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Michaela Reehse hat die Wehrheimer Familiennamen, ihre Ursprünge und Zusammenhänge recherchiert. fotos: Gerrit mai

Heimatverbundenheit

Diese Familie lebt seit über 400 Jahren in Wehrheim

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Der Name Velte ist bereits seit 1601 mit dem Ort Wehrheim verbunden - noch heute stark vertreten. 

Wehrheim – Der erste Velte taucht im Jahr 1601 in den Wehrheimer Büchern auf. Zuerst namentlich genannt sind Johann Henrich Velte, geboren 1678, und Johann Peter, geboren 1670, die vermutlich Brüder und Nachkommen des ersten Velte waren, der in Wehrheim lebte.

Robert Velte, der Archivar des Geschichts- und Heimatvereins, geht davon aus, dass die Linien um das Jahr 1640 zusammenlaufen. Heute steht im Wehrheimer Telefonbuch 24 Mal dieser Name und zudem noch ein Mal Velten, der davon abstammen könnte. Im Laufe der Zeit ist der Name in den unterschiedlichsten Schreibformen in den Büchern zu finden. Im 18. Jahrhundert waren acht Familien mit der Schreibweise Felden in Wehrheim gemeldet.

Das Buch der Ortsnamen, das Geschichtsvereins-Mitglied Michaela Reehse in mühevoller Kleinarbeit zusammengestellt hat, enthält mehr als 200 Eintragungen. Es ist alphabetisch von A (wie Adam Velte) bis W (wie Wilhelm Velte) geordnet und geht bis ins 17. Jahrhundert zurück.

Michaela Reehse hat dafür unzählige Archive und das Internet durchsucht, Wehrheimer befragt und viel herausgefunden. Adam Velte beispielsweise wurde 1832 von seinen Eltern Johannes Velte und Anna Katharina, geborene May, die unter der Nummer 4939.5 ebenfalls aufgeführt ist, geboren. Er war evangelisch und wurde am 6. Januar 1833 getauft. Er heiratete am 8. Februar 1863 in Wehrheim Caroline Margaretha Elisabeth Heil, und das Ehepaar hatte sechs Kinder, auch das steht im Buch der Nachnamen. 

Wehrheim: Beherrschende Stellung

Die Familie wohnte unter der Adresse Zum Stadttor 10 und gehörte zur Sippe der "Schlepperte". Die waren durch die Bank Maurer, so auch Adam, sagt Robert Velte, der Archivar des Geschichtsvereins.

Das Stammhaus der Veltes sei das heutige Anwesen von Getränke-Allendörfer in der Gartenstraße gewesen. Es habe auch ärmere Vertreter dieses Namens gegeben, aber die "Borngässer" (Gartenstraße) seien die reichen Veltes gewesen. Um sie zu unterscheiden, hatten die Linien, die sich entwickelten, Sippen-Namen, denen meist auch eine Berufsgruppe zugeordnet war: Die "Schlepperte" und die "Schreubs" waren Maurer, die "Stambesse" Schlosser, und die Berufswahl der "Rauhe" als Zimmerleute geht bis Mitte des 19. Jahrhunderts zurück.

Die meisten Familien hatten eine kleine Landwirtschaft neben ihrem Beruf, aber einige Veltes hatten auch große Höfe. "In der Zeit von 1800 bis etwa 1940 hatten die Veltes fast eine beherrschende Stellung in der Wehrheimer Landwirtschaft eingenommen", hat der verstorbene Helmut Allendörfer für den Heimat- und Geschichtsverein festgestellt.

Robert Velte verbringt viel Zeit mit alten Büchern, um die Geschichte des Apfeldorfs und seiner Familien zu ergründen.

Die Linie des Johann Henrich Velte teilt sich im 18. Jahrhundert. Während die eine im frühen 20. Jahrhundert ausstarb, treibt die des 1782 geborenen Philipp Henrich vielzählige Äste. Sohn Christian bleibt in der Borngasse, für Friedrich Heinrich kauft die Familie 1815 die Alte Post und das Gasthaus Zum Taunus in der oberen Bahnhofstraße, und er führt dort die Poststelle. In der nächsten Generation wird für die Erstgeborenen von Christian das Haus Rodheimer Straße/Ecke Schießgraben und für den ältesten Sohn von Johann Heinrich die Adolfshöhe an der Usinger Straße gebaut. Die anderen bleiben im Taunus und in der Borngasse.

Wehrheim: Linie teilt sich 1723

Die letzte Velte der Borngässer war Auguste, die Wilhelm Allendörfer aus der Wetterau heiratete. Deren Nachkommen sind die Brüder Albert (der in der Gartenstraße bleibt), Günter (Wilhelmshof) und der verstorbene Helmut Allendörfer sowie deren Kinder und Enkel.

Die Linie von Johann Peter Velte teilt sich nach dessen Sohn Johann Ludwig, geboren 1723. Aus einer entwickelten sich die "Schlepperte", aus der anderen die "Stambesse", die "Hecker" und die "Schreubs", die heute in Wehrheim noch am zahlreichsten vertreten sind. Zu ihnen gehört Robert Velte, geboren 1932.

Er kann seine Ahnentafel daher bis zu Johann Peter Velte zurückverfolgen, der mit seinem Bruder Johann Henrich die Sippe begründete. Robert Velte ist, wie es sich für einen "Schreub" gehört, gelernter Maurer. Ortsvorsteher Stefan Velte und seine Kinder Philipp (1997) und Johanna (2005) gehören auch zu den "Schreubs". Sein Vater, Großvater und Urgroßvater waren schon Schuhmacher, während der Ur-Ur-Großvater Heinrich nach "Schreub"-Manier noch gelernter Maurer war. 

In diesem Fachwerkhaus Ecke Rodheimer Straße/Schießgraben wohnten Nachkommen Johann Heinrich Veltes.

Wehrheim: Name Velte ist weit verbreitet

Auf einer Internetseite, die sich mit Genealogie beschäftigt, ist der Name Velte 6646 Mal vertreten. Zur Herkunft gibt es jedoch kaum Informationen, auch die Wehrheimer und Archivar Robert Velte wissen es nicht. Einige vermuten, dass Schweden im Mittelalter auf ihrem kriegerischen Durchzug den Namen hinterlassen haben, doch Velte hält das nicht für wahrscheinlich. Über die Bedeutung des Namens gibt es ebenfalls kaum Informationen. Eine Internetplattform vermutet als Ursprung den lateinischen Vornamen Valentinus, der für "kräftig", "stark" und "gesund" steht. Den Namen Velte gibt es in unterschiedlichen Varianten, neben Felden auch Veltens, Veltiens, Veltgens oder Feltjens.

Vertreten ist er in den Niederlanden, der Schweiz, Belgien, Österreich, Norwegen, aber auch in Indonesien und Australien. Allein in Deutschland sollen knapp 5500, in Frankreich rund 500, in den Vereinigten Staaten von Amerika 350 leben. Für Ungarn ist ein Vertreter dieses Namens notiert.

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