+
Gleichberechtigte Trainer: Sebastian Wagner (rechts) spricht mit den Spielern, Marcel Heid sitzt vorne auf der SG-Bank.

Handball

Ambitioniertes Team: Wie ein Trainerduo die SG Wehrheim/Obernhain weiterentwickelt

  • schließen

Vom Abstiegskandidaten zum Aufstiegsanwärter: Das kann schnell gehen – wie bei den Handballern aus Wehrheim und Obernhain.

Marcel Heid ist einer der wenigen, die von auswärts kommen. Heißt: nicht schon lange bei der SG Wehrheim/Obernhain Handball spielen oder in der Limesgemeinde leben. Heid hat sich seine Sporen für das Traineramt bei der TSG Oberursel verdient, machte als Spieler einige Jahre in den höchsten hessischen Ligen mit. Umso begeisterter ist der 29-Jährige über die außergewöhnlichen Rahmenbedingungen, die bei der SG herrschen.

150 oder 200 Zuschauer sind bei den Heimspielen keine Seltenheit. In den Aufstiegsspielen gegen TuS Nordenstadt sei die Halle der Limesschule mit 500 Anhängern sogar proppenvoll gewesen. „Das durfte ich zu Oberliga-Zeiten kaum erleben, und wir spielen in der Bezirksliga B“, sagt Heid.

Der Oberurseler ist als Spieler nach der Operation seines gebrochenen Mittelfußes noch länger außer Gefecht gesetzt, coacht mit Sebastian Wagner aber wie gewohnt die SG, wenn sie am Sonntag um 18.30 Uhr auf die TSG Münster III trifft. Die lange Freundschaft der beiden hat dazu geführt, dass sie die Mannschaft zur vergangenen Runde als gleichberechtigte Trainer übernahmen. „Wenn der eine aktiver ist, nimmt sich der andere automatisch zurück“, erläutert Heid die Aufgabenverteilung. Für Sebastian Wagner (32), der mit ihm bei der TSG Oberursel spielte und wegen seines zweiten Achillessehnenrisses die Laufbahn beendete, ist das Engagement Ehrensache. Bei der SG hat er als Handballer begonnen, in Obernhain wohnt er.

Das befreundete Trainerduo formte aus einem Abstiegskandidaten einen Aufstiegsanwärter, der erst in den beiden Entscheidungsspielen gestoppt wurde. Nordenstadt habe ein, zwei sehr erfahrene Leute dabei gehabt, blickt Heid zurück, „und was uns fehlt, ist eben die Erfahrung“. Dafür hat die mit zwei Siegen gut gestartete Mannschaft, in der kein Spieler älter als 26 Jahre ist, andere Stärken. Die Fitness und das hohe Tempo, das man gehen kann. Kein so unwichtiger Faktor in der drittniedrigsten Spielklasse, in der sich einige Handballer tummeln, die sich im Spätherbst ihrer Karriere befinden.

Das beste Beispiel liefert die nächste Aufgabe der SG am Sonntagabend, wenn die Münsterer „Dritte“ mit zweit- und regionalligaerfahrenen Akteuren antreten wird, die sich aber altersmäßig eben schon jenseits der 40 bewegen. „Das wird wieder ein interessanter Vergleich“, schmunzelt Heid.

Er verweist auf die Heimstärke seiner Mannschaft (nur zwei Niederlagen in der Vorsaison), aber auch darauf, dass spielerisch noch Sand im Getriebe sei. Weil sich 14 bis 18 Spieler regelmäßig im Training befänden, habe man sich im Kollektiv schon enorm weiterentwickelt, vor allem in der Abwehr und sowie der „1. und 2. Welle“.

Jedoch spürten die Spieler jetzt neuerdings auch Druck. Gegen Bergen-Enkheim und in Hattersheim sei zwar gewonnen, aber noch ziemlich nervös agiert worden. Um sich „Spitzenmannschaft“ nennen zu können, fehlte noch einiges. Für die Trainer keine Überraschung. „Wir haben gesagt, dass wir in der Tabelle so lange wie möglich ganz oben dran bleiben wollen“, sagt Heid. Das Wort Aufstieg nimmt er nicht in den Mund. Das würde nicht passen zur SG, das hat Marcel Heid als „Auswärtiger“ schnell verstanden. „Der Verein ist sehr familiär geführt, sehr empathisch“, sagt der Trainer. „Jeder weiß, wo er hin will und wo er herkommt. Abheben wird hier niemand.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare