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Der Wasser-Hochbehälter nahe des Hattsteinweihers ist innerhalb des Wasserbeschaffungsverbandes Usingen mit 120 Jahren der älteste seiner Art.

Hattsteinweiher

Die Wege des Wassers sind weit

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Immer wieder müssen in den sechs Kommunen des Usinger Landes in die Jahre gekommene Wasserleitungen neu verlegt werden. Das ist in diesem Sommer in Usingen der Fall. Nach dem Stadtfest beginnen im Sommer die Arbeiten an der Bundesstraße 275.

Wie ein Spinnennetz liegen die Leitungsrohre der Wasserversorgung unter der Erde. Aus den Wasserhähnen in Neu-Anspach, Usingen und Wehrheim perlt tagein und tagaus ausreichend Wasser. Es ist einfach da.

Und weil das so ist, hinterfragt kaum jemand, wo das Wasser eigentlich herkommt, das tagtäglich im Bad, auf der Toilette, in der Küche und natürlich auch im heimischen Garten verfügbar ist. Die Wasserversorgung aller Haushalte in Neu-Anspach, Usingen und Wehrheim wird durch den Wasserbeschaffungsverband (WBV) Usingen garantiert.

Der technische Betriebsleiter des WBV Mark Steinheimer ist darüber hinaus auch für den Wasserbeschaffungsverband Wilhelmsdorf verantwortlich, der zusätzlich Teile von Grävenwiesbach, Schmitten und Weilrod mit Trinkwasser versorgt.

„In Spitzenzeiten im Sommer werden innerhalb des Wasserbeschaffungsverbandes Usingen bis zu 5800 Kubikmeter Wasser pro Tag verbraucht. Das sind rund 1000 Kubikmeter mehr, als im Jahresdurchschnitt“, erläutert der Wassermeister. „Auch dann muss sichergestellt werden, dass ausreichend Wasser in der Leitung verfügbar ist.“

Gewonnen wird das Wasser zum einen in den 19 Brunnen, den beiden Schürfungen und zwei Stollen. Sie bilden die Grundlage für die Wasserversorgung. Im Sommer, wenn der Wasserbedarf am höchsten ist, lässt aber freilich die verfügbare eigene Wassermenge nach. Nur noch rund 3000 Kubikmeter Wasser stammen dann aus der Eigengewinnung.

„Dann muss zusätzlich mehr Wasser über die Fernwasserleitungen von Hessenwasser aus dem Vogelsberg eingespeist werden, um den Spitzenbedarf abzudecken“, sagt Steinheimer. Ganz egal aber, woher das Wasser für die drei Städte und Kommunen nun gespeist wird: in acht Aufbereitungsanlagen wird es aufbereitet, damit die Qualität den gesetzlichen Bestimmungen genügt.

„Die Gesamtmenge durchläuft dann ein Leitungsnetz mit einer Gesamtlänge von 110 Kilometern (km), bis es in den 24 Hochbehältern des WBV Usingen angekommen ist. Allesamt liegen diese an höheren Punkten, als die Verbrauchsstellen, so dass das Trinkwasser von dort aus mit Gefälle bei den Haushalten eintrifft. Zum Beispiel in Usingen.

Dort liegt am Hattsteinweiher auch der älteste Hochbehälter innerhalb des WBV Usingen. Vor 120 Jahren wurde der Hochbehälter mit der schmucken Klinkerfassade gebaut. Nach Angaben von Usingens Bauamtleiter Clemens Konieczny durchziehen alleine die ehemalige Residenzstadt nochmals 93 km Wasserleitungen – von den Hochbehältern bis zu den Hausanschlüssen.

Immer wieder und überall müssen die in die Jahre gekommenen Wasserleitungen neu verlegt werden. In diesem Jahr steht ein Großprojekt an. „In mehreren Bauabschnitten werden wir in diesem und im kommendem Jahr den Abwasserkanal und zugleich auch die Wasserleitungen in der Innenstadt verlegen“, sagt Konieczny.

Nach dem Usinger Stadtfest (30. Juni bis 1. Juli) beginnen im Sommer die Arbeiten an der Bundesstraße 275. Die Verlegung der neuen Wasserleitungen kosten ersten Schätzungen nach 100 000 Euro. Der Bau des neuen Abwasserkanals aber ist die eigentliche und wesentlich teurere Maßnahme.

In Neu-Anspach sind nach Angaben der Stadt innerorts 90 Kilometer Hauptleitung verlegt. „Jedes Jahr investieren wir nach einer Netzanalyse zwischen 50 und 100 000 Euro für die Erneuerung der Wasserleitungen“, sagt Olaf Sehl von der Stadt. „In diesem Jahr wird ein Teil der Leitungen in der Friedrich-Luwig-Jahn-Straße ausgetauscht. Zudem wird die Leitung für die Erschließung eines neues Baugebietes verlängert.“

Das Wehrheimer Wasserleitungsnetz umfasst nach Angaben von Oliver Bratrich, einem der beiden Verantwortlichen im Bauamt, eine Gesamtlänge von 52 km. Alleine vier Bauhofmitarbeiter rücken in Wehrheim aus, um Rohrbrüche zu stopfen und Wasseruhren auszutauschen. „Alle sechs Jahre müssen diese nach Ablauf der Eichprüfung turnusmäßig gewechselt werden“, erklärt der 55-Jährige. „Immer wieder müssen Leitungen gespült werden, damit sich keine Ablagerungen festsetzen und die Hydranten funktionsfähig bleiben.“

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