1. Startseite
  2. Region
  3. Hochtaunus

Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

bdb_2_2306_150728621_4c
Nein, wir brauchen keine Verbote. Wir sind doch alle aufgeklärte, mündige, verantwortungs- und ebenso umweltbewusste Bürger. Deswegen lästern wir auch über den Nachbarn, wenn der in diesen heißen Tagen oder besser gesagt heimlich in der Nacht seinen Pool befüllt. Selber aber mutieren wir ganz schnell zu Rasen- und damit Systemsprengern, wenn die sündhaft teure Rollware frisch verlegt wurde und auszudörren droht. Ja wie, die Bahnen soll ich nicht wässern? Wissen Sie, was das alles gekostet hat? Und das Apfelsinenbäumchen von Onkel Ludwig, Gott hab ihn selig, soll ich einfach so in der Sonne verrecken lassen? Ja, Verzicht ist nicht leicht. Das weiß auch der gute Mensch, der sich gerade von einem aus der Ukraine geflüchteten Gärtner den Garten machen lässt. Und verzichtet auf den Verzicht. Er zahlt ja schließlich, den Gärtner ebenso wie einen Kubikmeter Wasser nach dem anderen. * Vielleicht hat der Weilroder Bürgermeister Götz Esser in seiner jüngsten Stellungnahme zum drohenden Trinkwassernotstand gerade deswegen darauf hingewiesen, dass das kostbare Lebensmittel Wasser schlicht und ergreifend immer noch viel zu billig ist. Vor allem vor dem Hintergrund seiner aufwendigen und teuren Aufbereitung. Oh weh! Nach Benzin, Diesel, Flugreisen, Margarine und Olivenöl der nächste Inflationstreiber? Da wird es nicht lange dauern, bis nach Corona-Hilfe, Mineralölsteuersenkung und Pendlerzuschuss der Ruf nach einer staatlichen Trinkwasserhilfe laut wird. * Müsste nicht sein, weiß Esser: Es sei ein Einfaches, Brauchwasser zu sammeln und zum Blumengießen zu nutzen. Oder weniger lang zu duschen. Wie gesagt: weniger lang. Auch Esser weiß, dass man sich den Pelz nicht wirklich waschen kann, ohne sich nass zu machen; dieses Kunststück bringen eben nur jene Zeitgenossen hin, die alle Vorteile des modernen Lebens für sich beanspruchen, ohne selber etwas dafür zu geben. Nein, kein Geld, sondern vielleicht ein bisschen Solidarität. Und sein Wehrheimer Amtskollege Gregor Sommer, schon qua nomen Fachmann für die warme Jahreszeit, mahnt den Hobbygärtner zu mehr Gelassenheit: "Der Rasen kann und darf braun werden. Er wird auch wieder grün... * Was dem Umweltfreund recht ist, muss dem Bauherrn noch lange nicht billig sein: Beim Bau des neuen Kindergartens unter Regie der "accadis international school" in Oberreifenberg ist die Nutzung sogenannten Grauwassers (Brauch- und Regenwasser, das zum Bewässern und für die Toilettenspülung genutzt werden könnte) nicht vorgesehen. Warum geht das nicht in der Klimakommune? Einfache Antwort: Dem (privaten) Träger wäre der Bau eines zweiten Wasserleitungsnetzes einfach zu teuer. * Doch eine kosten- und ressourcenschonende Überlebensstrategie ist zumindest für mein florales Erbe gefunden: Ich sammele das aus der Gasheizung tröpfelnde Wasser im Eimer und tränke das Orangenbäumchen damit. Physiker können erklären, warum eine Brennwerttherme Kondenswasser abgibt. Politiker müssten erklären können, warum auch diese Quelle bald versiegen wird. Denn wenn Krieg und Klimakrise weiterhin an einem Strick ziehen, brauchen wir Menschlein am anderen Ende bald nicht mehr heizen. Oder gießen. Der Schottergarten kommt von ganz alleine. Obwohl der nun wirklich verboten gehört. © tz

Nein, wir brauchen keine Verbote. Wir sind doch alle aufgeklärte, mündige, verantwortungs- und ebenso umweltbewusste Bürger. Deswegen lästern wir auch über den Nachbarn, wenn der in diesen heißen Tagen oder besser gesagt heimlich in der Nacht seinen Pool befüllt. Selber aber mutieren wir ganz schnell zu Rasen- und damit Systemsprengern, wenn die sündhaft teure Rollware frisch verlegt wurde und auszudörren droht.

Ja wie, die Bahnen soll ich nicht wässern? Wissen Sie, was das alles gekostet hat? Und das Apfelsinenbäumchen von Onkel Ludwig, Gott hab ihn selig, soll ich einfach so in der Sonne verrecken lassen? Ja, Verzicht ist nicht leicht. Das weiß auch der gute Mensch, der sich gerade von einem aus der Ukraine geflüchteten Gärtner den Garten machen lässt. Und verzichtet auf den Verzicht. Er zahlt ja schließlich, den Gärtner ebenso wie einen Kubikmeter Wasser nach dem anderen.

*

Vielleicht hat der Weilroder Bürgermeister Götz Esser in seiner jüngsten Stellungnahme zum drohenden Trinkwassernotstand gerade deswegen darauf hingewiesen, dass das kostbare Lebensmittel Wasser schlicht und ergreifend immer noch viel zu billig ist. Vor allem vor dem Hintergrund seiner aufwendigen und teuren Aufbereitung. Oh weh! Nach Benzin, Diesel, Flugreisen, Margarine und Olivenöl der nächste Inflationstreiber? Da wird es nicht lange dauern, bis nach Corona-Hilfe, Mineralölsteuersenkung und Pendlerzuschuss der Ruf nach einer staatlichen Trinkwasserhilfe laut wird.

*

Müsste nicht sein, weiß Esser: Es sei ein Einfaches, Brauchwasser zu sammeln und zum Blumengießen zu nutzen. Oder weniger lang zu duschen. Wie gesagt: weniger lang. Auch Esser weiß, dass man sich den Pelz nicht wirklich waschen kann, ohne sich nass zu machen; dieses Kunststück bringen eben nur jene Zeitgenossen hin, die alle Vorteile des modernen Lebens für sich beanspruchen, ohne selber etwas dafür zu geben. Nein, kein Geld, sondern vielleicht ein bisschen Solidarität. Und sein Wehrheimer Amtskollege Gregor Sommer, schon qua nomen Fachmann für die warme Jahreszeit, mahnt den Hobbygärtner zu mehr Gelassenheit: "Der Rasen kann und darf braun werden. Er wird auch wieder grün...

*

Was dem Umweltfreund recht ist, muss dem Bauherrn noch lange nicht billig sein: Beim Bau des neuen Kindergartens unter Regie der "accadis international school" in Oberreifenberg ist die Nutzung sogenannten Grauwassers (Brauch- und Regenwasser, das zum Bewässern und für die Toilettenspülung genutzt werden könnte) nicht vorgesehen. Warum geht das nicht in der Klimakommune? Einfache Antwort: Dem (privaten) Träger wäre der Bau eines zweiten Wasserleitungsnetzes einfach zu teuer.

*

Doch eine kosten- und ressourcenschonende Überlebensstrategie ist zumindest für mein florales Erbe gefunden: Ich sammele das aus der Gasheizung tröpfelnde Wasser im Eimer und tränke das Orangenbäumchen damit. Physiker können erklären, warum eine Brennwerttherme Kondenswasser abgibt. Politiker müssten erklären können, warum auch diese Quelle bald versiegen wird. Denn wenn Krieg und Klimakrise weiterhin an einem Strick ziehen, brauchen wir Menschlein am anderen Ende bald nicht mehr heizen. Oder gießen. Der Schottergarten kommt von ganz alleine. Obwohl der nun wirklich verboten gehört.

Auch interessant

Kommentare