und doch: Es wird Jahrzehnte dauern, bis sich der Wald an die Klimaveränderung angepasst hat. Gerst ist daher überzeugt: "Auf uns kommt eine lange Durststrecke zu."

VON Alexander Seipp

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