1. Startseite
  2. Region
  3. Hochtaunus
  4. Wehrheim

50 Jahre erfolgreiche Arbeit für die Umwelt

Erstellt:

Kommentare

Statt einer Jubiläumsfeier zum 50-jährigen Bestehen pflanzt die Nabu-Gruppe lieber 50 Bäume im Wehrheimer Festtagswald.
Statt einer Jubiläumsfeier zum 50-jährigen Bestehen pflanzt die Nabu-Gruppe lieber 50 Bäume im Wehrheimer Festtagswald. © INGRID SCHMAH-ALBERT

Nabu-Gruppe packt fleißig an: Anfangs belächelt, sind die Naturschützer heute eine starke Gemeinschaft.

Wehrheim -In diesem Monat ist der Nabu-Ortsverband 50 Jahre alt geworden. Eine große Feier ist aber nicht geplant, eher mehrere Aktionen über das gesamte Jahr verteilt, die den Naturschutz voranbringen, wie etwa die Baumpflanzaktion mit 50 Bäumen im Wehrheimer "Festtagswald" im Frühjahr. Dabei gäbe es durchaus guten Grund zum Feiern, denn ein 50-jähriges Jubiläum ist schon etwas Besonderes.

Selbst zur Jahreshauptversammlung hatte es nur einen kurzen Rückblick gegeben, eine Feierstunde mit Laudatoren und Honoratioren fand nicht statt. "Wir sind nicht so die Feier-Leute, wir packen lieber ganz praktisch an", begründet Vorsitzender Jochen Brennecke. Blickt man auf die Entwicklung der Nabu-Gruppe Wehrheim, dann können die Aktiven sehr stolz auf das Geleistete sein. Zumal vor 50 Jahren der Naturschutz und diejenigen, die sich für den Erhalt der Natur einsetzten, noch belächelt und als Spinnerei abgetan wurden.

Grüner Anstrich ist schick

Mittlerweile sei es sogar schick, sich einen "grünen" Anstrich zu geben. Aber als Günter Bohris und Bernd Mixtacki im Juli 1972 die vorwiegend aus Kindern und Jugendlichen bestehende "Vogel- und Naturschutzgruppe Wehrheim" gründeten, aus der später der Nabu hervorging, bewiesen sie bereits Weitblick. Den hatten damals nicht alle Zeitgenossen, im Gegenteil.

Als Bohris und seine Mitstreiter 1975 das erste Biotop anlegen wollten, wurden sie regelrecht ausgelacht, erinnert sich Wolf Dieter Herrmann, ebenfalls seit den frühen Jahren, vor allem bei den unzähligen Arbeitseinsätzen und seit den 80er Jahren auch im Vorstand aktiv. "Man wies Günter Bohris damals den Schuttplatz am Stockborn zu, wohl mit dem Hintergedanken, dass da bei diesem alten, zugewucherten Hohlweg nicht viel herauskommen würde", berichtet Herrmann von den Anfängen.

Platz in der Gesellschaft erobert

Inzwischen betreut die Nabu-Gruppe rund 30 Biotope rund um Wehrheim und seit Juni 2021 auch in Oberursel. Aus der zunächst reinen Jugendgruppe wurde schon bald ein richtiger Verein, der stetig wuchs und dank der Unterstützung von vielen Erwachsenen auch schwerere Arbeitseinsätze meistern konnte. Unterstützung bekam die Gruppe auch durch die Kooperation mit der Landjugend, als deren eigenständige Unterabteilung sie anfangs offiziell gegründet wurde.

Nachdem das erste Biotop am Stockborn nach etlichen Durchforstungs- und Anpflanzungsmaßnahmen - entgegen der allgemeinen Erwartung - doch ein Erfolg wurde und 1980 das erste Feuchtbiotop (Am Wolfsborn) durch mehrfaches Aufstauen und Rückleiten des Bachs entstand, verstummten die Unkenrufe, und die Gruppe wurde ernst genommen.

Das Umweltbewusstsein wuchs allgemein, ausgelöst und verstärkt durch verschiedene Umweltkatastrophen. Der Gewässer- und Hochwasserschutz (damals wurde das Baugebiet "Stecker" noch regelmäßig vom Bizzenbach "besucht", weil dieser in ein Kanal-ähnliches Bett gezwungen war) wurde schnell ein wichtiges Anliegen und bildet bis heute einen Schwerpunkt in der Arbeit des Wehrheimer Nabu.

Die überaus aktive Gruppe erregte sogar die Aufmerksamkeit des damaligen hessischen Umweltministers Joschka Fischer (Grüne), der in Anerkennung des Engagements für erfolgreiche Naturschutzarbeit 1986 eine Ehrenurkunde verlieh. "Weg von der Nistkasten-Romantik - Vogel- und Naturschutzgruppe mit neuem Selbstverständnis" titelte die Lokalredaktion dieser Zeitung anlässlich dieses Ereignisses. Zu diesem Zeitpunkt waren neben den Biotopen am Stockborn und Am Wolfsborn längst auch die Feuchtbiotope "Gemeindeviehweide" und "An der Mark" sowie die Feldgehölze "Am Hasenborn" und "An der Müllerhohl" entstanden.

Aber es galt seit jeher nicht nur, Biotope zu schaffen, in denen die heimische Flora und Fauna ein Refugium erhält und die Artenvielfalt gefördert wird. Auch die Bevölkerung sollte sensibilisiert werden. Die Arbeitseinsätze und die Einbindung der Kinder und Jugendlichen sowie die öffentlichen naturkundlichen Wanderungen, die Müllsammelaktionen oder die "Naturschutzwoche" mit den "Tagen der offenen Tür" gehörten ebenso dazu und haben inzwischen eine über 40-jährige Tradition.

Die inzwischen legendäre "Glühweinfete", mit der die Nabu-Gruppe immer am ersten Samstag im Januar die Besucher begrüßt und über Projekte informiert, sind aus dem Veranstaltungskalender nicht mehr wegzudenken. Was dagegen abgespeckt wurde, ist der Vereinsvorstand. Gab es 1985 noch die Abteilungen Wandern, Werken oder Arbeitseinsatz sowie einen Vergnügungs- und einen Gerätewart, so werden die anfallenden Aufgaben längst im kleineren Kreis gemanagt.

Chefetage ausgelichtet

Das erspare viele Ressourcen für unnötigen Verwaltungsaufwand, zeigt sich Brennecke zufrieden, denn er kann für die Erledigung der zahlreichen Arbeiten dennoch auf viele helfende Hände vertrauen. Schließlich sind es nicht nur die Schaffung und Pflege der Biotope, sondern auch etliche kleinere Maßnahmen, wie etwa das Anlegen von Benjeshecken, Wegrandbepflanzungen oder Krötenzäune sowie die Pflege von rund 140 Nistkästen und die Betreuung von Futterstellen für Wintervögel, die von den Aktiven geleistet werden.

Wer sich der Nabu-Gruppe anschließen möchte, sei es als aktives oder als passives Mitglied, wendet sich per E-Mail an info@ Nabu-wehrheim.de . Weitere Infos auf: www.Nabu-wehrheim.de. VON INGRID SCHMAH-ALBERT

Auch interessant

Kommentare