Torben Emmerich, Betreiber des Restaurants Löwenherz in Wehrheim, hat weiterhin Ärger mit einem Nachbarn. Foto: thomas kopp
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Torben Emmerich, Betreiber des Restaurants Löwenherz in Wehrheim, hat weiterhin Ärger mit einem Nachbarn. 

Unerwarteter Besuch

Ärger mit den Nachbarn: Der Kampf um das Restaurant „Löwenherz“

Der Ärger mit einem Nachbarn reißt für Torben Emmerich, Betreiber des Restaurants Löwenherz in Wehrheim, nicht ab. Jetzt stehen im Jahreskalender fest etablierte Veranstaltungen auf dem Spiel. Und weiterhin der Fortbestand des Unternehmens, wie Emmerich sagt.

Wehrheim/Frankfurt -Überrascht war Löwenherz-Betreiber Torben Emmerich über unerwarteten Besuch am Rosenmontag. Denn dort standen zwei Beschäftigte des Emmissionsschutzes und der Baukontrolle des Kreises vor der Tür seines Restaurants. Grund: ein Zelt auf dem Parkplatz, in dem er am Samstag Faschingsnarren zu einer zünftigen kölschen Party begrüßt hatte.

"Es ist alles sauber gelaufen", sagt Emmerich. Die Veranstaltung war angemeldet, Zeltgröße und Lautstärke innerhalb des vorgebenen Rahmens. Die Party, bei der auch einige Kreispolitiker zugegen gewesen seien, wurde pünktlich beendet. Trotzdem, so vermutet Emmerich, habe ihn jener Nachbar angezeigt, mit dem er schon seit Jahren im Clinch liegt. So hatte diese Zeitung bereits über eine Klage des Nachbarn gegen den Hochtaunuskreis wegen einer nachträglich vergebenen Baugenehmigung für den Löwenherz-Biergarten berichtet.

Restaurant “Löwenherz“ in Wehrheim: Neue Pläne für Erweiterung

Die Beschäftigten des Kreises konnte Emmerich von der Legalität seines Handelns überzeugen. Dennoch ist er zerknirscht: "Ich frage mich, welchen Sinn es hat, genehmigte Veranstaltungen zu attackieren, wenn man sich doch auch informieren könnte, ob sie genehmigt sind oder nicht, um so den Behörden die Arbeit zu ersparen", sagt er. Denn der Nachbar höre nicht auf, ihn zu drangsalieren.

So hat dieser inzwischen auch ein Ordnungswidrigkeitsverfahren im Nachgang zur in Kooperation mit dem Käsehaus Seuss organisierten und beliebten Veranstaltung "Handkäs' und Gebabbel" angestrengt. Dies wird auch von der Pressestelle des Hochtaunuskreises bestätigt. "Somit steht auch eventuell diese Veranstaltung vor dem Aus", befürchtet Emmerich.

Denn weiterhin stecken alle Bemühungen Emmerichs, selbst zu expandieren, aber gleichzeitig der Nachbarschaft weniger Lärm als zum jetzigen Zeitpunkt zuzumuten, in der Sackgasse. Dabei hat Emmerich sein Konzept für die geplante Erweiterung des Biergartens um ein überdachtes Zelt mit hochfahrbaren Fenstern noch einmal komplett erneuert. Damit will er auch dem Kreisbauamt entgegenkommen.

Denn das störte sich bislang vor allem an dem Umfang der Planungen. Denn auch ein Café, neue Sanitäranlagen sowie ein Personalbereich sollen hinzukommen. Im Bebauungsplan für das Gebiet mit letztem Stand vom 3. Februar 1999 sind auf Emmerichs Areal auch noch zwei offene Baufenster eingezeichnet.

Emmerichs Planungen sind auf Lärmschutz ausgelegt, wie er klarstellt. Um seine Nachbarn diesbezüglich zu entlasten, geht er in die Vollen. Er will sein Wohnhaus auf der südlichen Seite des Biergartens um- und daran anbauen. So ist im Bestand ein Café geplant. Im Anbau sollen der Imbiss, Sanitär- und Personalräume sowie ein innenliegender Raucherraum entstehen. Vor allem die beiden letzten Punkte seien Investitionen in den Lärmschutz.

Dass der Gastronom damit nicht gegen die Vorlage des Bebauungsplanes verstößt, hat er durch seinen Architekten Jürgen Höser berechnen lassen. Der Kreis hatte in diesem Zusammenhang auch darauf hingewiesen, dass die derzeit getrennten Flurstücke zusammengelegt werden könnten.

Beim Hochtaunuskreis anhängig ist noch immer das Verfahren gegen die nachträgliche Gestattung des Biergartens. Und hier hat der Nachbar jüngst ein neuerliches Gegengutachten vorgelegt, das Emmerich vorliegt. Wiederholt gehe das Gutachten auf vermeintliche Missstände ein, die eigentlich schon lange entkräftet seien. "Es ist die bewährte Hinhaltetaktik. Die Prüfung des Gutachtens kann Monate dauern", befürchtet Emmerich, der gerne schon in diesem Sommer mit erweitertem Biergarten gewirtschaftet hätte.

Der Kreis sieht hier allerdings keinen Zusammenhang. Das Klageverfahren laufe weiterhin, die geplanten baulichen Erweiterungen seien ja wegen nicht erteilter Genehmigung noch gar nicht juristisch angreifbar, erläutert Andrea Herzig von der Pressestelle des Kreises. Wegen der Erweiterungen befinde sich Emmerich auch weiterhin im Gespräch mit der Bauaufsicht.

Restaurant Löwenherz in Wehrheim: Kreis sieht Gemeinde in der Pflicht

Der Kreis sieht nach wie vor die Gemeinde Wehrheim in der Pflicht, den über 20 Jahre alten Bebauungsplan an die neuen Begebenheiten und die Umgebung anzupassen. Doch die Gemeinde sieht das nicht so. Eine Änderung des Bebauungsplanes sei gar nicht nötig. So sagt Bürgermeister Gregor Sommer (CDU): "Zu der geplanten Erweiterung wurde eine positive Stellungnahme der Gemeinde abgeben. Etwaige Hinderungsgründe sind uns nicht bekannt."

Eine Änderung eines Bebauungsplans ist für die politischen Gremien ein aufwendiger Akt, der sich über lange Zeit hinziehen kann. Und auch von dem Nachbarn angefochten werden könnte.

Und persönlich fügt Sommer an: "Es ist zwingend notwendig, die Wirtshauskultur und heimische Gastronomie in unserer ländlich geprägten Region zu stärken und nicht Menschen, die sich für ihr Wirtshaus engagieren, zu blockieren. Ich freue mich sehr, dass es Menschen wie Torben Emmerich gibt, die die Tradition eines Dorfgasthauses erfolgreich fortführen. Wir sind froh, dass wir eine sehr gute und erfolgreiche dörfliche Gastronomie haben. Und ja, auch ich sitze sehr gerne in einem Biergarten hier in der Kommune."

Wehrheim: „Biergarten Streit“ in der Faschingskampagne 

Der "Biergarten-Streit" war sogar in der gerade beendeten Faschingskampagne Thema in der Bütt der Limes-Krätscher. Emmerich erhält viel Unterstützung von fast allen seinen Nachbarn, die sogar aus eigener Initiative heraus eine Unterschriften-Aktion für das Löwenherz gestartet haben.

Und darüber hinaus. So hat ein seit 2003 in Wehrheim wohnhafter Bürger, der zwar im Kernort wohnt, jedoch deutlich nicht der Nachbarschaft und nach eigener Aussage nicht der Stammkundschaft zuzuordnen ist, ein Schreiben an Sommer geschickt, das der Redaktion vorliegt. Darin stellt er die Frage: "Müssen wir als Wehrheimer Bürger und als Gemeinde tatenlos zusehen und es geschehen lassen, dass das in den vergangenen Jahren geschaffene Kulturgut - durchaus außergewöhnlich für eine Gemeinde wie Wehrheim - durch einzelne Anwohner kaputtgemacht wird?"

Die Sorgen um das Restaurant „Löwenherz“ sind nicht neu. Torben Emmerich macht sich schon länger Sorgen um den Fortbestand der Gastronomie.

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